Eigenverantwortung

Foto: Madsack Medienagentur

Warum ÜberMorgen?

Warum ÜberMorgen?

Dr. Heinrich Jagau, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hannover bis Dezember 2019, über die Ziele des Projekts

Herr Dr. Jagau, Sie haben mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung das Projekt ÜberMorgen ins Leben gerufen. Was treibt Sie an?

Dr. Heinrich Jagau: Was muss anders werden, damit in Hannover zukünftig die Lebensqualität weiterhin stimmt? Diese Frage stellen wir uns. Beide Unternehmen haben großes Interesse daran, dass Hannover auch in Zukunft ein erfolgreicher Standort ist. Mit der Frage, wie viel Gesundheit wir uns übermorgen noch leisten können, beleuchten wir ein Thema, das viele Menschen in der Stadt und im Umland beschäftigt. Unser Gesundheitssystem wird immer teurer, doch die Ergebnisse werden nicht unbedingt besser, die Abläufe nicht effektiver. Wer ist schuld an der Kostenexplosion? Was müssen wir vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft in der Region tun, damit Gesundheit für alle bezahlbar bleibt? Wie müssen wir unser Gesundheitssystem umbauen, damit wir eine gute Behandlung und Pflege für alle leisten können? Fünf Veranstaltungen mit interessanten Podiumsteilnehmern und eine Webplattform geben Denkanstöße.

Warum arbeitet die Sparkasse Hannover hier mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zusammen?

Dr. Heinrich Jagau: Die HAZ ist die größte Tageszeitung in der Region. Sie erreicht mit ihren Print- und Online-Ausgaben rund 503.000 Menschen. Wohlgemerkt, jeden Tag. Damit ist die HAZ das größte Forum für elementare Themen, die die Region bewegen. Die Sparkasse Hannover wiederum ist Marktführer unter den Kreditinstituten in der Region. Wir sind mit rund 690.000 Kunden und mit einem Filial- und Digitalnetz regionalweit vertreten und außerdem seit fast 200 Jahren in der Region aktiv. Sparkassen verkörpern institutionalisiertes Zukunftsdenken. Schon als Witwen- und Waisenkassen boten sie eine Perspektive für die Absicherung im Alter, immer auch für die folgenden Generationen. Das hat sich bis heute nicht verändert: Es geht um die Beratung von Privatleuten, Unternehmern, Institutionen und Kommunen in deren Zukunftsfragen. Weil sie alle wissen wollen: Worauf muss ich mich heute einstellen, damit ich Marktentwicklungen, Rentenentwicklungen und gesellschaftliche Megatrends nicht verschlafe?

Zentral für beide Partner ist die Fokussierung auf den regionalen Raum? ­

Dr. Heinrich Jagau: Richtig. Und da ist unser Blick natürlich nicht nur auf die Gegenwart gerichtet, sondern auf das, was uns im Übermorgen bestimmen wird. Die digitale Transformation ist auch in unserem Geschäft in vollem Gange. Wir werden übermorgen das Verhältnis von medialen und persönlichen Begegnungen mit unseren Kunden deutlich verändert haben. Weil sehr, sehr viele Dienstleistungen über Medien und sehr viele komplett durch Technologie erbracht werden können und von den Menschen auch so genutzt werden. Bei Beratung in komplexeren Fragen, die Investitionen und Absicherungen betreffen, Unternehmernachfolgen oder Auslandsgeschäften – da werden Algorithmen nicht die menschliche Urteilskraft und das fundierte Know-how eines guten Beraters ersetzen. Das ist wie mit dem Qualitätsjournalismus: Die Suchmaschinen liefern Ihnen vermutlich die meisten Fakten. Für eine richtig gute Story braucht es eine Verstehmaschine, die Recherchen anstellen und Verbindungen herstellen kann: Und das ist der Mensch!

Sie betonen auch stets Ihren öffentlichen Auftrag.  

Dr. Heinrich Jagau: Dieser besteht auch darin, Zukunftsentwicklungen für diese Region mitzugestalten. Dazu gehören Infrastrukturprojekte, Wirtschaftsförderung, Förderung von Sport, Umwelt-, Kultur, Gesundheits- und Sozialprojekten. Die Zukunftssicherung dieser Region ist, wenn Sie so wollen, unsere Rendite.

Darum also engagieren sich zwei Unternehmen, die seit vielen Generationen in der Region Hannover fest verwurzelt sind, gemeinsam im Projekt ÜberMorgen?

Dr. Heinrich Jagau: Wir stehen mit Hunderttausenden von Menschen in der Region tagtäglich in Kontakt. Deren Erfolg wird ebenfalls von der Entwicklung dieser Region bestimmt. Wir sind daher geradezu prädestiniert, eine innovative Plattform zu den Themen von übermorgen zu schaffen: Wir wollen damit Menschen aus unserer Region zusammenbringen, die Entscheidungen prägen, die an Zukunftsaufgaben arbeiten und die schlicht an Zukunftsthemen interessiert sind.

Das digitale Herz ist uebermorgen.haz.de?

Dr. Heinrich Jagau: Auf der Projekt-Multimedia-Seite uebermorgen.haz.de legt die Redaktion den Finger in die Wunden. Wir fragen nach der Zukunftsstrategie für unser Gesundheitssystem im Hinblick auf medizinische Versorgung, Pflege, Digitalisierung, Prävention sowie Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Zehn Monate lang gehen regelmäßig neue Themen online und liefern Einblicke, Visualisierungen, Aha-Effekte und Hintergrundwissen mit hohem Nutzwert. Wir heißen damit alle willkommen bei ÜberMorgen und wünschen ihnen viele Denkanstöße und Impulse!

Wearables für mehr Selbstoptimierung

Wearables erfreuen sich großer Beliebtheit

Sogenannte Wearables erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Schätzungsweise 172 Millionen der kleinen smarten Teile werden in diesem Jahr weltweit über die Ladentheken gehen, davon 42 Millionen Fitness-Armbänder. In Deutschland nutzen 26 Prozent der Menschen Wearables, die meisten von ihnen (40 Prozent) die Smartwatch von Apple. Außer dem Platzhirsch teilen sich wenige Branchenführer den Markt im Bereich der Fitnessarmbänder sowie in der Sparte Sport-Tracking.

Autorin: Juliane Moghimi
Fotos: iStockphoto.com/Mikolette/iStockphoto.com/TommL

Neue Anbieter dürften es schwer haben, glaubt Florian Schumacher, denn „der Markt für Lifestyle- und Fitness-Wearables ist weitgehend konsolidiert“. Der Self-Tracking-Experte aus München beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit den Möglichkeiten der digitalen Selbstvermessung, berät Hersteller und Entwickler ebenso wie Krankenkassen.   Für deutsche Unternehmen von Hardwareprodukten sieht er besondere Herausforderungen, nicht zuletzt deshalb, weil oft nicht genügend Ressourcen für Entwicklung und Marketing zur Verfügung stehen. Chancen, so Schumacher, hätten vor allem Unternehmen, die Geräte für medizinische Anwendungen entwickeln, wie etwa Wearables, die den Blutdruck messen können.

„Allerdings unterliegen Medizinprodukte einem aufwendigen Zertifizierungsverfahren und müssen durch große Studien validiert werden.“ Bis auf wenige Ausnahmen, etwa die medizinisch bestätigte Erkennung des lebensgefährlichen Vorhofflimmerns durch die Apple Watch, steckt das noch in den Kinderschuhen – hauptsächlich aus Kostengründen. Deshalb sind die Nutzer mit ihren Wearables bisher überwiegend im Lifestyle-Bereich unterwegs. Sie zeichnen Schrittzahlen, Wegstrecken und Pulsfrequenz auf, tippen Gewicht und aufgenommene Kalorien ein – mit dem Ziel, ihre Trainingserfolge zu dokumentieren und ihre Körperfunktionen im Blick zu behalten. Ganz klar: Es geht um Selbstoptimierung.

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Krankenkassen zeigen Interesse

Auch die Krankenkassen haben diesen Trend längst für sich entdeckt. Das Interesse ist durchaus gegenseitig: Immerhin ein Drittel der Nutzer sind laut einer Studie des Digitalverbands BITKOM bereit, die von ihren Wearables aufgezeichneten Daten mit ihrer Krankenkasse zu teilen – wenn sie im Gegenzug Rabatte oder individuelle Gesundheitsinformationen erhalten. Möglich wird der Transfer, indem die Versicherer ihre eigenen Apps mit Apple Health, Google Fit & Co. koppeln. Florian Schumacher sieht das positiv: „Die Kassen belohnen gesundheitsförderndes Verhalten. Dazu zählen neben Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitskursen auch ein aktiver Lebensstil, der mit den Messwerten der Wearables ganz einfach dokumentiert werden kann, ohne dass die Bestätigung durch einen Arzt oder eine andere Kontrollinstanz notwendig sind. Das ist viel praktikabler und wird der Lebensrealität vieler Versicherter besser gerecht.“

Was passiert mit den Gesundheitsdaten?

Genau das sieht Dr. Gerald Neitzke von der Medizinischen Hochschule Hannover kritisch. „Die Motivation zu gesundem Verhalten sollte aus dem Menschen selbst kommen“, ist der Medizinethiker überzeugt. „Außerdem hat jeder sein individuelles Risikoprofil. Jemand kann noch so viele Schritte am Tag gehen und dabei den perfekten BMI haben – wenn er eine Sportart mit hohem Verletzungsrisiko ausübt, geht er gesundheitliche und ökonomische Risiken ein.“ Neitzke findet es generell falsch, Menschen mithilfe von materiellen Anreizen oder – schlimmer noch – Sanktionen zu bestimmten Verhaltensweisen zu drängen. „Jeder hat das Recht, seine eigene Gesundheit zu erhalten oder zu schädigen. Wir alle gehen Gesundheitsrisiken ein, aber das Profil dieser Risiken ist individuell unterschiedlich.“ Hinzu komme, dass Internetriesen mit den gesammelten Bewegungsdaten nicht Gesundheit erhalten, sondern Profit machen wollen. „Wir wissen, dass Google Gesundheitsdaten sammelt. Wenn nicht für den Verkauf an Dritte, dann zumindest für die personifizierte Werbung. Wenn jemand diese Daten freiwillig zur Verfügung stellt, wird der Mensch selbst zur Ware.“

Ethische Bedenken gegen Nutzung

Auch gegenüber den Krankenkassen ist der Medizinethiker skeptisch. „Natürlich verfolgen die Versicherer ein wirtschaftliches Interesse. Denn je gesünder die Mitglieder sind, desto weniger Kosten verursachen sie.“ Es sei daher nicht verwunderlich, dass etliche Anbieter inzwischen den Kauf von Wearables mit einer Zuzahlung unterstützen oder die kleinen Geräte als Prämien in ihre Bonusprogramme einbeziehen. „Letztendlich stellt sich für mich aber die Frage, welches Menschenbild hinter dem ganzen Vermessen steckt. Wer seinen Körper kontrolliert, misstraut ihm. Das ist möglicherweise langfristig keine gute Strategie, um glücklich zu leben. Dieser Drang zur Selbstoptimierung verhindert ein altersgerechtes Gesundheitsverständnis. Es ist fraglich, ob ein 70-Jähriger einen Marathon laufen können muss!“

Digitale Bonusprogramme

Florian Schumacher ist da weniger streng. In erster Linie, so die Einschätzung des Self-Tracking-Experten, geht es den Kassen auch gar nicht ums Abgreifen von Daten, sondern darum, mit ihren Mitgliedern in Kontakt zu sein. Eine detaillierte Überwachung stünde im Widerspruch zur gesetzlich verordneten Datensparsamkeit der Krankenkassen, erklärt Schumacher: „Bei den digitalen Bonusprogrammen der gesetzlichen Kassen werden die Daten direkt auf dem Endgerät des Nutzers ausgewertet.“ Der Versicherer überträgt und speichert also keine konkreten Werte, sondern nur, ob der Betroffene die Kriterien für eine Belohnung erfüllt oder nicht. „Das ist vergleichbar mit dem Arzt. Der bescheinigt auch lediglich, ob Werte wie BMI oder Blutzucker im Normbereich liegen und belohnt werden sollen. Details erfährt die Krankenkasse also nicht.“

Vorteile von personalisierten Angeboten

Für Schumacher könnte eine engere Vernetzung jedoch auch durchaus Vorteile mit sich bringen. „In den USA setzen Krankenversicherer auf persönliche Daten zur Personalisierung ihrer Unterstützungsangebote, was wiederum engagiertere und gesündere Patienten zur Folge hat.“ So können Krankenkassen ihre Patienten aktiv auf für sie sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen oder therapeutische Maßnahmen hinweisen. „Umso mehr Daten hierfür genutzt werden können, umso effektiver die Unterstützung. Dabei ist das amerikanische Gesundheitssystem grundlegend anders organisiert als in Deutschland. Die Grundidee, die Gesundheit von Versicherten zu fördern, sollte aber auch mit deutschen Werte- und Rechtsvorstellungen vereinbar sein.“

Mit Datenspenden der Coronaforschung helfen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat eine App zur Verfügung gestellt, die ergänzende Informationen dazu liefern soll, wie sich das Coronavirus bundesweit verbreitet und wie das Infektionsgeschehen verläuft. Die App ist unter dem Namen „Corona-Datenspende“ für iOS- und Android-Geräte verfügbar. Sie funktioniert in Kombination mit Fitnessarmbändern und Smartwatches verschiedener Hersteller. Die Nutzung der App ist freiwillig und pseudonymisiert – das RKI hat zu keiner Zeit Kenntnis über persönliche Informationen wie Name oder Anschrift der App-Nutzer. Entwickelt wurde die App gemeinsam mit dem e-Health-Unternehmen Thryve und unter Einbeziehung des Bundesdatenschutz­beauftragten.

Die Idee hinter der Corona-Datenspende-App ist simpel: Viele Menschen zeichnen regelmäßig mit Smartwatches oder Fitnessarmbändern ihre Vitaldaten auf. Dazu zählen Ruhepuls, Schlaf und Aktivitätsniveau. Bei einer akuten Atemwegserkrankung ändern sich diese Vitalzeichen in den meisten Fällen deutlich. Daher können auch typische COVID-19-Symptome wie Fieber durch die App erkannt werden. Mithilfe der Corona-Datenspende-App kann der Nutzer diese Daten plus seine Postleitzahl dem RKI zur Verfügung stellen. Alle Daten werden wissenschaftlich aufbereitet und fließen im Anschluss in eine Karte ein, die regelmäßig aktualisiert wird.
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Prävention in Kitas und Schulen

Sport, Spiele und Bewegung stärken Kinder.

Kinder fürs Leben stärken

Gesundheitsvorsorge fängt nicht erst an, wenn etwas wehtut. Prävention ist das Gebot der Zeit. Die Kosten im Gesundheitswesen steigen, weil auch die Zahl der Patienten steigt. Zwar schlägt auch der medizinische und pharmazeutische Fortschritt zu Buche, viele Erkrankungen und kostspielige Behandlungen können allerdings vermieden werden, wenn frühzeitig auf die Gesundheit geachtet wird – auch bereits in Kindergarten und Grundschule.

Autorin: Susanna Bauch
Fotos: Claus Kirsch/Katrin Kutter/Tim Schaarschmidt/ iStockphoto-com/StockPlanets

Dass Kinder sich möglichst viel bewegen und gesund essen sollten, gehört längst zu den Grundregeln der Erziehung. Immer häufiger allerdings kommt schon diese Basisprävention zu kurz. „Im Zeitalter der Smartphones toben Kinder weitaus weniger als früher, sondern sitzen drinnen und bewegen allenfalls die Finger“, sagt Kinderarzt und Mitglied des Vorstands der Ärztekammer Niedersachsen, Thomas Buck.

Thomas Buck, Kinderarzt und Mitglied des Vorstands der Ärztekammer Niedersachsen.

Auch Grundschulleiter sind alarmiert. „Alle wollen Digitalisierung in der Schule, und dann sitzen die Kinder mit ihren Tablets in der Pausenhalle, anstatt auf dem Schulhof zu kicken“, erzählt eine Grundschulleiterin aus Hannover. Dass mangels intakter Schwimmbäder der Schwimmunterricht für Grundschüler immer häufiger ausfällt, sei ebenfalls ein großes Problem. „Da fehlt zum einen Bewegung, zum anderen steigt die Zahl der jugendlichen Nichtschwimmer. Das ist gefährlich.“

Minimum 60 Minuten Bewegungsfreiheit

Die WHO empfiehlt für Schulkinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren täglich mindestens 60 Minuten mäßige bis fordernde körperliche Aktivität. Denn aktive Kinder haben viele Vorteile gegenüber weniger aktiven Altersgenossen:
• fitter in Sachen Herz und Atmung
• stärkere Muskeln
• geringerer Körperfettanteil
• geringeres Risikoprofil für kardiovaskuläre und Stoffwechselerkrankungen
• gesünderes Skelett
• weniger psychische Auffälligkeiten wie etwa Angststörungen und Depressionen
• bessere Konzentrationsfähigkeit
Körperliche Aktivität macht nicht nur Kinder gesünder, sondern wirkt auch vorbeugend gegen Krankheiten im Erwachsenenalter – vor allem gegen Diabetes und Adipositas.

Strategien gegen Stress

Kinder und Jugendliche haben zudem auch Stress – da unterscheiden sie sich nicht von Erwachsenen. Betroffene Kinder fühlen sich öfter unwohl, haben häufiger ein geringes Selbstwertgefühl und eine negative Selbstwahrnehmung. Wissenschaftler der Universität Leipzig empfehlen, den Kindern Problemlösungskompetenzen und Entspannungstechniken an die Hand zu geben. Hier setzt Präventionsarbeit an. Kinder sollten rechtzeitig Strategien kennenlernen, mit deren Hilfe sie lernen, mit unvermeidbarem Stress besser umzugehen. Wer als Kind gelernt hat, mit Stress umzugehen, hat es auch als Erwachsener leichter. „Prävention schon im Kindesalter ist wichtig und vor allem für das Gesundheitswesen auch kostengünstiger als eine spätere Reparatur“, betont Matthias Berndt vom Verband der niedersächsischen Hausärzte. Schulsport etwa dürfe nicht ausfallen, was allerdings immer häufiger an der Tagesordnung sei.

Matthias Berndt, Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen im Deutschen Hausärzteverband.

Prävention schon in Kita und Schule

In der Kindheit werden die wesentlichen Grundsteine für ein ganzes Menschenleben gelegt – auch was die Gesundheit betrifft. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung sowie seelisches Wohlbefinden sind drei wichtige Säulen für eine gesunde Entwicklung von Kindern. Die in der Kindheit gelernten Verhaltensmuster und Gewohnheiten manifestieren sich oft für das weitere Leben. Faktoren wie ein stabiles Selbstbewusstsein, ein positives Bild vom eigenen Ich und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten machen Kinder stark und sind eine gute Ausgangsbasis für ihre Zukunft. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in den vergangenen Jahren Projekte und Angebote zur Gesundheitsprävention auch in Kindergärten und Schulen fast selbstverständlich angeboten werden. Viele Krankenkassen wollen mit kindgerechten Theaterstücken oder Workshops späteren Problemen vorbeugen, das Niedersächsische Kultusministerium schickt seit 2012 Berater für Gesundheitsförderung an Schulen und bietet Kurse zu den Themen Sucht oder rauchfreie Schule an. Bewegung spielt zudem eine zentrale Rolle, offensichtlich reicht es heute nicht mehr, dass Kinder ihren Bewegungsdrang in der Freizeit ausleben – da ist oft das Smartphone wichtiger. Also werden die entsprechenden Programme in Kitas und Grundschulen systematisch durchgeführt.

Schlafmangel bringt Kinder aus dem Rhythmus

„Für die Kitas empfiehlt sich neben Ernährungs- und Bewegungsprogrammen auch eine Sprachstörungsprävention“, sagt Kinderarzt Thomas Buck. Und im Grundschulalter sei zunehmend der Schlaf ein Problem der Kinder. „Vielen fehlt ein gesunder Schlaf, auch weil sie vermutlich ihr Smartphone mit ins Bett nehmen dürfen“, so Buck. Schlafmangel begünstige auch Verhaltensauffälligkeiten. Außerdem ist Buck der Meinung, dass zur Familienprävention auch ein guter Kontakt zum Jugendamt gehöre. „Gemeinsam können wir familienstabilisierend wirken.“ Buck sieht frühe Smartphone-Nutzung als Gefahr. „Es ist schlecht für das Gehirn, weil damit dieselben Reize im Gehirn aktiviert werden wie bei Drogen“, so Buck. Daher mache das Handy durchaus süchtig. Hier seien aber nicht nur Kita und Schule gefragt. „Die Eltern müssen in die Pflicht genommen werden. Oft sind sie bei ihren Kindern abwesend trotz Anwesenheit.“ „Wenn Kinder mit richtiger Bewegung und Ernährung sowie Zuwendung aufwachsen, verringern sich gesundheitliche Schäden im späteren Lebensalter“, sagt auch Mustafa Yilmaz, Allgemeinmediziner und Leiter des Gesundheitsamtes Region Hannover. „Kitas und Eltern haben eine große Verantwortung, vor allem was das Essen betrifft. Salz und Zucker etwa sollten nur mäßig eingesetzt werden.“

Mustafa Yilmaz, Allgemeinmediziner und Leiter des Gesundheitsamtes Region Hannover.

Grundsätzlich aber, so Yilmaz, seien Kinder und junge Erwachsene sehr viel gesünder als noch vor 40 Jahren. „Wir haben eine noch bessere Hygiene, auch was das Zähneputzen betrifft, viele gute Lebensmittel, gutes Trinkwasser und bessere Wohnbedingungen.“ Um diese Vorteile langfristig zu nutzen, müsse aber sehr bewusst gelebt werden – von Kindesbeinen an.

Bundesweite Programme stärken Schüler und Lehrer

Bundesweit funktioniert das Projekt MindMatters. Mit den Unterrichtsmodulen unterstützt das Programm Schulen, das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit von Schülern der Jahrgänge eins bis 13 sowie Lehrkräf¬ten zu fördern. MindMatters ist ein Kooperationsprogramm der Barmer Krankenkasse, der Unfallkasse Nordrhein¬-Westfalen, des Gemeinde¬Unfallversiche¬rungsverbandes Hannover, der Landesunfallkasse Niedersachsen und der Leuphana Universität Lüneburg.
Auch die Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen ist ein bundes¬weites Projekt zur Kopfschmerzprävention an Schulen. Kopf¬schmerzen stellen eine zunehmende gesundheitliche Belastung für Kinder und Jugendliche dar. Gerade bei Heranwachsenden können Kopfschmerzen durch gesundheitsbezogene Aufklärung vermieden werden. Im Rahmen von Unterrichtseinheiten wird Schülern vermittelt, was Kopfschmerzen auslöst, wie man vorbeu¬gen kann und welches Verhalten bei akuten Kopfschmerzen richtig ist. Dazu gehört auch die Sensibilisierung für die Risiken eines unreflektierten Medikamentengebrauchs. Um die Umset¬zung des Gelernten im Alltag zu erleichtern, werden Eltern und Lehrkräfte mit einbezogen. Sie sind mitverantwortlich, den Alltag der Kinder so zu gestalten, dass Kopfschmerzen die Ausnahme bleiben.
Auch Yoga etwa tut Kindergarten- und Schulkindern nachweislich gut. Yoga entspannt und macht Spaß. Eine wissenschaftliche Untersuchung an der Uni Leipzig fand schon vor Jahren heraus, dass kindgerechte Yogaübungen zum Stressabbau beitragen und helfen können, gelassener mit Belastung in Alltag und Schule umzugehen. Die Wissenschaftler haben zudem belegt, dass Kinderyoga hyperaktives Verhalten und Emotionen wie Angst oder Ärger regulieren kann. Nachvollziehbar, denn Kinder kommen mit einer Yogaeinheit samt langsamer Bewegung und Atmung in der Haltung Katze oder Kobra zur Ruhe.
Ein wichtiges Präventionsthema ist die gesunde Ernährung, um vor allem Adipositas sowie Diabetes vorzubeugen. Es ist nicht nur wichtig, wie zu Hause gekocht wird. Aktionen wie gesundes Frühstück für Erstklässler oder auch Kochkurse stärken das Empfinden der Mädchen und Jungen für ein gutes Körpergefühl. Zu dem dann wieder die Bewegung zählt und sich im positiven Fall ein Kreis schließt.

Neue Wohnformen für Senioren

Eine Form von Gesundheitsprävention: Neue Wohnformen mit gemeinschaftlich genutzten Bereichen ermöglichen Senioren den Austausch im Alltag.

Neue Wohnformen für Senioren

Die WohnIdee, so der Titel des gemeinschaftlichen Bauprojekts, wird auf dem Grundstück der Ohe-Höfe nicht nur irgendein Wohnhaus errichten, sondern ihre Vorstellung von einer zufriedenstellenden Wohnform für Senioren verwirklichen. Es ist ein in nunmehr fast sechs Jahren gereifter Plan von Menschen, die ein Schicksal eint: Sie werden alt. Und dabei wollen sie nicht alleine sein.

Autorin: Rebekka Neander
Foto: iStockphoto.com/SeventyFour

Was die Zukunft ihnen bringen wird, wissen sie so ganz genau noch nicht. Da mögen die Pläne über die Jahre hinweg noch so gut gereift sein und nun detailgenau auf dem Tisch liegen. Doch derzeit ist ihr künftiges Zuhause noch nicht viel mehr als ein freigeräumtes Grundstück, „auf dem jetzt hoffentlich bald die Bodenplatte gegossen wird“. Doch Günther Baumert, Jahrgang 1952, ist zuversichtlich. Zuversichtlich, dass seine Frau und er die richtige Entscheidung getroffen haben und dass mit dem Bau des Mehrfamilienhauses nicht mehr viel schiefgehen wird. „Im Sommer kommenden Jahres können wir wohl einziehen“, sagt er zuversichtlich.

Bauprojekt für Senioren im Alter von 59plus

Mit den Baumerts werden das dann noch 14 weitere Mitstreiter im Alter von 59plus mit höchstwahrscheinlich denselben Hoffnungen tun. Deshalb haben sie sich bereits vor einigen Jahren in dem Verein WohnIdee organisiert und gemeinsam mit der Genossenschaft Selbsthilfe Linden eG als Bauherrin um ein Grundstück auf den Ohe-Höfen beworben. „Mich reizt an dieser Idee nicht nur der gemeinschaftliche Bau altengerechter und barrierefreier Wohnungen“, sagt Baumert. „Auch der Gedanke der Genossenschaft gefällt mir.“ Stärkster Antrieb, diesem selbstverwalteten Mietwohnprojekt beizutreten, sei jedoch die simple Erkenntnis: „Einsamkeit ist der größte Killer.“

Den Erlös für das Reihenhaus, in dem Günther Baumert derzeit noch mit seiner Frau wohnt, wandert zu einem Teil in das Kapital der Genossenschaft. Das mindert ihre individuelle Miete in Zukunft und bleibt den eigenen Kindern als Erbmasse erhalten. Der pensionierte Lehrer sieht sich damit eindeutig in privilegierter Position – ein Luxus, den er weitergeben möchte. Er engagiert sich deshalb im Aufsichtsrat der Genossenschaft. „Damit die Idee der Gemeinschaft weiter unterstützt wird.“

Gemeinschaftsgedanken im Alltag verankern

So klar die Baupläne mit barrierefreien Zugängen, rollstuhlgerechten Schalterhöhen und einem auch für Liegendfahrten geeigneten Fahrstuhl von WohnIdee auch sein mögen, viele weitere Ansätze gehören noch ins Reich der Ideen. Erst der Alltag werde zeigen, wie stark der Gemeinschaftgedanke gelebt werde, sagt Baumert. Wie weit geht das Zur-Seite-Stehen? Füreinander einkaufen im Krankheitsfall? Bestimmt. Aber Pflege? Betreuung? Das wagt niemand derzeit vorherzusagen. So gut kenne man sich noch nicht. Eine feste Vereinbarung mit einem Pflegedienst ist zurzeit nicht vorgesehen.

Für das Kennenlernen und gegenseitige Unterstützung jedoch wird es reichlich Gelegenheit geben: Im Erdgeschoss, so Baumert ist ein großer Gemeinschaftsbereich mit einer Küche vorgesehen. Ein Ort also für regelmäßige Treffen und gemeinsame Aktivitäten, für Austausch und Kommunikation. Das einst ebenfalls geplante Gästezimmer, das allen Mietern zur Verfügung stehen sollte, fiel allerdings dem Rotstift zum Opfer, wie Baumert einräumt. „Nun beraten wir, ob in den Wohnbereich eine Schlafcouch kommt - für alle Fälle.“

Land fördert das Wohnprojekt

Einige Wohnungen im Gebäude des Vereins WohnIdee werden durch öffentliche Förderung mitfinanziert. Sie sind jenen vorbehalten, deren Einkommen zwischen 20 und 60 Prozent über dem Sozialhilfesatz liegen. Zudem steckt auch Geld des Landes in dem Projekt: Unter dem Titel „Wohnen und Pflege im Alter“ unterstützt das Land seit 2015 mit jährlich einer Million Euro modellhafte regionale Projekte, die ein weitgehend selbstständiges Leben älterer Menschen in einem häuslichen Umfeld auch im hohen Alter oder bei Pflegebedürftigkeit ermöglichen. Im ersten Jahr bewilligte das Niedersächsische Sozialministerium 18 solcher Projekte, 2016 waren es noch 14, in den darauffolgenden Jahren erhielten jeweils neun einen Förderbescheid. Für das laufende Jahr sind bereits elf neue Vorhaben geplant, die Bescheide dafür sind jedoch noch nicht erteilt.

Der Spaß am Sport

Fitness und Bewegung haben für viele Hannoveraner einen hohen Stellenwert.

Der Spaß am Sport

Zurzeit schickt die Corona-Pandemie Sportler in die Zwangspause beziehungsweise ins Individualtraining. Fitnessstudios sind geschlossen, Vereine haben ihren Trainingsbetrieb eingestellt. Doch nach der Krise dürften sich Clubs und Turnhallen schnell wieder füllen. Denn die Hannoveraner sind sportbegeistert. Das Training nach der Arbeit im Studio oder im Verein ist für viele ein fester Bestandteil des Alltags.

Autorin: Susanna Bauch
Fotos: Tim Schaarschmidt, Britta Pedersen

Doch wie halten sich die Menschen in der Landeshauptstadt am liebsten fit? Wie fällt die Wahl zwischen Studio und Verein aus? Das hängt von Vorlieben und Trainingszielen ab. Wer sich in einer Mannschaft wohlfühlt, findet in Vereinen passende Angebote. Fitnessclubs punkten vor allem mit individueller Betreuung. Von Konkurrenz will Roland Krumlin, Geschäftsführer des Stadtsportbunds (SSB), nichts wissen. Er versteht Fitnessclubs nicht als störende Wettbewerber der Vereine. „Sportvereine und Studios ergänzen sich in ihrem Angebot. Viele Mitglieder in Sportvereinen sind zugleich auch in Fitnessstudios aktiv. Aber auch Angebote der Fitnessstudios sind in vielen Vereinen im Rahmen des regelmäßigen Sportbetriebs zu finden“, betont Krumlin.

Roland Krumlin, Geschäftsführer des Stadtsportbunds (SSB).

369 Sportvereine mit rund 116.000 Mitgliedern gibt es derzeit in Hannover, die Zahl ist leicht rückläufig. Die fünf größten Vereine (mehr als 2000 Mitglieder) mit insgesamt 35.717 Mitgliedern (2018: plus 2079) sind Hannover 96, Turn-Klubb Hannover (TKH), VFL Eintracht von 1848, TuS Bothfeld 04 und TSV Bemreode von 1896. Diese Großvereine vereinigen 30,7 Prozent aller in Hannover gemeldeten Mitglieder. Einen Einbruch der Mitgliederzahl von mehr als 20 Prozent (2018: minus 242) hat indes der TB Stöcken zu verkraften.

Anbieter reagieren auf Trends

Dass sich die Hannoveraner gerne bewegen, ist daher unbestritten. Die Fitnesswelle boomt seit Jahren, allerdings ist hier auch zunehmend Wellness gefragt. Und Trends sollen natürlich aufgegriffen werden, das gilt auch für die Vereine.

„Bei den Fortbildungsangeboten für unsere Übungsleiter berücksichtigen wir die Wünsche und aktuellen Trends im Gesundheits- und Breitensport“, so Krumlin. Mit dabei seien in diesem Jahr unter anderem Themen wie Bouldern, Outdoortraining und Outdoorfitness oder Trainieren im digitalen Zeitalter. „Das breite Spektrum an Fortbildungen steht auch besonderen Zielgruppen zur Verfügung, zum Beispiel Sturzprävention speziell für Ältere.“ Auch Beratung für Vereine zur Entwicklung ihrer Sportangebote werden vom Stadtsportbund (SSB) angeboten. Zu den Top 10 des Breitensports zählen derzeit nach Fußball, Turnen, Tennis und Schwimmen auch der Behindertensport, Handball, Kanu, Leichtathletik, Schießsport und Volleyball. Schlusslicht der 53 angebotenen Sportarten sind Ringen, Skifahren und Motorbootsport.

Vereine punkten mit Mannschaftssportarten, Clubs mit individueller Betreuung

Auch dem Nachwuchs widmen sich die Vereine. Kinder und Jugendliche nutzen die Angebote häufiger – zumal sie in Fitnessclubs unter 16 Jahren in der Regel auch keinen Zutritt haben. „Kinder und Jugendliche üben vorwiegend Wettkampfangebote unterschiedlicher Sportarten aus“, betont der SSB-Geschäftsführer.

Mit Fußball können Fitnessclubs natürlich nicht aufwarten, dafür mit „betreutem Muskeltraining“, wie Oliver Diener vom Elan in Groß-Buchholz betont. Der Clubleiter verzeichnet seit Eröffnung 2014 einen extremen Zulauf. „Wir wachsen monatlich“, sagt er. Diener glaubt, dass das auch damit zusammenhängt, dass das Elan „sich im Premiumbereich bewegt“. Was nicht nur mehrere Saunen, Whirlpool auf der Dachterrasse, neueste Geräte und höhere Gebühren bedeutet, sondern vor allem „eine individuelle Einzelbetreuung mit viel Erklärung und Korrektur“.

Willkommener Ausgleich statt Pflicht

Diener hat beobachtet, dass es derzeit vor allem Fitnessstudios im hoch- sowie im niedrigpreisigen Segment leichter haben. „Manche wollen nur schnell und günstig trainieren, für die anderen ist Fitness der Ausgleich für den Stress im Alltag. Und dafür muss natürlich auch das Ambiente stimmen.“

Wichtig sei zudem, so Diener, eine flexible Öffnungszeit. „Zwischen 6 und 23 Uhr wird bei uns trainiert, es kommen viele Berufstätige – vor und nach Feierabend.“ Das Elan bietet wie ähnlich große Einrichtungen jede Menge Kurse an – von Aquagymnastik über Powertraining bis Yoga und Zumba. Für viele Menschen seien Sport und Fitness keine lästige Pflicht, sondern Erholung und natürlich Körperbewusstsein.

Sozialer Aspekt: Sport verbindet Menschen

Wenn die großen Clubs vor allem auch für Wohlbefinden stehen, zählt in den Vereinen immer noch auch der Gemeinschaftssinn. „Sportvereine üben eine wichtige gesellschaftliche Funktion aus. Über den reinen Sport hinaus sind sie unter anderem für das soziale Miteinander unverzichtbar“, betont Krumlin. Sie seien für jeden zugänglich und böten ihre Leistungen zu erschwinglichen Preisen an. Und die Angebote würden stets von regelmäßig qualifizierten Übungsleitenden durchgeführt. Wie in den meisten Fitnesseinrichtungen, in denen man natürlich auch hin und wieder private Kontakte knüpfen kann. „Aber grundsätzlich trainieren hier die Menschen in erster Linie für sich“, so der Elan-Leiter.

Im TKH in der Südstadt können die rund 7000 Mitglieder übergreifend trainieren. Es gibt das Gesundheitsstudio, den Fitnessbereich und den Rehasport. „Vor vier Jahren haben wir unser neues Bewegungszentrum eröffnet, dort haben wir jetzt sogar eine Crossfit-Box“, sagt Geschäftsführer Hajo Rosenbrock. Der TKH bietet zudem jede Menge Wettkampfsport, aber auch Yoga und Pilates sowie „natürlich Jedermann-Sport. Der ist immer eine wichtige Säule.“

Hajo Rosenbrock, Geschäftsführer des Turn-Klubbs Hannover.

Breitensport dank der Vereine

Dabei hat das Team immer die Trends im Blick, sei es im sportlichen oder auch im Fitnessbereich. „Zumba war einmal der große Renner, das hat etwas nachgelassen. Dafür kommt Jumping jetzt ganz groß“, so Rosenbrock. Und Yogastunden im Seil, das von der Decke hängt. „Wir probieren viel aus, aber das Kerngeschäft ist der Leistungssport, sind die Wettkämpfe, der Freizeit- und Breitensport“, betont Rosenbrock. Der Geschäftsführer hebt hervor, dass der TKH trotz seiner Größe vor allem auch ein Familienverein ist. „Für jeden ist etwas dabei.“ Im Breitensportbereich ist Faustball noch genauso gefragt wie Turnen oder Fechten. „Der Spaß und Erfolg steht und fällt mit den Menschen und den Uhrzeiten“, sagt der Geschäftsführer. Bei Leitbildumfragen würden sich die Mitglieder neben Innovation auch Beständigkeit, Spaß, günstige Preise und gute Leistung wünschen. „Können wir“, so Rosenbrock.

Der TKH hat allerdings noch einen Schwerpunkt – und zwar die Ganztagsbetreuung in Schulen. „Sporterziehung und Bildung sind wichtig für uns. Menschen, Schulen, soziales Engagement, das ist die Basis.“ Die rund 7000 Mitglieder dürften das verstanden haben – und wertschätzen.

Powerfitness in der Sparkasse

Für Sport hat die Sparkasse Hannover schon lange einen eingetragenen Verein. Was als Betriebssportgruppe vor Jahrzehnten begann, heißt jetzt SV Sparkasse e.V. und bietet ein üppiges und professionelles Programm. Carsten Dolff ist Vorsitzender des Sportvereins, der nach dem Umbau des Gebäudes am Raschplatz im Mehrzweckraum im Untergeschoss beheimatet ist. Sechs Kurse aus der Fitnesssparte werden hier normalerweise pro Woche geboten. Zweimal gibt es morgens vor der Arbeit ab 7.30 Uhr Powerfitness. „60 Minuten dauert das anspruchsvolle Programm. Der Zulauf ist enorm, die Kurse sind proppenvoll“, so Dolff. Dazu gibt es zwei Kurse nach Feierabend, in denen der Schwerpunkt auf Hanteltraining, Rückenschule und Bewegung liegt. Und schließlich bietet eine ehemalige Kollegin Hatha-Yoga zur Entspannung an. „Vor allem die kurzen Wege zwischen Arbeit und Sport sind für viele Kollegen offenbar attraktiv“, sagt Dolff, der sich freut, dass das Angebot immer beliebter wird.“

Selbsthilfegruppe für junge Brustkrebs-Patientinnen

Wieder mehr Farbe ins Leben von jungen Brustkrebs-Patientinnen bringen die gemeinsamen Aktivitäten der Selbsthilfegruppe „Pinke Zitronen“, wie hier bei einem Kreativ-Workshop.

Selbsthilfegruppe für junge Brustkrebs-Patientinnen

Der Verein „Pinke Zitronen“ vernetzt in Hannover und der Region junge an Brustkrebs erkrankte Frauen. Die Selbsthilfegruppe setzt zum einen besonders auf eine Begleitung durch Social-Media-Angebote. Zum anderen versteht sie sich als Ansprechpartner für alle Phasen der Erkrankung – und in allen Lebenssituationen.

Autorin: Katrin Schreiter
Fotos: Marc Rodenberg (Drachenboot), Pinke Zitronenr

„Es geht darum, Normalität zurück in den Alltag zu bringen. Das Leben ist zwar nicht mehr wie vorher, aber es kann trotzdem schön sein“, beschreibt Nicola Jahnke-Sieche die Beweggründe des Vereins „Pinke Zitronen e.V.“. Mit „vorher“ meint die 48-Jährige die Zeit vor der Diagnose Brustkrebs.

„Pinke Zitronen“ wurde im Frühjahr 2017 als Selbsthilfegruppe gegründet und im Herbst 2018 in einen Verein umgewandelt – das Anliegen ist dasselbe geblieben: „Wir wollen in Hannover und der Region junge an Brustkrebs erkrankte Frauen unterstützen – und zwar in jeder Phase der Erkrankung.“

Die Selbsthilfegruppe „Pinke Zitronen“ versteht sich vor allem als Angebot an junge Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind.

Ablenkung statt Reha: Drachenboot fahren und Kreativ-Workshops

Das Logo mit den beiden pinkfarbenen Zitrusfrüchten signalisiert schon: „Wir wollen mehr sein, als ein Verein, bei dem sich die Mitglieder zum klassischen Gruppentreffen treffen.“ Von Schlammlaufen über Drachenboot fahren bis hin zum Kreativ-Workshop und Vorträgen: „Unsere Treffen werden mit jeder Menge Aktivitäten ausgeschmückt, bei denen es vordergründig um Ablenkung geht“, sagt Nicola Jahnke-Sieche. Es gibt aber dabei immer auch die Möglichkeit, zu reden.“ Über Chemo und Nebenwirkungen, Perücken und Nachuntersuchungen, aber auch über Beruf, Familie und Hobbys.

Nicola Jahnke-Sieche weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig der Austausch ist. Bei der berufstätigen Mutter zweier Töchter wurde 2015 Brustkrebs festgestellt. Auf der Suche nach einer passenden Selbsthilfegruppe musste sie schnell feststellen, dass die meisten Frauen in den bestehenden Gruppen deutlich älter waren als sie – und in einer ganz anderen Lebensphase.

Bei gemeinsamen Aktivitäten wie Drachenbootfahren geht es vor allem darum, ein bisschen Normalität in den Alltag der Patientinnen zu bringen.

Warum Facebook ein wichtiges Kommunikationsmittel ist

Schließlich hat sie das Projekt Selbsthilfe für junge Brustkrebspatientinnen eigenständig in die Hand genommen und gemeinsam mit Wiebke Mrowka das Unterstützungsangebot „Pinke Zitronen“ aufgebaut. „Als Erstes habe ich einen Facebook-Account angelegt“, erinnert sich Nicola Jahnke-Sieche, die für das Netzwerk vor allem auf die sozialen Medien setzt. Zu Facebook kamen später noch WhatsApp und Instagram dazu. Der unkomplizierte Austausch, die problemlose Vernetzung und die zahlreichen Treffen und Aktivitäten finden reichlich Anklang: „Pinke Zitronen“ zählt zurzeit rund 50 feste Mitglieder, knapp 200 Frauen haben bereits Angebote des Vereins genutzt. „Wichtig ist auch, dass wir für jede Phase der Erkrankung Ansprechpartner sind“, sagt Nicola Jahnke-Sieche. „Und das kostenfrei. Ein Vereinsbeitritt ist dazu nicht nötig. Aber wir freuen uns immer über Mitglieder, die mit ihrem Beitrag das große Ganze unterstützen“. Mit Mareike Bullerdiek, Martina Scheerle, Sabine Manthei und Mareen Bongartz kümmern sich seit mehr als zwei Jahren fünf Frauen mit viel Herzblut um die Geschicke des Vereins. Die vorbildliche Vereinsarbeit hat namhafte finanzielle Unterstützer, wie die Sparkasse Hannover, AOK Niedersachsen, 96 Plus und Hannovers Selbsthilfekontaktstelle KIBIS, gefunden. Sie alle zeigen, dass „Pinke Zitronen“ und deren Projekte ihnen wichtig sind.

Katastrophe beginnt oft erst nach der Reha

„Kurz nach der Erstdiagnose, wenn die Ungewissheit am Größten ist, während der Therapiezeit mit der Chemo und vor allem auch nach der Reha. Da fängt die Katastrophe häufig erst an.“ Oft würden die Arbeitgeber und Kollegen glauben, man könne sofort wieder mit 100 Prozent in den Beruf einsteigen. Aber besonders die psychische Belastung sei weiterhin hoch: „Der Krebs ist immer und überall dabei – das ändert sich oft nicht mehr“, weiß die engagierte Frau, die in Dauertherapie behandelt wird. „Aber man kann versuchen, den Krebs in sein Leben zu integrieren, und ihn wie einen unangenehmen Beifahrer zu sehen, von dem man sich nicht allzu sehr ins Steuer greifen lässt!“

Wichtig sei auch das Projekt LemonKids, das sich um Kinder und Jugendliche von an Brustkrebs erkrankten Frauen kümmert. „Sie sind oft verunsichert und sorgen sich. Daher wollen wir auch für sie Angebote schaffen, damit sie sich besser auf die neue Lebenssituation einstellen können“, sagt die Vorsitzende des Vereins. „Außerdem sollen sie merken, dass sie mit der Situation nicht allein sind.“

Dass sie nicht allein sind mit der Diagnose Brustkrebs und den Folgen der Behandlung, wissen die Frauen, die sich der Selbsthilfegruppe angeschlossen haben.

Verein „Pinke Zitronen“

E-Mail: pinkezitronen@web.de
www.pinkezitronen.de

Facebookseite: www.facebook.com/pinkezitronen2017

Spendenkonto: Sparkasse Hannover
IBAN: DE 30 2505 0180 0910 4217 73

Brustkrebs

Nach Angaben der Deutsche Krebshilfe erkranken in Deutschland jedes Jahr 69.700 Frauen und 750 Männer neu an Brustkrebs. Er ist damit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI)hat ermittelt, dass fast drei von zehn betreffenden Frauen bei Diagnosestellung jünger als 55 Jahre alt sind. Die Statistik verzeichnet allein für Deutschland noch immer 17.460 brustkrebsbedingte Todesfälle jährlich.

Weitere Informationen des RKI
zum Thema Brustkrebs

Wie Schule Kinder und Jugendliche mobil macht

„Bewegte, gesunde Schule in Niedersachsen“

Den Nachwuchs auf Trab bringen

Die aktuelle Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO ist alarmierend: In Deutschland bewegen sich 84 Prozent der Kinder und Jugendlichen am Tag nicht mal eine Stunde lang. Das sorgt für zahlreiche gesundheitliche Probleme wie zum Beispiel Konzentrationsmangel und Übergewicht. Rund 15 Prozent der Mädchen und Jungen zwischen drei und 17 Jahren sind zu dick, fast 6 Prozent sogar adipös, bestätigt eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI).

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Autorin: Katrin Schreiter
Foto: iStock.com/damircudic; Pollyana Ventura; lzf

Dagegen will das Niedersächsische Kultusministerium mobil machen: Mit dem Projekt „Bewegte, gesunde Schule“ soll der Nachwuchs wieder mehr auf Trab gebracht werden. In den drei zentralen Handlungsfeldern Unterrichtsqualität, Schule steuern und organisieren sowie Lern- und Lebensraum Schule geht es darum, mehr Möglichkeiten für Bewegung und Mobilität der Kinder und Jugendlichen zu schaffen. Mithilfe verschiedener Module, die vom Zeitmanagement bis zur Schulhofgestaltung reichen, berührt das Projekt viele Aspekte des Schulalltags. Wie sieht das genau in der Praxis aus?

Zwei lange Schulpausen für mehr Bewegung­

In der Grundschule Groß-Buchholzer Kirchweg wurden zum Beispiel die Pausenzeiten neu geregelt. Statt des 45-minütigen Unterrichts und der darauf folgenden kurzen Fünf-Minuten-Pause gibt es nun Blöcke, die 90 Minuten lang sind. „Dabei wird das eine Unterrichtsfach von dem nächsten durch einen gleitenden Übergang abgelöst – ohne abrupten Wechsel und ohne Pausenklingeln“, erklärt Rektorin Nicole Dreyer. Vorteil dieser neuen Zeitstruktur: Es ergeben sich nun zwei lange Pausen von je 30 Minuten. Zeit, in der sich die Kinder auf dem Schulhof ordentlich austoben oder spielerisch entspannen können.

Bewegungen koordinieren, Risiken abschätzen und Kraft erproben: Bevor es in die nächste Schulstunde geht, tut Klettern gut. Foto: iStock - Pollyana Ventura

Schulhof als Lern- und Lebensraum

„Den Schulhof haben wir komplett neu als Lern- und Lebensraum gestaltet“, erläutert Nicole Dreyer. Dreh- und Angelpunkt ist hier das Holzklettergerüst, an dem die Jungen und Mädchen ihre motorischen Fähigkeiten erproben. Darüber hinaus lernen sie beim Klettern, Verantwortung zu übernehmen, Wagnisse einzugehen, Risiken abzuschätzen und sich etwas zuzutrauen. „Die Stadt davon zu überzeugen – das war ein großes Stück Arbeit“, erinnert sich die Rektorin, die zwei Jahre für das 24.500 Euro teure Spielgerät gekämpft hat. 18.000 Euro konnte die Schule selbst durch Sponsorenläufe beisteuern.

Mobiler Unterricht mit offenen Türen

Auch die Kooperative Gesamtschule Neustadt misst der Bewegung eine zentrale Rolle bei. „Bewegung ist eine wichtige Voraussetzung für das Lernen“, sagt Schulleiter Burkhard Jonck. Denn sie beeinflusse die Gehirnaktivitäten positiv. „Das betrifft in der Schule alle Bereiche – innen und auch außen.“ So würde der Unterrichtsstoff jetzt nicht mehr streng in Einzelräumen vermittelt, sondern zum Beispiel in Gruppenarbeit oder in der Diskussion mit anderen – auch jahrgangsübergreifend. „Dafür stehen bei uns im wahrsten Sinne des Wortes die Türen offen“, erklärt Jonck.

Skaten auf dem Schulhof begeistert viele Jungen und Mädchen. Foto: iStock - lzf

Vielfältiges Angebot für mehr Bewegung

Zwei Sportplätze, eine Hügellandschaft, ein Inliner- und Skater-Park: Vor der Ganztagsschule bietet das zehn Hektar große Außengelände den 1500 Schülerinnen und Schülern jede Menge Möglichkeiten, sich zu bewegen. Vor allem in der Hügellandschaft könnten sich die Kinder und Jugendlichen selbstständig Felder abstecken und sportlich-spielerisch messen. Jonck: „Die Gestaltung des Außenraums stellt eine Verbindung der Innen- und Außenräume her. Dadurch entsteht ein Bewegungs- und Gesamtlernraum.“ Bei der Planung und Entwicklung der „Bewegten Schule“ könne die KGS auf die Unterstützung der Stadt Neustadt am Rübenberge mit ihren Fachdiensten zählen, lobt Jonck.

Projekt mit vielen Partnern

Die „Bewegte, gesunde Schule“ ist ein Projekt des Niedersächsischen Kultusministeriums. Kooperationspartner sind der Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover und die Landesunfallkasse Niedersachsen, die Landesvereinigung für Gesundheit und die Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V., der Braunschweigische Gemeinde-Unfallversicherungsverband, die AOK Niedersachsen, die hkk Handelskrankenkasse und der Landessportbund Niedersachsen e. V.

Einsamkeit ist der größte Killer

Wie werden Menschen glücklich, gesund und bezahlbar alt?

Nicht warten, bis es klingelt

„In der Expertenrunde auf dem Podium hat mich Matthias Steiner total beeindruckt“, erinnert sich Schumacher an die Auftaktveranstaltung der ÜberMorgen-Reihe zum Thema Gesundheit in Hannover, die er moderiert hat. „Der Gewichtheber hat olympisches Gold geholt – und das, obwohl er Diabetiker ist.“

Autorin: Katrin Schreiter
Foto: iStock.com /ImageegamI

Entscheidungen selbst treffen

Die Ärzte hätten Steiner abgeraten, Leistungssport zu treiben. „Aber er ist das Risiko eingegangen – ganz bewusst und kontrolliert“, erzählt der Journalist und Autor. „Das ist für mich ein Intensivkurs in Sachen Eigenverantwortung. Denn das unterstreicht nochmal: Ich treffe die Entscheidungen. Und ich übernehme auch die Verantwortung.“ Auch Schumacher hat in seinem Buch „Restlaufzeit“ den Aspekt Eigenverantwortung thematisiert. „Am Anfang stand für mich die Frage: ,Wie kann ich glücklich, gesund und bezahlbar alt werden?'“ Dafür hat sich der gebürtige Münsteraner verschiedene Wohn- und Lebensmodelle angesehen, von der WG bis zur Luxusresidenz. „Doch ich habe schnell gemerkt, dass es nicht darum geht, wo ich wohne, sondern vor allem, was in meinem Kopf vorgeht.“

Wohlergehen zur eigenen Sache machen­

Schumacher unterteilt die Menschen in zwei Gruppen: Die eine wartet darauf, dass es klingelt – die andere klingelt. „Wer klingelt, nimmt auch seine Gesundheit selbst in die Hand“, ist sich der 55-Jährige sicher. „Wie fit ich bleibe, entscheide ich überwiegend allein, immer vorausgesetzt, ich bleibe von schlimmen Krankheiten verschont.“ In seinem Buch erklärt er detailliert, worauf es ankommt: Wichtig seien Bewegung und Ernährung, aber auch sinnstiftende Ziele und soziale Gemeinschaft. „Einsamkeit ist der größte Killer überhaupt. Man sollte lieber mit den Freunden ordentlich feiern, als sich alleine vegan zu ernähren“, sagt Schumacher, der dafür plädiert, weder auf Krankenkassen noch auf den Staat allzu viel Hoffnung zu setzen. „Das sind vor allem Notfallhelfer. Wir sind selbst für unser Wohlergehen verantwortlich – auch im Alter.“ Warum er sich über den Lebensabend Gedanken gemacht hat? „Älter werden wir schließlich alle – da kommt also auch keiner daran vorbei, darüber nachzudenken“, sagt Schumacher. „Gesundheit ist dabei das höchste Gut.“

Zur Person

Dr. Hajo Schumacher

Nach dem Studium der Journalistik, Politikwissenschaft und Psychologie arbeitete Schumacher von 1990 bis 2000 beim Spiegel, zuletzt als Co-Leiter des Berliner Büros. Von 2000 bis 2002 war er Chefredakteur der Lifestyle-Zeitschrift Max in Hamburg. Er promovierte über die Machtstrategien von Angela Merkel. Heute schreibt er als freier Autor für Tageszeitungen, Magazine, Hörfunk, Online und Fernsehen. Für RBB, WDR und Deutschlandradio sowie diverse Talkshows kommentiert er das politische Geschehen. Schumacher lebt mit seiner Familie als freier Journalist in Berlin. Sein Beststeller „Restlaufzeit“ thematisiert glückliches und bezahlbares Altern.

Foto: Annette Hauschild

Gesundheitspreis Vorsprung!

Gesundheit als unternehmerische Aufgabe

Der Chef wird zum Gesundheitsmanager

Die Vorteile sind eindeutig: Unternehmen, die auf betriebliche Gesundheitsförderung setzen, verbessern nicht nur die körperliche und psychische Verfassung ihrer Mitarbeiter und senken damit deren Fehlzeiten, sondern binden die Belegschaft stärker an sich. Der Gesundheitspreis Vorsprung! fördert Firmen, die Projekte zum Wohl ihrer Belegschaft erfolgreich umsetzen.

Autor: Martin Scheele
Foto: iStock.com/FatCamera

Seit sechs Jahren zeichnet der Verein Gesundheitswirtschaft Hannover Firmen mit Sitz in Niedersachsen aus, die erfolgreich Gesundheitsorientierung und Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) umsetzen. Bis zu drei Preise in der Kategorie „Kleine und mittlere Unternehmen“ und in der Kategorie „Große Unternehmen“ sind ausgelobt. Zu den Kriterien, nach denen die Jury die Wettbewerbsbeiträge bewertet, gehören unter anderem Nachhaltigkeit, Umsetzung im Unternehmensalltag, Ergebnisse und Übertragbarkeit.

Demografische Wandel als Treiber für den Preis

Ein großer Treiber für die Gründung des Preises sind die Veränderungen in der Arbeitswelt. Der demografische Wandel und das steigende Durchschnittsalter der Mitarbeiter stellen die Personalabteilungen insbesondere der kleinen und mittleren Firmen vor große Herausforderungen. Mit dem höheren Durchschnittsalter müssen sich die Betriebe auch mit einem veränderten Gesundheitszustand der Belegschaft auseinandersetzen. Die Erfolge sind schnell sichtbar: Der sogenannte iga-Report kam zu dem Ergebnis, dass die krankheitsbedingten Fehlzeiten um durchschnittlich ein Viertel sinken. Eine Studie der Gesundheitsplattform machfit zeigte, dass 85 Prozent der Befragten das Angebot ihres Arbeitgebers zudem als Wertschätzung und echten Mehrwert sehen. Ein Großteil sagt sogar aus, sich explizit durch ein solches Angebot an den Arbeitgeber gebunden zu fühlen.

Die Preisträger

Zu den bisherigen Preisträgern zählten unter anderem die AWO Jugend- und Sozialdienste GmbH und der Meisterbetrieb Heideglas Uelzen. Die AWO Jugend- und Sozialdienste gGmbH hat Arbeitssituationen analysiert, eine onlinebasierte Mitarbeiterbefragung umgesetzt und gesundheitsverbessernde Maßnahmen eingeführt. Eine Steuergruppe koordiniert die Entwicklung von Maßnahmen, die zum Teil auf die Bedürfnisse der einzelnen Einrichtungen ausgerichtet sind, aber auch zentral für alle Mitarbeitenden angeboten werden. Gesundheitstage sind fester Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Die Betriebsärztin bietet über die vorgeschriebenen Untersuchungen individuelle Beratung und zusätzliche Impfungen an. Das Unternehmen ist zudem Mitglied im Betriebssportverband Hannover e. V. Seit 2018 besteht die Möglichkeit, am E-Bike-Leasing teilzunehmen und somit auf das Auto zu verzichten.

Turboschläfchen in der Mittagspause

Auch der Meisterbetrieb Heideglas Uelzen kümmert sich besonders um das Wohl seiner Mitarbeiter. Jeden Montag wird ein frischer Obstkorb geliefert, aus dem sich alle Mitarbeiter bedienen können. Noch etwas ungewöhnlicher ist das Angebot, mittags ein Powernapping, also eine kurze Schlafpause, einzulegen. Dazu hat Heideglas zwei Liegen angeschafft. Auch der Chef Thomas Neumann nutzt sie gern einmal – mit dem Verweis darauf, dass ein Turboschläfchen die Leistungsfähigkeit stärkt und die Stimmung hebt. Zudem nutzt die Firma ein Angebot der AOK, die jeweiligen Arbeitsplätze zu besichtigen. Ein Experte der Krankenkasse lässt sich von jedem Mitarbeiter den Arbeitsort und typische Tätigkeiten zeigen und klärt die empfundene Belastung. Der Fachmann gibt anschließend Tipps für bestimmte Bewegungsabläufe. Wie effektiv auch kleine Investitionen sein können, zeigt Heideglas an einem anderen Beispiel. Jeder Mitarbeiter verfügt über eine Funktastatur und funkgesteuerte Maus. Anders als mit einem Kabel können Mitarbeiter so dauerhaft in einer gesunden Sitzposition arbeiten.

Hier bewerben sich Firmen

Noch bis 25. September können sich Firmen um den Gesundheitspreis bewerben und sich unter www.gesundheitswirtschaft-hannover.de registrieren.

Neue Technologien für unsere Gesundheit

Digitalisierung bietet neue Chancen im Gesundheitswesen

Spielerisch die Gesundheit stärken

SisyFox und Sanascope sind zwei Positivbeispiele bei der Verbindung der Digitalisierung und der Gesundheitswirtschaft in Deutschland. Mit einem interaktiven Spiel und einem elektronischen Stethoskop für jedermann wollen die beiden Unternehmen innovative Produkte auf dem Markt etablieren.

Autor: Martin Scheele

Einen Felsbrocken einen Berg hinaufrollen, Spaß daran haben – und dazu noch seinem Körper etwas Gutes tun. Darum geht es kurzgefasst bei „SisyFox“. Das interaktive Spiel stammt aus der gleichnamigen Hildesheimer Firma von Sandro Engel und Amelie Künzler. „SisyFox haben wir ursprüngliche für das Kulturfestival ,Fuchsbau‘ entwickelt, also den Fokus auf Entertainment gelegt“, erzählt Engel. „Doch nach dem Festival hatte das gesamte Team gehörigen Muskelkater.“ Was also machen?

„Wir haben uns mit Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern und Experten der Medizinischen Hochschule Hannover zusammengesetzt. Entstanden ist daraus ein Exergame, also ein Computerspiel, das zur körperlichen Bewegung und zu Reaktionen auffordert“, sagt Engel. Man steuert bei dem Spiel nun die Hauptfigur über das Bewegen eines Gymnastikballs. So werden Motorik, Gleichgewicht und Ausdauer geschult – ideal für Anwendungen in der Physiotherapie. „Der Spaß steht dabei immer im Vordergrund, das Training passiert quasi nebenbei“, so Engel.

Foto: SisyFox

Digitalisierung in der Gesundheitsbranche kommt nur langsam voran

„Mit ,SisyFox‘ haben wir eine Weltneuheit entwickelt“, sagt Engel. Seine Begründung: „Ein Eingabemedium in Form einer gigantischen Kugel in Kombination mit unseren einzigartigen Games, die auf den reduzierten Input ausgelegt sind, gibt es so noch nicht.“
Insgesamt hinkt Deutschland bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens anderen Ländern hinterher. Das hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben. Im Vergleich von 17 EU- und OECD-Ländern landete die Bundesrepublik auf dem vorletzten Platz. Während man in Deutschland, so heißt es in der Studie, noch Informationen auf Papier austausche, würden in den Spitzenreiter-Ländern etwa Rezepte digital übermittelt, Ferndiagnosen und
-behandlungen per Video gestellt und verordnet und Patientendaten in elektronischen Akten gespeichert, auf die die Bürger dann online zugreifen können.

In China schon in der Pflege eingesetzt

Startup-Unternehmer Engel kann das nur bestätigen. „In Deutschland sind die Prozesse langsamer und neuen, ungewöhnlichen Produkten wird oft eine eher kritische Haltung entgegengebracht“, sagt Engel. Deshalb mache seine Firma auch den Großteil des Umsatzes mit dem Ausland. Eingesetzt werde das Spiel im Indoor-Entertainment wie etwa in Trampolinparks und Familiencentern aller Art. „In China wird das System allerdings auch schon praktisch in der Pflege und Reha eingesetzt“, sagt Engel. „In Deutschland wird es bis zum Einsatz im medizinischen Bereich wohl noch ein längerer Weg.“

Positiv hebt sich auch das Unternehmen Sanascope von diesem Trend ab. Die Idee des Gründers Lukas Weick: Ein elektronisches Stethoskop für den Hausgebrauch, das helfen soll, die eigene Gesundheit regelmäßig zu überprüfen und frühzeitig Krankheiten zu erkennen. Damit macht Weick schon jetzt Furore. Im Rahmen eines Pitch-Wettbewerbs holte das Start-up den dritten Platz beim Start-up-Weekend Luxemburg und beim Start-up-Weekend Saar, das vom Gründer-Campus Saar, dem dortigen IT-Inkubator und dem Luxemburger Innovationszentrum Technoport SA organisiert wurde. Und mehr noch: Das junge Unternehmen gewann auch den Crowd’s Favorite Award, da es sich die meisten Stimmen im Publikum gesichert hatte.