Gesundheit

Foto: Madsack Medienagentur

Warum ÜberMorgen?

Warum ÜberMorgen?

Dr. Heinrich Jagau, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hannover bis Dezember 2019, über die Ziele des Projekts

Herr Dr. Jagau, Sie haben mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung das Projekt ÜberMorgen ins Leben gerufen. Was treibt Sie an?

Dr. Heinrich Jagau: Was muss anders werden, damit in Hannover zukünftig die Lebensqualität weiterhin stimmt? Diese Frage stellen wir uns. Beide Unternehmen haben großes Interesse daran, dass Hannover auch in Zukunft ein erfolgreicher Standort ist. Mit der Frage, wie viel Gesundheit wir uns übermorgen noch leisten können, beleuchten wir ein Thema, das viele Menschen in der Stadt und im Umland beschäftigt. Unser Gesundheitssystem wird immer teurer, doch die Ergebnisse werden nicht unbedingt besser, die Abläufe nicht effektiver. Wer ist schuld an der Kostenexplosion? Was müssen wir vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft in der Region tun, damit Gesundheit für alle bezahlbar bleibt? Wie müssen wir unser Gesundheitssystem umbauen, damit wir eine gute Behandlung und Pflege für alle leisten können? Fünf Veranstaltungen mit interessanten Podiumsteilnehmern und eine Webplattform geben Denkanstöße.

Warum arbeitet die Sparkasse Hannover hier mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung zusammen?

Dr. Heinrich Jagau: Die HAZ ist die größte Tageszeitung in der Region. Sie erreicht mit ihren Print- und Online-Ausgaben rund 503.000 Menschen. Wohlgemerkt, jeden Tag. Damit ist die HAZ das größte Forum für elementare Themen, die die Region bewegen. Die Sparkasse Hannover wiederum ist Marktführer unter den Kreditinstituten in der Region. Wir sind mit rund 690.000 Kunden und mit einem Filial- und Digitalnetz regionalweit vertreten und außerdem seit fast 200 Jahren in der Region aktiv. Sparkassen verkörpern institutionalisiertes Zukunftsdenken. Schon als Witwen- und Waisenkassen boten sie eine Perspektive für die Absicherung im Alter, immer auch für die folgenden Generationen. Das hat sich bis heute nicht verändert: Es geht um die Beratung von Privatleuten, Unternehmern, Institutionen und Kommunen in deren Zukunftsfragen. Weil sie alle wissen wollen: Worauf muss ich mich heute einstellen, damit ich Marktentwicklungen, Rentenentwicklungen und gesellschaftliche Megatrends nicht verschlafe?

Zentral für beide Partner ist die Fokussierung auf den regionalen Raum? ­

Dr. Heinrich Jagau: Richtig. Und da ist unser Blick natürlich nicht nur auf die Gegenwart gerichtet, sondern auf das, was uns im Übermorgen bestimmen wird. Die digitale Transformation ist auch in unserem Geschäft in vollem Gange. Wir werden übermorgen das Verhältnis von medialen und persönlichen Begegnungen mit unseren Kunden deutlich verändert haben. Weil sehr, sehr viele Dienstleistungen über Medien und sehr viele komplett durch Technologie erbracht werden können und von den Menschen auch so genutzt werden. Bei Beratung in komplexeren Fragen, die Investitionen und Absicherungen betreffen, Unternehmernachfolgen oder Auslandsgeschäften – da werden Algorithmen nicht die menschliche Urteilskraft und das fundierte Know-how eines guten Beraters ersetzen. Das ist wie mit dem Qualitätsjournalismus: Die Suchmaschinen liefern Ihnen vermutlich die meisten Fakten. Für eine richtig gute Story braucht es eine Verstehmaschine, die Recherchen anstellen und Verbindungen herstellen kann: Und das ist der Mensch!

Sie betonen auch stets Ihren öffentlichen Auftrag.  

Dr. Heinrich Jagau: Dieser besteht auch darin, Zukunftsentwicklungen für diese Region mitzugestalten. Dazu gehören Infrastrukturprojekte, Wirtschaftsförderung, Förderung von Sport, Umwelt-, Kultur, Gesundheits- und Sozialprojekten. Die Zukunftssicherung dieser Region ist, wenn Sie so wollen, unsere Rendite.

Darum also engagieren sich zwei Unternehmen, die seit vielen Generationen in der Region Hannover fest verwurzelt sind, gemeinsam im Projekt ÜberMorgen?

Dr. Heinrich Jagau: Wir stehen mit Hunderttausenden von Menschen in der Region tagtäglich in Kontakt. Deren Erfolg wird ebenfalls von der Entwicklung dieser Region bestimmt. Wir sind daher geradezu prädestiniert, eine innovative Plattform zu den Themen von übermorgen zu schaffen: Wir wollen damit Menschen aus unserer Region zusammenbringen, die Entscheidungen prägen, die an Zukunftsaufgaben arbeiten und die schlicht an Zukunftsthemen interessiert sind.

Das digitale Herz ist uebermorgen.haz.de?

Dr. Heinrich Jagau: Auf der Projekt-Multimedia-Seite uebermorgen.haz.de legt die Redaktion den Finger in die Wunden. Wir fragen nach der Zukunftsstrategie für unser Gesundheitssystem im Hinblick auf medizinische Versorgung, Pflege, Digitalisierung, Prävention sowie Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Zehn Monate lang gehen regelmäßig neue Themen online und liefern Einblicke, Visualisierungen, Aha-Effekte und Hintergrundwissen mit hohem Nutzwert. Wir heißen damit alle willkommen bei ÜberMorgen und wünschen ihnen viele Denkanstöße und Impulse!

Gemeinsam gegen den Hebammenmangel

Hebammenzentrale schafft Abhilfe

Es war eine unhaltbare Situation, ein Engpass, der sich immer weiter zuspitzte. Im vergangenen Jahr schlug die Zunft der hannoverschen Hebammen Alarm: Bis zu 40 Anrufe mussten werdende Mütter damals tätigen, um für ihre Schwangerschaft eine professionelle Betreuung zu bekommen. Manche mussten lange Wege in Kauf nehmen, andere wiederum erhielten ausschließlich Absagen. Es musste etwas passieren in Sachen Hebammenmangel in der Region. Dabei haben Frauen bereits mit Beginn einer Schwangerschaft einen gesetzlichen Anspruch auf die Betreuung durch eine Hebamme. Die Kosten für die Hebammenhilfe während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett werden von den Krankenkassen übernommen.


Autorin: Susanna Bauch
Fotos: iStockphoto.com/ MachineHeadz /Hebammenzentrale Region Hannover

Wenn schon wenig Hebammen verfügbar sind, so sollen diese wenigstens möglichst sinnvoll auf schwangere Frauen verteilt werden. Und wenn es gar nicht reicht? Dann findet sich ein System, in dem sich Hebammen ihren Kapazitäten nach abwechseln und vertreten. Klingt nach viel Organisationsaufwand? Die Hebammenzentrale Hannover macht es möglich. Einer Schätzung zufolge erhalten 30 bis 35 Prozent der schwangeren Frauen in der Region Hannover aufgrund des Hebammenmangels keine Hebammenbegleitung. Der Runde Tisch „Frauen und Mädchengesundheit“ der Region Hannover beschloss daraufhin, gemeinsam mit dem Hebammenverband Niedersachsen an einer Lösung für dieses Problem zu arbeiten.

Rund 300 Hebammen in der Region unter einer Adresse

Zum April 2019 wurden drei Hebammen, Christina Aust, Christina Reinartz und Nina Obermeyer, angestellt. Christina Aust leitet die Hebammenzentrale der Region Hannover, eine Kooperation der Region mit Pro Familia Niedersachsen und dem niedersächsischen Hebammenverband. Angesiedelt ist sie bei Pro Familia in Hannover, Stadtbezirk Mitte, Dieterichsstraße 25. Herzstück ist jedoch die Website, die die Angebote der mittlerweile rund 300 Hebammen in der Region bündeln soll.

Was passiert mit den Gesundheitsdaten?

Genau das sieht Dr. Gerald Neitzke von der Medizinischen Hochschule Hannover kritisch. „Die Motivation zu gesundem Verhalten sollte aus dem Menschen selbst kommen“, ist der Medizinethiker überzeugt. „Außerdem hat jeder sein individuelles Risikoprofil. Jemand kann noch so viele Schritte am Tag gehen und dabei den perfekten BMI haben – wenn er eine Sportart mit hohem Verletzungsrisiko ausübt, geht er gesundheitliche und ökonomische Risiken ein.“ Neitzke findet es generell falsch, Menschen mithilfe von materiellen Anreizen oder – schlimmer noch – Sanktionen zu bestimmten Verhaltensweisen zu drängen. „Jeder hat das Recht, seine eigene Gesundheit zu erhalten oder zu schädigen. Wir alle gehen Gesundheitsrisiken ein, aber das Profil dieser Risiken ist individuell unterschiedlich.“ Hinzu komme, dass Internetriesen mit den gesammelten Bewegungsdaten nicht Gesundheit erhalten, sondern Profit machen wollen. „Wir wissen, dass Google Gesundheitsdaten sammelt. Wenn nicht für den Verkauf an Dritte, dann zumindest für die personifizierte Werbung. Wenn jemand diese Daten freiwillig zur Verfügung stellt, wird der Mensch selbst zur Ware.“

Vermittlungsquote von 82 Prozent erreicht

Bereits wenige Monate nach Einrichtung der Zentrale gab es kleine Erfolgsmeldungen. „In kürzester Zeit seit Beginn im August 2019 haben wir sehr viel Resonanz erfahren“, betonten die drei Expertinnen. So wurden im Zeitraum von August bis zum Jahresende 2019 328 Anfragen bei der Hebammenzentrale registriert. Hauptsächlich schwangere Frauen, Wöchnerinnen oder Stillende, die eine Hebamme suchten. „Die Vermittlungsquote lag bei 82 Prozent“, betont Obermeyer.

„Auch unsere Homepage www.hebammenzentrale-region-hannover.de wird nachgefragt. Frauen und Familien können auf unserer Seite eigenständig auf einer detaillierten Auswahlliste nach Hebammen suchen, die noch freie Kapazitäten haben“, sagt Aust.

Per Suchfunktion sollen Schwangere eingeben können, wann sie eine Hebamme brauchen. Dazu sollen sie sich über die Angebote, sei es in der Geburtshilfe, im Wochenbett, zur Stillzeit oder zum ersten Lebensjahr, orientieren können. Parallel dazu registrieren Hebammen sich mit freien Zeiten und Angeboten. 360.000 Euro gibt die Region für die ersten drei Jahre des Projektes.

Außerdem haben auch Frauen Kontakt aufgenommen, die auf der Suche nach einem Praktikumsplatz waren oder sich für den Beruf der Hebamme interessieren.

Lösungen für Versorgungsengpässe

Die Hebammenzentrale soll aber noch mehr ermöglichen: Auf der Internetseite ist in einem internen Bereich eine spezielle Kalenderansicht erstellt worden. Über diese soll es möglich werden, für Schwangere, die zunächst keine Hebamme finden, eine geteilte Betreuung zu organisieren. Die Idee: In Fällen, in denen die Versorgung nicht über eine einzelne Hebamme gewährleistet werden kann, wird geprüft, ob die Betreuungszeit auf mehrere Hebammen verteilt werden kann, die sich phasenweise abwechseln. Auch mögliche Urlaubs- und Krankheitsvertretungen der Hebammen untereinander sollen über diesen Bereich der Webseite gesteuert werden.

Auch direkte Angebote zu freien Plätzen in Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskursen nach der Geburt stehen zur Verfügung. Fachliche Beratungen gehören nicht zum Service, vielmehr werden Fragen zu Hebammenleistungen geklärt und die Suche nach einer Hebamme unterstützt. „Wartelisten führen wir aktuell nicht“, erklärt Obermeyer.

Kapazitäten und Ressourcen bündeln

Ein weiteres Aufgabenfeld der Hebammenzentrale ist die Beratung der Hebammenkolleginnen, die in die Freiberuflichkeit (wieder)einsteigen. „Wir konnten bislang vier neue Kolleginnen begrüßen“, berichtet Reinartz. Aktuell seien rund die Hälfte aller Hebammen aus der Region in der Zentrale registriert. „Für eine Optimierung der Versorgung wäre es allerdings wichtig, dass sich alle freiberuflichen Hebammen in der Region bei uns anmelden.“

Insgesamt, so die drei Hebammen, sei die Situation entspannter, da die Kapazitäten gebündelt einsehbar und so unkompliziert ein Überblick möglich sei, wer von den Hebammen in den jeweiligen Stadtteilen oder Kommunen noch Betreuungen für den gewünschten Zeitraum annehmen könne. „Für die Hebammen verbessert sich die Situation dadurch, dass sie nicht mehr so viele Anfragen von Frauen bekommen, die sie nicht annehmen können“, sagt Aust. Das Trio habe aber auch festgestellt, dass es in bestimmten Zeiträumen unmöglich sei, den Hebammenmangel durch die Zentrale aufzufangen. Das gelte vor allem für die Sommerzeit, in der viele Hebammen selbst Urlaub machen.

Telefonsprechstunde

Aber auch Frauen, die über die Internetseite nicht sofort die passende Hebamme finden, können Hilfe erhalten. Montags bis freitags, täglich sechs Stunden lang, gibt es in der Zentrale unter (05 11) 30 18 57 98 eine telefonische Sprechstunde, die Aust gemeinsam mit ihren beiden Kolleginnen betreut.

Notfallsprechstunden für Schwangere ohne Hebammenbetreuung

Schwangere Frauen, die keine Hebammen gefunden haben und Unterstützung brauchen, können sich an die folgenden Notfall-Sprechstunden und ambulanten Wochenbettbetreuungen wenden:

Medizinische Hochschule Hannover: Hebammensprechstunde (Schwangerschaft und Wochenbett); telefonische Voranmeldung unter (0511) 5 32 60 56

Hebammenpraxis Südstadt: Hebammensprechstunde, ambulante Wochenbettbetreuung; Telefon (0511) 31 06 12 77; www.hannover-hebammenpraxis.de

Perinatalzentrum Hannover Elternschule (DIAKOVERE): Wochenbettambulanz; telefonische Terminvereinbarung unter (0178) 7 31 42 04; www.elternschule-perinatalzentrum.de

Familienhebammen-Zentrum Hannover: Offene Sprechstunde und Sprechstunde mit telefonischer Anmeldung unter (0511) 123 148-10; www.fhz-hannover.de

Wearables für mehr Selbstoptimierung

Wearables erfreuen sich großer Beliebtheit

Sogenannte Wearables erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Schätzungsweise 172 Millionen der kleinen smarten Teile werden in diesem Jahr weltweit über die Ladentheken gehen, davon 42 Millionen Fitness-Armbänder. In Deutschland nutzen 26 Prozent der Menschen Wearables, die meisten von ihnen (40 Prozent) die Smartwatch von Apple. Außer dem Platzhirsch teilen sich wenige Branchenführer den Markt im Bereich der Fitnessarmbänder sowie in der Sparte Sport-Tracking.

Autorin: Juliane Moghimi
Fotos: iStockphoto.com/Mikolette/iStockphoto.com/TommL

Neue Anbieter dürften es schwer haben, glaubt Florian Schumacher, denn „der Markt für Lifestyle- und Fitness-Wearables ist weitgehend konsolidiert“. Der Self-Tracking-Experte aus München beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit den Möglichkeiten der digitalen Selbstvermessung, berät Hersteller und Entwickler ebenso wie Krankenkassen.   Für deutsche Unternehmen von Hardwareprodukten sieht er besondere Herausforderungen, nicht zuletzt deshalb, weil oft nicht genügend Ressourcen für Entwicklung und Marketing zur Verfügung stehen. Chancen, so Schumacher, hätten vor allem Unternehmen, die Geräte für medizinische Anwendungen entwickeln, wie etwa Wearables, die den Blutdruck messen können.

„Allerdings unterliegen Medizinprodukte einem aufwendigen Zertifizierungsverfahren und müssen durch große Studien validiert werden.“ Bis auf wenige Ausnahmen, etwa die medizinisch bestätigte Erkennung des lebensgefährlichen Vorhofflimmerns durch die Apple Watch, steckt das noch in den Kinderschuhen – hauptsächlich aus Kostengründen. Deshalb sind die Nutzer mit ihren Wearables bisher überwiegend im Lifestyle-Bereich unterwegs. Sie zeichnen Schrittzahlen, Wegstrecken und Pulsfrequenz auf, tippen Gewicht und aufgenommene Kalorien ein – mit dem Ziel, ihre Trainingserfolge zu dokumentieren und ihre Körperfunktionen im Blick zu behalten. Ganz klar: Es geht um Selbstoptimierung.

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Krankenkassen zeigen Interesse

Auch die Krankenkassen haben diesen Trend längst für sich entdeckt. Das Interesse ist durchaus gegenseitig: Immerhin ein Drittel der Nutzer sind laut einer Studie des Digitalverbands BITKOM bereit, die von ihren Wearables aufgezeichneten Daten mit ihrer Krankenkasse zu teilen – wenn sie im Gegenzug Rabatte oder individuelle Gesundheitsinformationen erhalten. Möglich wird der Transfer, indem die Versicherer ihre eigenen Apps mit Apple Health, Google Fit & Co. koppeln. Florian Schumacher sieht das positiv: „Die Kassen belohnen gesundheitsförderndes Verhalten. Dazu zählen neben Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitskursen auch ein aktiver Lebensstil, der mit den Messwerten der Wearables ganz einfach dokumentiert werden kann, ohne dass die Bestätigung durch einen Arzt oder eine andere Kontrollinstanz notwendig sind. Das ist viel praktikabler und wird der Lebensrealität vieler Versicherter besser gerecht.“

Was passiert mit den Gesundheitsdaten?

Genau das sieht Dr. Gerald Neitzke von der Medizinischen Hochschule Hannover kritisch. „Die Motivation zu gesundem Verhalten sollte aus dem Menschen selbst kommen“, ist der Medizinethiker überzeugt. „Außerdem hat jeder sein individuelles Risikoprofil. Jemand kann noch so viele Schritte am Tag gehen und dabei den perfekten BMI haben – wenn er eine Sportart mit hohem Verletzungsrisiko ausübt, geht er gesundheitliche und ökonomische Risiken ein.“ Neitzke findet es generell falsch, Menschen mithilfe von materiellen Anreizen oder – schlimmer noch – Sanktionen zu bestimmten Verhaltensweisen zu drängen. „Jeder hat das Recht, seine eigene Gesundheit zu erhalten oder zu schädigen. Wir alle gehen Gesundheitsrisiken ein, aber das Profil dieser Risiken ist individuell unterschiedlich.“ Hinzu komme, dass Internetriesen mit den gesammelten Bewegungsdaten nicht Gesundheit erhalten, sondern Profit machen wollen. „Wir wissen, dass Google Gesundheitsdaten sammelt. Wenn nicht für den Verkauf an Dritte, dann zumindest für die personifizierte Werbung. Wenn jemand diese Daten freiwillig zur Verfügung stellt, wird der Mensch selbst zur Ware.“

Ethische Bedenken gegen Nutzung

Auch gegenüber den Krankenkassen ist der Medizinethiker skeptisch. „Natürlich verfolgen die Versicherer ein wirtschaftliches Interesse. Denn je gesünder die Mitglieder sind, desto weniger Kosten verursachen sie.“ Es sei daher nicht verwunderlich, dass etliche Anbieter inzwischen den Kauf von Wearables mit einer Zuzahlung unterstützen oder die kleinen Geräte als Prämien in ihre Bonusprogramme einbeziehen. „Letztendlich stellt sich für mich aber die Frage, welches Menschenbild hinter dem ganzen Vermessen steckt. Wer seinen Körper kontrolliert, misstraut ihm. Das ist möglicherweise langfristig keine gute Strategie, um glücklich zu leben. Dieser Drang zur Selbstoptimierung verhindert ein altersgerechtes Gesundheitsverständnis. Es ist fraglich, ob ein 70-Jähriger einen Marathon laufen können muss!“

Digitale Bonusprogramme

Florian Schumacher ist da weniger streng. In erster Linie, so die Einschätzung des Self-Tracking-Experten, geht es den Kassen auch gar nicht ums Abgreifen von Daten, sondern darum, mit ihren Mitgliedern in Kontakt zu sein. Eine detaillierte Überwachung stünde im Widerspruch zur gesetzlich verordneten Datensparsamkeit der Krankenkassen, erklärt Schumacher: „Bei den digitalen Bonusprogrammen der gesetzlichen Kassen werden die Daten direkt auf dem Endgerät des Nutzers ausgewertet.“ Der Versicherer überträgt und speichert also keine konkreten Werte, sondern nur, ob der Betroffene die Kriterien für eine Belohnung erfüllt oder nicht. „Das ist vergleichbar mit dem Arzt. Der bescheinigt auch lediglich, ob Werte wie BMI oder Blutzucker im Normbereich liegen und belohnt werden sollen. Details erfährt die Krankenkasse also nicht.“

Vorteile von personalisierten Angeboten

Für Schumacher könnte eine engere Vernetzung jedoch auch durchaus Vorteile mit sich bringen. „In den USA setzen Krankenversicherer auf persönliche Daten zur Personalisierung ihrer Unterstützungsangebote, was wiederum engagiertere und gesündere Patienten zur Folge hat.“ So können Krankenkassen ihre Patienten aktiv auf für sie sinnvolle Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen oder therapeutische Maßnahmen hinweisen. „Umso mehr Daten hierfür genutzt werden können, umso effektiver die Unterstützung. Dabei ist das amerikanische Gesundheitssystem grundlegend anders organisiert als in Deutschland. Die Grundidee, die Gesundheit von Versicherten zu fördern, sollte aber auch mit deutschen Werte- und Rechtsvorstellungen vereinbar sein.“

Mit Datenspenden der Coronaforschung helfen

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat eine App zur Verfügung gestellt, die ergänzende Informationen dazu liefern soll, wie sich das Coronavirus bundesweit verbreitet und wie das Infektionsgeschehen verläuft. Die App ist unter dem Namen „Corona-Datenspende“ für iOS- und Android-Geräte verfügbar. Sie funktioniert in Kombination mit Fitnessarmbändern und Smartwatches verschiedener Hersteller. Die Nutzung der App ist freiwillig und pseudonymisiert – das RKI hat zu keiner Zeit Kenntnis über persönliche Informationen wie Name oder Anschrift der App-Nutzer. Entwickelt wurde die App gemeinsam mit dem e-Health-Unternehmen Thryve und unter Einbeziehung des Bundesdatenschutz­beauftragten.

Die Idee hinter der Corona-Datenspende-App ist simpel: Viele Menschen zeichnen regelmäßig mit Smartwatches oder Fitnessarmbändern ihre Vitaldaten auf. Dazu zählen Ruhepuls, Schlaf und Aktivitätsniveau. Bei einer akuten Atemwegserkrankung ändern sich diese Vitalzeichen in den meisten Fällen deutlich. Daher können auch typische COVID-19-Symptome wie Fieber durch die App erkannt werden. Mithilfe der Corona-Datenspende-App kann der Nutzer diese Daten plus seine Postleitzahl dem RKI zur Verfügung stellen. Alle Daten werden wissenschaftlich aufbereitet und fließen im Anschluss in eine Karte ein, die regelmäßig aktualisiert wird.
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Digitalisierung soll Hausärzte entlasten

Examinierte Pflegekräfte können statt des Hausarztes die Patienten zu Hause besuchen.

Digitalisierung soll Hausärzte entlasten

Die Pflegekräfte haben sich schon an den Rucksack gewöhnt. „Sie freuen sich über die neuen Aufgaben, die sie als echte Aufwertung ihres Berufsbildes erleben“, sagt ihre Chefin Bettina Tews-Harms und lächelt. Sie hat den Pflegedienst in Hankensbüttel bei Gifhorn aufgebaut. Seit August 2018 sind ihre Mitarbeiter mit dem Extragepäck unterwegs. Darin befinden sich ein Tablet-Computer sowie Geräte, um Blutdruck, Blutzucker und Sauerstoffgehalt des Blutes zu messen, außerdem ein Drei-Kanal-EKG. Dieses Gerät misst die elektrischen Herzaktivitäten. Ziel ist es, Hausärzte in ihrer Arbeit zu entlasten

Autor: Oliver Züchner
Fotos: iStockphoto.com/Pornpak Khunatorn, iStockphoto.com/Pornpak Halfpoint

Eigentlich gehören die Geräte in die Hand eines Mediziners. Doch den Hausarzt, der die älteren Patienten zu Hause ohne Zeitdruck bei Kaffee und Kuchen besuchen könnte, gibt es nicht mehr. „Mein Hausbesuch wird häufig zum Akutbesuch, wenn Probleme aus dem Ruder zu laufen drohen“, sagt der Gifhorner Allgemeinmediziner Dr. Armin Saak. Seine Arbeitsbelastung ist so hoch, dass er für Besuche außerhalb seiner Praxis kaum noch Zeit hat.

Arzt und Patienten profitieren

Das Telemedizin-Projekt „Delegation ärztlicher Leistungen“, das vom niedersächsischen Sozial- und Gesundheitsministerium angestoßen wurde, bedeutet für ihn eine deutlich Entlastung. Es bringt aber auch eine Verbesserung für die Patienten, die für viele Untersuchungen nicht mehr zum Arzt begleitet werden müssen und in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können.

So gibt Armin Saak den examinierten Pflegekräften nach Bedarf Anweisung, was bei welchem Patienten zu tun ist. Danach machen sich die Mitarbeiter, die für ihre neuen Aufgaben eigens geschult wurden, auf den Weg. Die Daten selbst werden vom Tablet aus über eine gesicherte Verbindung elektronisch in die Hausarztpraxis übermittelt. Braucht die Pflegekraft vor Ort einen medizinischen Rat, kann sie sich per Videochat umgehend mit dem Mediziner abstimmen.

In der Arztpraxis bewertet der Mediziner die gesammelten Werte der Patienten.

Modell mit Zukunftscharakter

Enge Abstimmung von Pflegedienst und Arzt, weniger Wege für das ohnehin belastete medizinische Personal, durchgehende digitale Dokumentation gesundheitlicher Daten: Das Projekt in Gifhorn zeigt, was Telemedizin heute leisten kann. Das sieht auch Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann so: „Wir verknüpfen hier hausärztliche und ambulante pflegerische Leistungen sektorenübergreifend. Das ist ein Modell mit Zukunftscharakter.“

Daran ändert auch das Coronavirus nichts. Im Gegenteil: Gerade jetzt ist es wichtig, den älteren, besonders gefährdeten Patienten den Praxisbesuch zu ersparen und dennoch den Kontakt zum Arzt sicherzustellen. Ausgestattet mit Mund-Nasen-Schutz und unter Beachtung aller hygienischen Vorsichtsmaßnahmen besuchen die Pflegekräfte daher auch weiterhin die Patienten, wenn immer es notwendig ist. Und auch nach Corona wird das Modellprojekt weitergehen: Laufe es gut, so Sozialministerin Reimann, strebe die Landesregierung ab 2021 eine Ausweitung des Projekts an.

Landesweite Modellprojekte

Finanziert wird das Telemedizinprojekt mit rund 80.000 Euro durch die „Gesundheitsregionen Niedersachsen“: In diesem Rahmen fördert das Land Niedersachsen seit August 2018 zahlreiche Projekte zwischen Nordsee, Harz und Heide mit jährlich 600.000 Euro. Dabei wird es von der Ärztekammer Niedersachsen und zahlreichen Krankenkassen unterstützt, die zusammen knapp 500.000 Euro dazugeben. Ziel: Die Stärkung der der wohnortnahen Gesundheitsversorgung, besonders in den heute schon betroffenen ländlichen Regionen.

Denn nach einer Studie des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung (NIW) wird die Zahl der Hausärzte bis 2030 um 18 Prozent abnehmen und damit ein Fünftel unter dem prognostizierten Bedarf liegen. Es bräuchte damit, unter Berücksichtigung des demografischen Wandels, rund 1050 Hausärzte zusätzlich, um eine flächendeckende medizinische Versorgung zu sichern.

So schauen die Beteiligten auf die neuen Möglichkeiten, die Digitalisierung und Vernetzung bieten. In Diepholz und Nienburg sollen beispielsweise registrierte und qualifizierte Ersthelfer von der Leitstelle mittels einer Ersthelfer-App zusätzlich zum Rettungsdienst bei Notrufen mit Herz-Kreislaufversagen und Bewusstlosigkeit zum Einsatzort geführt werden. Ziel ist, die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes zu überbrücken.

Das Projekt, das wegen der Corona-Pandemie derzeit ruht, will aber nicht nur die Rekrutierung der Ersthelfer, ihre Qualifizierung und Betreuung optimieren. Es will auch eine Lösung finden, wie die zahlreichen bereits bestehenden, landes- und bundesweit eingesetzten Apps integriert werden können. Es darf nicht mehr sein, dass die Ersthelferinnen und Ersthelfer sich auf mehreren Apps registrieren müssen bei Überschreiten einer Landkreisgrenze nicht mehr erreichbar und damit einsatzfähig sind.

Operieren – ambulant oder stationär?

Operieren – ambulant oder stationär?

Karin Decker* schlägt die Augen auf und schaut sich um. Gerade als sie den Kopf zur Seite drehen will, kommt eine Krankenschwester zur Tür herein. „Wie fühlen Sie sich?“, will sie wissen. „Eigentlich ganz gut“, sagt die 52-Jährige mit gedämpfter Stimme. „Ein wenig schummrig ist mir noch.“ Die Krankenschwester nickt und beruhigt: „Das ist ganz normal und gibt sich bald. Einen Moment bleiben Sie bitte noch liegen.“

Autorin: Katrin Schreiter
Fotos: Diakovere (2), iStockphoto.com/Chinnapong

Ambulante OP: Erholung lieber daheim als auf Station

Karin Decker gehört zu den tausenden Patienten, die sich in Deutschland jährlich die Krampfadern entfernen lassen. Nicht immer ist eine Operation nötig, aber wenn die Beschwerden zu groß sind, wird die kranke Vene oder der Abschnitt entfernt. Karin Decker hat sich für eine ambulante Operation entschieden, nachdem sie sich gründlich hat beraten lassen von ihrem Facharzt. Erholen will sich die Patientin nach der Operation lieber auf dem eigenen Sofa statt in einem Krankenzimmer, das sie sich mit Mitpatienten teilen müsste. * Name von der Redaktion geändert.

Medizinischer Fortschritt macht immer mehr ambulante Eingriffe möglich

Die Zahl der ambulanten Operationen ist in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich gestiegen. Für Experten ist das eine logische Entwicklung. „Der medizinische Fortschritt verkürzt die Verweildauer der Patienten im Krankenhaus“, weiß Matthias Jochmann, Facharzt für Anästhesiologie der Praxisklinik Hoyerswerda und Vorstandsmitglied der Deutschen Praxisklinikgesellschaft. Das liege unter anderem an modernen Narkoseverfahren und schonenderen Operationstechniken, erklärt der Mediziner. In einer Praxis gehe es zudem relativ persönlich im Umgang mit den Patienten zu. „Da werden die Patienten in der Regel aus einer Hand betreut – von der Diagnose bis zur Entlassung. Außerdem ist im ambulanten Bereich eine geringere Infektionsrate zu verzeichnen.“

Bei all den Vorteilen, die Jochmann aufzählt, kann er nicht verstehen, dass „die Politik vor allem auf die Krankenhäuser schaut und die niedergelassenen Ärzte ins Abseits stellt“. Hauptsächlich finanziell: „Das Vergütungssystem benachteiligt eindeutig die niedergelassenen Ärzte“, meint Jochmann.

Wenn nötig, stationär statt ambulant operieren

Gleichwohl erklärt der Mediziner, dass es unter bestimmten Umständen notwendig ist, eine OP im Krankenhaus ausführen zu lassen: „Wenn zum Beispiel ein höherer Blutverlust erwartet wird oder der Patient unter einer schweren Grunderkrankung leidet.“ Darüber hinaus wünscht er sich, dass die Gesetzgebung demnächst für einen fairen Wettbewerb sorgt: gleiche Chancen bei der Erbringung operativer Leistungen.

Optimales Versorgungskonzept durch beide OP-Formen

„Ambulante und stationäre Operationen gehören bei uns zum optimalen Versorgungskonzept“, sagt Prof. Michael Fantini, Medizinischer Direktor der Diakovere gGmbH, hannoversches Gemeinschaftsunternehmen von Anna-, Friederiken- und Henriettenstift. Dabei seien in seinen Häusern „die Indikationen für eine ambulante Operation gestiegen“. Das Spektrum ambulanter OPs reiche von einfachen Kniespiegelungen über kleine Eingriffe an der Hand bis hin zur Implantation von Infusionspumpen. „Sowohl die OP-Techniken, als auch die Narkosetechniken haben sich deutlich verbessert“, erklärt auch der hannoversche Mediziner den Trend. „Außerdem ist es vor allem für die älteren Patienten gut, schnell wieder im heimischen Umfeld zu sein.“

Chancen und Risiken abwägen

Vor einer Operation würden jedes Mal die Risiken und Chancen abgewogen. „Wenn größere Eingriffe bevorstehen, wie eine umfangreiche Darmoperation, wird stationär behandelt.“ Auch Patienten mit einer schweren Herz- oder Lungenerkrankungen, bei denen eine intensive Nachbeobachtung nötig ist, bleiben stationär bei uns. Selbst, wenn der Eingriff an sich ambulant durchgeführt werden könnte.

Viele OPs sind ambulant möglich

Ob eine Operation beziehungsweise der Patient die Kriterien für eine ambulante Vorgehensweise erfüllt, muss für jeden Einzelfall individuell zwischen dem Betroffenen und dem Arzt im persönlichen Gespräch geklärt werden. Grundsätzlich können viele chirurgische Eingriffe in unterschiedlichen medizinischen Fachgebieten ambulant durchgeführt werden. Dazu gehören zum Beispiel die Operation des Grünen Stars und Eingriffe an der Netzhaut, aber auch die operative Korrektur des Hallux valgus (Fehlstellung der Großzehe), Gelenkspiegelungen mit OP, die Prostata-Biopsie oder die Gebärmutterausschabung. Wer sich einen umfassenden Überblick verschaffen möchte, findet eine Auflistung möglicher ambulanter Eingriffe auf der Website des Bundesverbandes für Ambulantes Operieren e.V. Nach Angaben des Bundesverbandes gelten in den medizinischen Gebieten der Narkose, Patientensicherheit und Hygiene dieselben hohen Standards wie bei stationären Eingriffen.

Zum Bundesverbandes für Ambulantes Operieren e.V.

Prävention in Kitas und Schulen

Sport, Spiele und Bewegung stärken Kinder.

Kinder fürs Leben stärken

Gesundheitsvorsorge fängt nicht erst an, wenn etwas wehtut. Prävention ist das Gebot der Zeit. Die Kosten im Gesundheitswesen steigen, weil auch die Zahl der Patienten steigt. Zwar schlägt auch der medizinische und pharmazeutische Fortschritt zu Buche, viele Erkrankungen und kostspielige Behandlungen können allerdings vermieden werden, wenn frühzeitig auf die Gesundheit geachtet wird – auch bereits in Kindergarten und Grundschule.

Autorin: Susanna Bauch
Fotos: Claus Kirsch/Katrin Kutter/Tim Schaarschmidt/ iStockphoto-com/StockPlanets

Dass Kinder sich möglichst viel bewegen und gesund essen sollten, gehört längst zu den Grundregeln der Erziehung. Immer häufiger allerdings kommt schon diese Basisprävention zu kurz. „Im Zeitalter der Smartphones toben Kinder weitaus weniger als früher, sondern sitzen drinnen und bewegen allenfalls die Finger“, sagt Kinderarzt und Mitglied des Vorstands der Ärztekammer Niedersachsen, Thomas Buck.

Thomas Buck, Kinderarzt und Mitglied des Vorstands der Ärztekammer Niedersachsen.

Auch Grundschulleiter sind alarmiert. „Alle wollen Digitalisierung in der Schule, und dann sitzen die Kinder mit ihren Tablets in der Pausenhalle, anstatt auf dem Schulhof zu kicken“, erzählt eine Grundschulleiterin aus Hannover. Dass mangels intakter Schwimmbäder der Schwimmunterricht für Grundschüler immer häufiger ausfällt, sei ebenfalls ein großes Problem. „Da fehlt zum einen Bewegung, zum anderen steigt die Zahl der jugendlichen Nichtschwimmer. Das ist gefährlich.“

Minimum 60 Minuten Bewegungsfreiheit

Die WHO empfiehlt für Schulkinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren täglich mindestens 60 Minuten mäßige bis fordernde körperliche Aktivität. Denn aktive Kinder haben viele Vorteile gegenüber weniger aktiven Altersgenossen:
• fitter in Sachen Herz und Atmung
• stärkere Muskeln
• geringerer Körperfettanteil
• geringeres Risikoprofil für kardiovaskuläre und Stoffwechselerkrankungen
• gesünderes Skelett
• weniger psychische Auffälligkeiten wie etwa Angststörungen und Depressionen
• bessere Konzentrationsfähigkeit
Körperliche Aktivität macht nicht nur Kinder gesünder, sondern wirkt auch vorbeugend gegen Krankheiten im Erwachsenenalter – vor allem gegen Diabetes und Adipositas.

Strategien gegen Stress

Kinder und Jugendliche haben zudem auch Stress – da unterscheiden sie sich nicht von Erwachsenen. Betroffene Kinder fühlen sich öfter unwohl, haben häufiger ein geringes Selbstwertgefühl und eine negative Selbstwahrnehmung. Wissenschaftler der Universität Leipzig empfehlen, den Kindern Problemlösungskompetenzen und Entspannungstechniken an die Hand zu geben. Hier setzt Präventionsarbeit an. Kinder sollten rechtzeitig Strategien kennenlernen, mit deren Hilfe sie lernen, mit unvermeidbarem Stress besser umzugehen. Wer als Kind gelernt hat, mit Stress umzugehen, hat es auch als Erwachsener leichter. „Prävention schon im Kindesalter ist wichtig und vor allem für das Gesundheitswesen auch kostengünstiger als eine spätere Reparatur“, betont Matthias Berndt vom Verband der niedersächsischen Hausärzte. Schulsport etwa dürfe nicht ausfallen, was allerdings immer häufiger an der Tagesordnung sei.

Matthias Berndt, Vorsitzender des Landesverbands Niedersachsen im Deutschen Hausärzteverband.

Prävention schon in Kita und Schule

In der Kindheit werden die wesentlichen Grundsteine für ein ganzes Menschenleben gelegt – auch was die Gesundheit betrifft. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung sowie seelisches Wohlbefinden sind drei wichtige Säulen für eine gesunde Entwicklung von Kindern. Die in der Kindheit gelernten Verhaltensmuster und Gewohnheiten manifestieren sich oft für das weitere Leben. Faktoren wie ein stabiles Selbstbewusstsein, ein positives Bild vom eigenen Ich und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten machen Kinder stark und sind eine gute Ausgangsbasis für ihre Zukunft. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in den vergangenen Jahren Projekte und Angebote zur Gesundheitsprävention auch in Kindergärten und Schulen fast selbstverständlich angeboten werden. Viele Krankenkassen wollen mit kindgerechten Theaterstücken oder Workshops späteren Problemen vorbeugen, das Niedersächsische Kultusministerium schickt seit 2012 Berater für Gesundheitsförderung an Schulen und bietet Kurse zu den Themen Sucht oder rauchfreie Schule an. Bewegung spielt zudem eine zentrale Rolle, offensichtlich reicht es heute nicht mehr, dass Kinder ihren Bewegungsdrang in der Freizeit ausleben – da ist oft das Smartphone wichtiger. Also werden die entsprechenden Programme in Kitas und Grundschulen systematisch durchgeführt.

Schlafmangel bringt Kinder aus dem Rhythmus

„Für die Kitas empfiehlt sich neben Ernährungs- und Bewegungsprogrammen auch eine Sprachstörungsprävention“, sagt Kinderarzt Thomas Buck. Und im Grundschulalter sei zunehmend der Schlaf ein Problem der Kinder. „Vielen fehlt ein gesunder Schlaf, auch weil sie vermutlich ihr Smartphone mit ins Bett nehmen dürfen“, so Buck. Schlafmangel begünstige auch Verhaltensauffälligkeiten. Außerdem ist Buck der Meinung, dass zur Familienprävention auch ein guter Kontakt zum Jugendamt gehöre. „Gemeinsam können wir familienstabilisierend wirken.“ Buck sieht frühe Smartphone-Nutzung als Gefahr. „Es ist schlecht für das Gehirn, weil damit dieselben Reize im Gehirn aktiviert werden wie bei Drogen“, so Buck. Daher mache das Handy durchaus süchtig. Hier seien aber nicht nur Kita und Schule gefragt. „Die Eltern müssen in die Pflicht genommen werden. Oft sind sie bei ihren Kindern abwesend trotz Anwesenheit.“ „Wenn Kinder mit richtiger Bewegung und Ernährung sowie Zuwendung aufwachsen, verringern sich gesundheitliche Schäden im späteren Lebensalter“, sagt auch Mustafa Yilmaz, Allgemeinmediziner und Leiter des Gesundheitsamtes Region Hannover. „Kitas und Eltern haben eine große Verantwortung, vor allem was das Essen betrifft. Salz und Zucker etwa sollten nur mäßig eingesetzt werden.“

Mustafa Yilmaz, Allgemeinmediziner und Leiter des Gesundheitsamtes Region Hannover.

Grundsätzlich aber, so Yilmaz, seien Kinder und junge Erwachsene sehr viel gesünder als noch vor 40 Jahren. „Wir haben eine noch bessere Hygiene, auch was das Zähneputzen betrifft, viele gute Lebensmittel, gutes Trinkwasser und bessere Wohnbedingungen.“ Um diese Vorteile langfristig zu nutzen, müsse aber sehr bewusst gelebt werden – von Kindesbeinen an.

Bundesweite Programme stärken Schüler und Lehrer

Bundesweit funktioniert das Projekt MindMatters. Mit den Unterrichtsmodulen unterstützt das Programm Schulen, das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit von Schülern der Jahrgänge eins bis 13 sowie Lehrkräf¬ten zu fördern. MindMatters ist ein Kooperationsprogramm der Barmer Krankenkasse, der Unfallkasse Nordrhein¬-Westfalen, des Gemeinde¬Unfallversiche¬rungsverbandes Hannover, der Landesunfallkasse Niedersachsen und der Leuphana Universität Lüneburg.
Auch die Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen ist ein bundes¬weites Projekt zur Kopfschmerzprävention an Schulen. Kopf¬schmerzen stellen eine zunehmende gesundheitliche Belastung für Kinder und Jugendliche dar. Gerade bei Heranwachsenden können Kopfschmerzen durch gesundheitsbezogene Aufklärung vermieden werden. Im Rahmen von Unterrichtseinheiten wird Schülern vermittelt, was Kopfschmerzen auslöst, wie man vorbeu¬gen kann und welches Verhalten bei akuten Kopfschmerzen richtig ist. Dazu gehört auch die Sensibilisierung für die Risiken eines unreflektierten Medikamentengebrauchs. Um die Umset¬zung des Gelernten im Alltag zu erleichtern, werden Eltern und Lehrkräfte mit einbezogen. Sie sind mitverantwortlich, den Alltag der Kinder so zu gestalten, dass Kopfschmerzen die Ausnahme bleiben.
Auch Yoga etwa tut Kindergarten- und Schulkindern nachweislich gut. Yoga entspannt und macht Spaß. Eine wissenschaftliche Untersuchung an der Uni Leipzig fand schon vor Jahren heraus, dass kindgerechte Yogaübungen zum Stressabbau beitragen und helfen können, gelassener mit Belastung in Alltag und Schule umzugehen. Die Wissenschaftler haben zudem belegt, dass Kinderyoga hyperaktives Verhalten und Emotionen wie Angst oder Ärger regulieren kann. Nachvollziehbar, denn Kinder kommen mit einer Yogaeinheit samt langsamer Bewegung und Atmung in der Haltung Katze oder Kobra zur Ruhe.
Ein wichtiges Präventionsthema ist die gesunde Ernährung, um vor allem Adipositas sowie Diabetes vorzubeugen. Es ist nicht nur wichtig, wie zu Hause gekocht wird. Aktionen wie gesundes Frühstück für Erstklässler oder auch Kochkurse stärken das Empfinden der Mädchen und Jungen für ein gutes Körpergefühl. Zu dem dann wieder die Bewegung zählt und sich im positiven Fall ein Kreis schließt.

Neue Wohnformen für Senioren

Eine Form von Gesundheitsprävention: Neue Wohnformen mit gemeinschaftlich genutzten Bereichen ermöglichen Senioren den Austausch im Alltag.

Neue Wohnformen für Senioren

Die WohnIdee, so der Titel des gemeinschaftlichen Bauprojekts, wird auf dem Grundstück der Ohe-Höfe nicht nur irgendein Wohnhaus errichten, sondern ihre Vorstellung von einer zufriedenstellenden Wohnform für Senioren verwirklichen. Es ist ein in nunmehr fast sechs Jahren gereifter Plan von Menschen, die ein Schicksal eint: Sie werden alt. Und dabei wollen sie nicht alleine sein.

Autorin: Rebekka Neander
Foto: iStockphoto.com/SeventyFour

Was die Zukunft ihnen bringen wird, wissen sie so ganz genau noch nicht. Da mögen die Pläne über die Jahre hinweg noch so gut gereift sein und nun detailgenau auf dem Tisch liegen. Doch derzeit ist ihr künftiges Zuhause noch nicht viel mehr als ein freigeräumtes Grundstück, „auf dem jetzt hoffentlich bald die Bodenplatte gegossen wird“. Doch Günther Baumert, Jahrgang 1952, ist zuversichtlich. Zuversichtlich, dass seine Frau und er die richtige Entscheidung getroffen haben und dass mit dem Bau des Mehrfamilienhauses nicht mehr viel schiefgehen wird. „Im Sommer kommenden Jahres können wir wohl einziehen“, sagt er zuversichtlich.

Bauprojekt für Senioren im Alter von 59plus

Mit den Baumerts werden das dann noch 14 weitere Mitstreiter im Alter von 59plus mit höchstwahrscheinlich denselben Hoffnungen tun. Deshalb haben sie sich bereits vor einigen Jahren in dem Verein WohnIdee organisiert und gemeinsam mit der Genossenschaft Selbsthilfe Linden eG als Bauherrin um ein Grundstück auf den Ohe-Höfen beworben. „Mich reizt an dieser Idee nicht nur der gemeinschaftliche Bau altengerechter und barrierefreier Wohnungen“, sagt Baumert. „Auch der Gedanke der Genossenschaft gefällt mir.“ Stärkster Antrieb, diesem selbstverwalteten Mietwohnprojekt beizutreten, sei jedoch die simple Erkenntnis: „Einsamkeit ist der größte Killer.“

Den Erlös für das Reihenhaus, in dem Günther Baumert derzeit noch mit seiner Frau wohnt, wandert zu einem Teil in das Kapital der Genossenschaft. Das mindert ihre individuelle Miete in Zukunft und bleibt den eigenen Kindern als Erbmasse erhalten. Der pensionierte Lehrer sieht sich damit eindeutig in privilegierter Position – ein Luxus, den er weitergeben möchte. Er engagiert sich deshalb im Aufsichtsrat der Genossenschaft. „Damit die Idee der Gemeinschaft weiter unterstützt wird.“

Gemeinschaftsgedanken im Alltag verankern

So klar die Baupläne mit barrierefreien Zugängen, rollstuhlgerechten Schalterhöhen und einem auch für Liegendfahrten geeigneten Fahrstuhl von WohnIdee auch sein mögen, viele weitere Ansätze gehören noch ins Reich der Ideen. Erst der Alltag werde zeigen, wie stark der Gemeinschaftgedanke gelebt werde, sagt Baumert. Wie weit geht das Zur-Seite-Stehen? Füreinander einkaufen im Krankheitsfall? Bestimmt. Aber Pflege? Betreuung? Das wagt niemand derzeit vorherzusagen. So gut kenne man sich noch nicht. Eine feste Vereinbarung mit einem Pflegedienst ist zurzeit nicht vorgesehen.

Für das Kennenlernen und gegenseitige Unterstützung jedoch wird es reichlich Gelegenheit geben: Im Erdgeschoss, so Baumert ist ein großer Gemeinschaftsbereich mit einer Küche vorgesehen. Ein Ort also für regelmäßige Treffen und gemeinsame Aktivitäten, für Austausch und Kommunikation. Das einst ebenfalls geplante Gästezimmer, das allen Mietern zur Verfügung stehen sollte, fiel allerdings dem Rotstift zum Opfer, wie Baumert einräumt. „Nun beraten wir, ob in den Wohnbereich eine Schlafcouch kommt - für alle Fälle.“

Land fördert das Wohnprojekt

Einige Wohnungen im Gebäude des Vereins WohnIdee werden durch öffentliche Förderung mitfinanziert. Sie sind jenen vorbehalten, deren Einkommen zwischen 20 und 60 Prozent über dem Sozialhilfesatz liegen. Zudem steckt auch Geld des Landes in dem Projekt: Unter dem Titel „Wohnen und Pflege im Alter“ unterstützt das Land seit 2015 mit jährlich einer Million Euro modellhafte regionale Projekte, die ein weitgehend selbstständiges Leben älterer Menschen in einem häuslichen Umfeld auch im hohen Alter oder bei Pflegebedürftigkeit ermöglichen. Im ersten Jahr bewilligte das Niedersächsische Sozialministerium 18 solcher Projekte, 2016 waren es noch 14, in den darauffolgenden Jahren erhielten jeweils neun einen Förderbescheid. Für das laufende Jahr sind bereits elf neue Vorhaben geplant, die Bescheide dafür sind jedoch noch nicht erteilt.

Der Spaß am Sport

Fitness und Bewegung haben für viele Hannoveraner einen hohen Stellenwert.

Der Spaß am Sport

Zurzeit schickt die Corona-Pandemie Sportler in die Zwangspause beziehungsweise ins Individualtraining. Fitnessstudios sind geschlossen, Vereine haben ihren Trainingsbetrieb eingestellt. Doch nach der Krise dürften sich Clubs und Turnhallen schnell wieder füllen. Denn die Hannoveraner sind sportbegeistert. Das Training nach der Arbeit im Studio oder im Verein ist für viele ein fester Bestandteil des Alltags.

Autorin: Susanna Bauch
Fotos: Tim Schaarschmidt, Britta Pedersen

Doch wie halten sich die Menschen in der Landeshauptstadt am liebsten fit? Wie fällt die Wahl zwischen Studio und Verein aus? Das hängt von Vorlieben und Trainingszielen ab. Wer sich in einer Mannschaft wohlfühlt, findet in Vereinen passende Angebote. Fitnessclubs punkten vor allem mit individueller Betreuung. Von Konkurrenz will Roland Krumlin, Geschäftsführer des Stadtsportbunds (SSB), nichts wissen. Er versteht Fitnessclubs nicht als störende Wettbewerber der Vereine. „Sportvereine und Studios ergänzen sich in ihrem Angebot. Viele Mitglieder in Sportvereinen sind zugleich auch in Fitnessstudios aktiv. Aber auch Angebote der Fitnessstudios sind in vielen Vereinen im Rahmen des regelmäßigen Sportbetriebs zu finden“, betont Krumlin.

Roland Krumlin, Geschäftsführer des Stadtsportbunds (SSB).

369 Sportvereine mit rund 116.000 Mitgliedern gibt es derzeit in Hannover, die Zahl ist leicht rückläufig. Die fünf größten Vereine (mehr als 2000 Mitglieder) mit insgesamt 35.717 Mitgliedern (2018: plus 2079) sind Hannover 96, Turn-Klubb Hannover (TKH), VFL Eintracht von 1848, TuS Bothfeld 04 und TSV Bemreode von 1896. Diese Großvereine vereinigen 30,7 Prozent aller in Hannover gemeldeten Mitglieder. Einen Einbruch der Mitgliederzahl von mehr als 20 Prozent (2018: minus 242) hat indes der TB Stöcken zu verkraften.

Anbieter reagieren auf Trends

Dass sich die Hannoveraner gerne bewegen, ist daher unbestritten. Die Fitnesswelle boomt seit Jahren, allerdings ist hier auch zunehmend Wellness gefragt. Und Trends sollen natürlich aufgegriffen werden, das gilt auch für die Vereine.

„Bei den Fortbildungsangeboten für unsere Übungsleiter berücksichtigen wir die Wünsche und aktuellen Trends im Gesundheits- und Breitensport“, so Krumlin. Mit dabei seien in diesem Jahr unter anderem Themen wie Bouldern, Outdoortraining und Outdoorfitness oder Trainieren im digitalen Zeitalter. „Das breite Spektrum an Fortbildungen steht auch besonderen Zielgruppen zur Verfügung, zum Beispiel Sturzprävention speziell für Ältere.“ Auch Beratung für Vereine zur Entwicklung ihrer Sportangebote werden vom Stadtsportbund (SSB) angeboten. Zu den Top 10 des Breitensports zählen derzeit nach Fußball, Turnen, Tennis und Schwimmen auch der Behindertensport, Handball, Kanu, Leichtathletik, Schießsport und Volleyball. Schlusslicht der 53 angebotenen Sportarten sind Ringen, Skifahren und Motorbootsport.

Vereine punkten mit Mannschaftssportarten, Clubs mit individueller Betreuung

Auch dem Nachwuchs widmen sich die Vereine. Kinder und Jugendliche nutzen die Angebote häufiger – zumal sie in Fitnessclubs unter 16 Jahren in der Regel auch keinen Zutritt haben. „Kinder und Jugendliche üben vorwiegend Wettkampfangebote unterschiedlicher Sportarten aus“, betont der SSB-Geschäftsführer.

Mit Fußball können Fitnessclubs natürlich nicht aufwarten, dafür mit „betreutem Muskeltraining“, wie Oliver Diener vom Elan in Groß-Buchholz betont. Der Clubleiter verzeichnet seit Eröffnung 2014 einen extremen Zulauf. „Wir wachsen monatlich“, sagt er. Diener glaubt, dass das auch damit zusammenhängt, dass das Elan „sich im Premiumbereich bewegt“. Was nicht nur mehrere Saunen, Whirlpool auf der Dachterrasse, neueste Geräte und höhere Gebühren bedeutet, sondern vor allem „eine individuelle Einzelbetreuung mit viel Erklärung und Korrektur“.

Willkommener Ausgleich statt Pflicht

Diener hat beobachtet, dass es derzeit vor allem Fitnessstudios im hoch- sowie im niedrigpreisigen Segment leichter haben. „Manche wollen nur schnell und günstig trainieren, für die anderen ist Fitness der Ausgleich für den Stress im Alltag. Und dafür muss natürlich auch das Ambiente stimmen.“

Wichtig sei zudem, so Diener, eine flexible Öffnungszeit. „Zwischen 6 und 23 Uhr wird bei uns trainiert, es kommen viele Berufstätige – vor und nach Feierabend.“ Das Elan bietet wie ähnlich große Einrichtungen jede Menge Kurse an – von Aquagymnastik über Powertraining bis Yoga und Zumba. Für viele Menschen seien Sport und Fitness keine lästige Pflicht, sondern Erholung und natürlich Körperbewusstsein.

Sozialer Aspekt: Sport verbindet Menschen

Wenn die großen Clubs vor allem auch für Wohlbefinden stehen, zählt in den Vereinen immer noch auch der Gemeinschaftssinn. „Sportvereine üben eine wichtige gesellschaftliche Funktion aus. Über den reinen Sport hinaus sind sie unter anderem für das soziale Miteinander unverzichtbar“, betont Krumlin. Sie seien für jeden zugänglich und böten ihre Leistungen zu erschwinglichen Preisen an. Und die Angebote würden stets von regelmäßig qualifizierten Übungsleitenden durchgeführt. Wie in den meisten Fitnesseinrichtungen, in denen man natürlich auch hin und wieder private Kontakte knüpfen kann. „Aber grundsätzlich trainieren hier die Menschen in erster Linie für sich“, so der Elan-Leiter.

Im TKH in der Südstadt können die rund 7000 Mitglieder übergreifend trainieren. Es gibt das Gesundheitsstudio, den Fitnessbereich und den Rehasport. „Vor vier Jahren haben wir unser neues Bewegungszentrum eröffnet, dort haben wir jetzt sogar eine Crossfit-Box“, sagt Geschäftsführer Hajo Rosenbrock. Der TKH bietet zudem jede Menge Wettkampfsport, aber auch Yoga und Pilates sowie „natürlich Jedermann-Sport. Der ist immer eine wichtige Säule.“

Hajo Rosenbrock, Geschäftsführer des Turn-Klubbs Hannover.

Breitensport dank der Vereine

Dabei hat das Team immer die Trends im Blick, sei es im sportlichen oder auch im Fitnessbereich. „Zumba war einmal der große Renner, das hat etwas nachgelassen. Dafür kommt Jumping jetzt ganz groß“, so Rosenbrock. Und Yogastunden im Seil, das von der Decke hängt. „Wir probieren viel aus, aber das Kerngeschäft ist der Leistungssport, sind die Wettkämpfe, der Freizeit- und Breitensport“, betont Rosenbrock. Der Geschäftsführer hebt hervor, dass der TKH trotz seiner Größe vor allem auch ein Familienverein ist. „Für jeden ist etwas dabei.“ Im Breitensportbereich ist Faustball noch genauso gefragt wie Turnen oder Fechten. „Der Spaß und Erfolg steht und fällt mit den Menschen und den Uhrzeiten“, sagt der Geschäftsführer. Bei Leitbildumfragen würden sich die Mitglieder neben Innovation auch Beständigkeit, Spaß, günstige Preise und gute Leistung wünschen. „Können wir“, so Rosenbrock.

Der TKH hat allerdings noch einen Schwerpunkt – und zwar die Ganztagsbetreuung in Schulen. „Sporterziehung und Bildung sind wichtig für uns. Menschen, Schulen, soziales Engagement, das ist die Basis.“ Die rund 7000 Mitglieder dürften das verstanden haben – und wertschätzen.

Powerfitness in der Sparkasse

Für Sport hat die Sparkasse Hannover schon lange einen eingetragenen Verein. Was als Betriebssportgruppe vor Jahrzehnten begann, heißt jetzt SV Sparkasse e.V. und bietet ein üppiges und professionelles Programm. Carsten Dolff ist Vorsitzender des Sportvereins, der nach dem Umbau des Gebäudes am Raschplatz im Mehrzweckraum im Untergeschoss beheimatet ist. Sechs Kurse aus der Fitnesssparte werden hier normalerweise pro Woche geboten. Zweimal gibt es morgens vor der Arbeit ab 7.30 Uhr Powerfitness. „60 Minuten dauert das anspruchsvolle Programm. Der Zulauf ist enorm, die Kurse sind proppenvoll“, so Dolff. Dazu gibt es zwei Kurse nach Feierabend, in denen der Schwerpunkt auf Hanteltraining, Rückenschule und Bewegung liegt. Und schließlich bietet eine ehemalige Kollegin Hatha-Yoga zur Entspannung an. „Vor allem die kurzen Wege zwischen Arbeit und Sport sind für viele Kollegen offenbar attraktiv“, sagt Dolff, der sich freut, dass das Angebot immer beliebter wird.“

Roboter im Pflegeeinsatz

Ein Roboter, der Witze macht: Pepper ist in der Lage, mit Heimbewohnern auf einem einfachen Niveau zu kommunizieren.

Roboter im Pflegeeinsatz

Autor: Oliver Züchner
Fotos: privat/Entrance Robotics

Den großen grauen Kater mit dem Flauschfell hat er immer im Auto. „Wenn man ihn streichelt, wackelt er mit dem Schwanz. Wenn man ihn nicht streichelt, fordert er Aufmerksamkeit“, sagt Gesundheitsforscher David Matusiewicz, der den possierlichen Begleiter aus Japan mitgebracht hat. Dort sind die Tiere in Alten- und Pflegeheimen längst gang und gäbe. Die Anschaffungskosten liegen bei nicht einmal 100 Euro. „Die Batterie muss man alle Tage mal wechseln. Aber das war’s auch“, sagt er.

Robotern fehlt noch die Intelligenz

Der Flauschekater ist ein Roboter, der angesichts der immer älter werdenden japanischen Gesellschaft die Pflegekräfte entlasten soll. Roboter, die tatsächlich wie ein Mensch die Pflegebedürftigen waschen oder im Bett wenden, also Pflegetätigkeiten ausüben, gibt es auch dort noch nicht. „Dafür fehlt Maschinen – noch – die Intelligenz und das händische Geschick“, erklärt Matusiewicz, der an der FOM Hochschule in Hannover Gesundheitsmanagement lehrt.

Gesundheitsforscher David Matusiewicz mit digitaler Flauschkatze.

120.000 Pflegekräfte fehlen in Altenheimen

Wer daher glaubt, Roboter könnten die rund 120.000 Pflegekräfte ersetzen, die nach einer aktuellen Studie der Universität Bremen allein in Deutschlands Altenheimen akut fehlen, liegt schief. Wohl gibt es einzelne digitale Lösungen wie den Kreiselhandschuh gegen den Tremor in den Händen. Mehr zu dem Thema

Es gibt fahrerlose Transportsysteme (FTS), die Betten bewegen und Wäschesäcke von den Stationen in den Keller fahren und dabei die Aufzüge benutzen. Mit Robotik aber hat das alles noch nichts zu tun. „Mittel- und langfristig bieten Roboter zwar neue Perspektiven. Kurzfristig brauchen wir schlicht mehr Personal – viel mehr Personal“, sagt der Wissenschaftler. Denn auch in Krankenhäusern würden zu viele Stellen unbesetzt bleiben und der Pflegeschlüssel, also das Verhältnis von Pflegepersonal zu Patienten, sei zu niedrig. „Wenn man berücksichtigt, dass Menschen den Pflegeberuf aufgrund des harten Arbeitsalltags aufgeben, andere in Rente gehen, fehlen in der Bundesrepublik in Summe geschätzt bis zu 300.000 Pflegerinnen und Pfleger über die kommenden fünf Jahre“, so Matusiewicz.

Roboter für soziale Interaktion

Was heute tatsächlich möglich ist, sind „soziale“ Roboter, die in tier- oder menschenähnlicher Gestalt Emotion und Kommunikation befördern können: Sie erzählen Witze, machen Späßchen und stellen Quizfragen. Damit können Roboter die Stimmung der Patienten verbessern, Angst, Schmerz und Einsamkeitsgefühle reduzieren und die Schlafqualität verbessern. „Das ist ein therapeutischer Nutzen, der sich nachweisen lässt“, sagt Matusiewicz und krault seinem Kunststoffkater das Fell. „Leider sind die Roboter nicht billig.“ Rund 5000 Euro kostet etwa Paro: Die Pflegerobbe ist Vorreiter unter den sozialen Robotern. Sie erkennt Stimmen und Verhaltensmuster und kann sich auf einen Menschen einstellen. Mehr als 4000 Exemplare sind mittlerweile weltweit in Kliniken und Heimen im Einsatz, darunter in mehr als 40 deutschen Einrichtungen. Ziel ist vor allem die Begleitung Demenzkranker, aber auch von Patienten in der Palliativmedizin – allerdings nicht als Pflegeersatz, sondern als begleitendes Instrument.

Software macht Pepper wandlungsfähig

2015 kam Pepper auf den Markt. Der Roboter des japanischen Herstellers Softbank, von dem weltweit bislang mehr als 12.000 Stück abgesetzt wurden, ist nicht ursprünglich für die Pflege entwickelt worden. Von knapp 100 Pepper-Robotern, die bis März 2020 durch Entrance Robotics, einen der Vertriebspartner der Humanoiden, in Deutschland abgesetzt wurden, gingen zwei Dutzend in den Pflege- und Gesundheitsbereich, zuletzt zwei in eine Kölner Privatklinik und einer in ein Altenheim im sauerländischen Plettenberg.

Seine Software macht Pepper wandlungsfähig. Forscher der Uni Siegen und der FH Kiel programmierten ihn 2017 für die Betreuung der Bewohner eines Seniorenheims in Siegen. Mit einer etwas anderen Software schickte Entrance Robotics einen weiteren Pepper im August 2019 für ein Testprojekt ins Seniorenzentrum Schleswiger Straße nach Hannover. Dort machte Pepper das, wofür Mitarbeitern im kurzatmig getakteten Heimalltag kaum Zeit bleibt: Er stellte Rätselaufgaben, erzählte Märchen und Witze, animierte zu Gehirnjogging und mit seinen gelenkigen Armen zu Bewegungsspielen – Gesundheitsprävention, die Spaß macht. „Allerdings sind uns die Kosten mit 35.000 Euro für ein reines Kommunikationsinstrument zu hoch“, sagt Walter Richter vom Pflegeheimbetreiber, dem AWO-Bezirksverband Hannover. Die Krankenkassen helfen in dieser Frage nicht weiter. Für Pepper zahlen sie bislang keinen Zuschuss. Für Pflegerobbe Paro übernehmen sie die Kosten wiederum nur in Einzelfällen. So scheuen die Heime nicht zuletzt den bürokratischen Aufwand. Hier geht zur den Beiträgen: HAZ Universität Siegen

Unterhält sich auch mit mehreren Heimbewohnern: Pepper ist bundesweit in 15 Einrichtungen im Einsatz.

Aktuell in 15 Seniorenheimen im Einsatz

Vielleicht relativieren sich die Kosten, wenn die Roboter etwas komplexere Aufgaben übernehmen können – so wie Pepper, der seit Ende 2017 auch im Kundenzentrum des hannoverschen Energiedienstleisters Enercity eingesetzt wird. Dort nimmt er Aufträge zum Umzugsservice an, erklärt Produkte und Verträge – und unterhält mit Spielen und Animationen. Eine ganz ähnliche Aufgabe soll der Pepper erhalten, der seit diesem März im Düsseldorfer Marienhospital die Runden dreht. „Er analysiert den Gesichtsausdruck des Gegenübers und bietet ihm dann eine darauf abgestimmte Kommunikation an“, sagt Alexander Pröll von Entrance Robotics. So dient Pepper als zuweilen als fahrender Kummerkasten. Oder er erklärt Besuchern den Weg und führt sie zum Beispiel direkt zur Cafeteria. Sobald die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen gegeben sind, könnte der Roboter Besucher auch direkt zu jedem gewünschten Patienten begleiten. Die Integration von Pepper in die Steuerung der Aufzüge ist ebenfalls geplant. Dann wird der Roboter jede Etage direkt anfahren können. Bis es so weit ist, soll Pepper ältere Menschen zum Bewegungstraining in der Gruppe animieren. Die Software wird in diesen Tagen ausgerollt. Aktuell ist Pepper in 15 Seniorenheimen in Deutschland im Einsatz.

Digitalisierung in der Pflege

Entlastung für das Pflegepersonal

Es könnte so einfach sein. Der Wäscheschrank ist leer und sofort setzt sich ein autonom bestückter Trolley von alleine im Keller in Bewegung. Nebenan schickt die Zentralküche den für die Station besetzten Warmhaltewagen los, während sich oben auf Station alle Pflegekräfte um die Menschen kümmern können. Denkbar wäre das. Auch technisch ist das alles längst keine Utopie mehr. Nur die Umsetzung stockt.


Autorin: Rebekka Neander
Fotos: iStockphoto.com/Obencem/metamorworks/Moussa81

„Die meisten Krankenhausflure sind heute lediglich darauf ausgelegt, dass zwei Patientenbetten gut aneinander vorbeikommen“, sagt Martin Meywirth. „Für ein autonomes Fahrzeug ist da kein Platz mehr.“ Meywirth ist am Klinikum der Region Hannover mit dem Projekt Mobidoc betraut. Es ist im KRH-Sprachgebrauch der Name für die (fast) vollständig digitale Patientenakte. Statt handschriftlicher Notizen und überquellender Ordner zeigt die digitale Patientenakte auf dem Computerbildschirm alle Informationen über die erkrankte Person, die für die Behandlung und Pflege wichtig sind: Warum ist sie im Krankenhaus? Wie lief die Operation? Welche Medikamente gab es zuletzt? Was zeigen MRT, Röntgenaufnahme und endoskopische Untersuchung?

Digitale Unterstützung schafft Zeit für Tätigkeit nah am Menschen

Mobidoc bekommt bald Zuwachs. Spot-Monitor, so Meywirth, heißt ein weiterer digitaler Assistent. Ein rollbarer Wagen, bestückt mit Blutdruckmessgerät, Fieberthermometer und einem sogenannten Pulsoxymeter für die Sauerstoffsättigung im Blut. Die damit gemessenen sogenannten Vitalwerte wandern automatisch in die digitale Patientenakte. Wieder wird damit Zeit für andere wichtige Tätigkeiten gewonnen.

Sich wieder dem Menschen zuwenden: Pflegekräfte könnten dank digitaler Helfer künftig wieder mehr Zeit dafür gewinnen.

Automatisierte Assistenten als nächste Stufe

Automatisierte Assistenten, die tatsächlich Handgriffe direkt am Patienten abnehmen, sind dagegen bislang nur eine Vision. Pepper, der kindgroße „Robotergefährte“ der Wuppertaler Entwicklerschmiede Entrance, hat zwar bereits den einen oder anderen Präsentationsauftritt in hannoverschen Pflegeheimen hinter sich. Mehr als eine experimentelle Ergänzung ist er jedoch (noch) nicht. Und selbst dies auch nur für jene, die ihn sich leisten können.

Roboterkatze schnurrt für Patienten

Wohin die Reise mit den automatisierten Pflegeassistenten gehen könnte, ist unter anderem am Pflegepraxiszentrum der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zu beobachten. Dieses testet mit Förderung des Bundesforschungsministeriums Innovationen aller Art, die der Pflege helfen könnten. „Wir haben beispielsweise eine mechanische Katze im Einsatz, die schnurren kann“, berichtet Iris Meyenburg-Altwarg. Sie leitet die hochschuleigene Pflegeakademie. Die Roboterkatze beruhige Patienten, die beispielsweise an Demenz oder Delir leiden und nach einem Eingriff im Bett liegen müssen.

Roboter für Desinfektion und „intelligente“ Betten

Ein mit UV-Licht agierender Desinfektionsroboter wird an der MHH nach der Entlassung von Patienten in deren Zimmer geschickt. „Das ultraviolette Licht hilft, Bakterien zu reduzieren“, sagt Meyenburg-Altwarg. Die sich anschließende Desinfektion und Reinigung des Zimmers falle entsprechend schneller aus. „Wir testen zudem gerade ein Bett, dessen Auflage aus würfelförmigen Elementen besteht.“ Diese erkennen, wo die höchste Gefahr für ein Druckgeschwür besteht, und entlasten dann gezielt an diesen Punkten. Andere Betten melden Ausstiegsversuche sturzgefährdeter Patienten oder verlagern sie automatisch in eine andere Position. Wenig überzeugend allerdings findet Meyenburg-Altwarg die bisher angebotenen Roboter, die beim Heben des Patienten helfen sollen: „Das taugt alles nichts.“ Die bisher bekannten Geräte seien allesamt nicht kippsicher. „Und wenn, dann sind sie viel zu groß und zu schwer.“

Digitalisierung in der Pflegeausbildung

Im Bereich der Aus- und Weiterbildung wiederum lockt die digitale Transformation mit neuen Lernmodellen. So haben in der Akademie des Regionsklinikums Anfang Februar zwei Medienpädagogen ihren Dienst angetreten. Ihr Ziel: alles, was Pflege wissen muss, in E-Learning-Einheiten zu gießen. Dieses „virtuelle Klassenzimmer“ mit gefilmten Fallbeispielen, spielerischen Ansätzen und der klaren Aufforderung an Auszubildende und Lehrkräfte, sich bei der didaktischen Gestaltung beispielsweise durch selbst gedrehte Filmchen einzubringen, ist der Region Hannover einiges wert. Die Eigentümerin des Klinikums finanziert den Aufbau in einem auf zwei Jahre angelegten Projekt mit insgesamt 600.000 Euro. Zum Lehrinhalt werden auch Mobidoc und Spot-Monitor gehören. „Aber eben auch der Umgang mit den Daten“, sagt der Medienpädagoge und Projektmanager Mirco Pietsch.

Programmierung von Assistenzrobotern

Auch das Bildungswerk des Diakovere-Verbundes in Hannover stellt sich dem Thema: Die Auszubildenden üben sich beispielsweise an der eigenen Programmierung von Nao, einem humanoiden Assistenzroboter, ebenfalls aus dem Hause Entrance, der beispielsweise auf Kinderstationen Spiele anbieten oder in Empfangshallen der Orientierung dienen kann.

„Wir sind dabei, entsprechende Konzepte für Patienten zu entwickeln“, sagt Diakovere-Sprecherin Diana Rose. „Aktuell haben wir die elektronische Patientenakte in fast allen unseren Häusern eingeführt.“ In der Alten- und Behindertenhilfe würden Menschen mit Beeinträchtigungen an Digitalisierungsprozesse herangeführt. „Das betrifft die digitale Steuerung von Assistenzsystemen oder die Schaffung virtueller Ausbildungsangebote für Menschen, die nicht mobil sind.“

Pflege als Motor für digitalen Wandel

Die Erwartungshaltung an derlei Angebote ist vielfältig. Ulf-Birger Franz, Wirtschaftsdezernent der Region, sieht vor allem die Beschäftigten und Auszubildenden als treibenden Motor für den digitalen Wandel in der Pflege. „Ihnen möchten wir mit dem virtuellen Klassenzimmer der KRH-Akademie ein attraktives Ausbildungsangebot eröffnen.“ Das kann die dortige Projektleiterin, Pflegepädagogin Sabine Vogel, nur unterstreichen.

Überdies aber erleichtere diese Unterrichtsergänzung auch ihre Arbeit. „Mithilfe dieses browsergestützten Systems kann ich die Lernfortschritte der Auszubildenden künftig auch von unterwegs kontrollieren.“ Bei zehn in der Region verteilten Standorten durchaus von Vorteil. So spielerisch das E-Learning für den Pflegenachwuchs auch sei, mahnt jedoch Yvonne Radtke, der Lehrstoff werde dadurch nicht weniger. Radtke, ebenfalls Medienpädagogin an der Akademie, hat etwas gegen falsche Hoffnungen: „Lernen muss man immer noch. Diese Arbeit nimmt einem kein Computer ab.“

Grenzen für digitalisierte Daten

Wer Daten sammelt, muss sie schützen. Martin Meywirth, im Zentralen Projektmanagement des Regionsklinikums unter anderem mit der digitalen Patientenakte betraut, macht deshalb auch keinen Hehl aus einem kleinen, vermeintlichen Anachronismus. So umfassend die Digitalisierung der Patientenakte vom Profil über die Pflege bis zur Mediation auch sein mag: Wer sich in eines der KRH-Krankenhäuser aufnehmen lässt, muss auch weiterhin viele bisherige Befunde auf Papier einreichen. „Wir dürfen keine fremden Datenträger ins System lassen“, betont Meywirth. Ausnahme bleiben von anderen Krankenhäusern oder Arztpraxen erstellte Bilder in digitaler Form. Was ein Patient privat gescannt hat, muss dieser wieder ausdrucken – um die Bilder in der Aufnahme wiederum erneut einscannen zu lassen. „Solange es die elektronische Gesundheitskarte nicht wirklich gesichert gibt“, so Meywirth, „wird das auch so bleiben müssen.“