Fitness und Bewegung haben für viele Hannoveraner einen hohen Stellenwert.

Der Spaß am Sport

Zurzeit schickt die Corona-Pandemie Sportler in die Zwangspause beziehungsweise ins Individualtraining. Fitnessstudios sind geschlossen, Vereine haben ihren Trainingsbetrieb eingestellt. Doch nach der Krise dürften sich Clubs und Turnhallen schnell wieder füllen. Denn die Hannoveraner sind sportbegeistert. Das Training nach der Arbeit im Studio oder im Verein ist für viele ein fester Bestandteil des Alltags.

Autorin: Susanna Bauch
Fotos: Tim Schaarschmidt, Britta Pedersen

Doch wie halten sich die Menschen in der Landeshauptstadt am liebsten fit? Wie fällt die Wahl zwischen Studio und Verein aus? Das hängt von Vorlieben und Trainingszielen ab. Wer sich in einer Mannschaft wohlfühlt, findet in Vereinen passende Angebote. Fitnessclubs punkten vor allem mit individueller Betreuung. Von Konkurrenz will Roland Krumlin, Geschäftsführer des Stadtsportbunds (SSB), nichts wissen. Er versteht Fitnessclubs nicht als störende Wettbewerber der Vereine. „Sportvereine und Studios ergänzen sich in ihrem Angebot. Viele Mitglieder in Sportvereinen sind zugleich auch in Fitnessstudios aktiv. Aber auch Angebote der Fitnessstudios sind in vielen Vereinen im Rahmen des regelmäßigen Sportbetriebs zu finden“, betont Krumlin.

Roland Krumlin, Geschäftsführer des Stadtsportbunds (SSB).

369 Sportvereine mit rund 116.000 Mitgliedern gibt es derzeit in Hannover, die Zahl ist leicht rückläufig. Die fünf größten Vereine (mehr als 2000 Mitglieder) mit insgesamt 35.717 Mitgliedern (2018: plus 2079) sind Hannover 96, Turn-Klubb Hannover (TKH), VFL Eintracht von 1848, TuS Bothfeld 04 und TSV Bemreode von 1896. Diese Großvereine vereinigen 30,7 Prozent aller in Hannover gemeldeten Mitglieder. Einen Einbruch der Mitgliederzahl von mehr als 20 Prozent (2018: minus 242) hat indes der TB Stöcken zu verkraften.

Anbieter reagieren auf Trends

Dass sich die Hannoveraner gerne bewegen, ist daher unbestritten. Die Fitnesswelle boomt seit Jahren, allerdings ist hier auch zunehmend Wellness gefragt. Und Trends sollen natürlich aufgegriffen werden, das gilt auch für die Vereine.

„Bei den Fortbildungsangeboten für unsere Übungsleiter berücksichtigen wir die Wünsche und aktuellen Trends im Gesundheits- und Breitensport“, so Krumlin. Mit dabei seien in diesem Jahr unter anderem Themen wie Bouldern, Outdoortraining und Outdoorfitness oder Trainieren im digitalen Zeitalter. „Das breite Spektrum an Fortbildungen steht auch besonderen Zielgruppen zur Verfügung, zum Beispiel Sturzprävention speziell für Ältere.“ Auch Beratung für Vereine zur Entwicklung ihrer Sportangebote werden vom Stadtsportbund (SSB) angeboten. Zu den Top 10 des Breitensports zählen derzeit nach Fußball, Turnen, Tennis und Schwimmen auch der Behindertensport, Handball, Kanu, Leichtathletik, Schießsport und Volleyball. Schlusslicht der 53 angebotenen Sportarten sind Ringen, Skifahren und Motorbootsport.

Vereine punkten mit Mannschaftssportarten, Clubs mit individueller Betreuung

Auch dem Nachwuchs widmen sich die Vereine. Kinder und Jugendliche nutzen die Angebote häufiger – zumal sie in Fitnessclubs unter 16 Jahren in der Regel auch keinen Zutritt haben. „Kinder und Jugendliche üben vorwiegend Wettkampfangebote unterschiedlicher Sportarten aus“, betont der SSB-Geschäftsführer.

Mit Fußball können Fitnessclubs natürlich nicht aufwarten, dafür mit „betreutem Muskeltraining“, wie Oliver Diener vom Elan in Groß-Buchholz betont. Der Clubleiter verzeichnet seit Eröffnung 2014 einen extremen Zulauf. „Wir wachsen monatlich“, sagt er. Diener glaubt, dass das auch damit zusammenhängt, dass das Elan „sich im Premiumbereich bewegt“. Was nicht nur mehrere Saunen, Whirlpool auf der Dachterrasse, neueste Geräte und höhere Gebühren bedeutet, sondern vor allem „eine individuelle Einzelbetreuung mit viel Erklärung und Korrektur“.

Willkommener Ausgleich statt Pflicht

Diener hat beobachtet, dass es derzeit vor allem Fitnessstudios im hoch- sowie im niedrigpreisigen Segment leichter haben. „Manche wollen nur schnell und günstig trainieren, für die anderen ist Fitness der Ausgleich für den Stress im Alltag. Und dafür muss natürlich auch das Ambiente stimmen.“

Wichtig sei zudem, so Diener, eine flexible Öffnungszeit. „Zwischen 6 und 23 Uhr wird bei uns trainiert, es kommen viele Berufstätige – vor und nach Feierabend.“ Das Elan bietet wie ähnlich große Einrichtungen jede Menge Kurse an – von Aquagymnastik über Powertraining bis Yoga und Zumba. Für viele Menschen seien Sport und Fitness keine lästige Pflicht, sondern Erholung und natürlich Körperbewusstsein.

Sozialer Aspekt: Sport verbindet Menschen

Wenn die großen Clubs vor allem auch für Wohlbefinden stehen, zählt in den Vereinen immer noch auch der Gemeinschaftssinn. „Sportvereine üben eine wichtige gesellschaftliche Funktion aus. Über den reinen Sport hinaus sind sie unter anderem für das soziale Miteinander unverzichtbar“, betont Krumlin. Sie seien für jeden zugänglich und böten ihre Leistungen zu erschwinglichen Preisen an. Und die Angebote würden stets von regelmäßig qualifizierten Übungsleitenden durchgeführt. Wie in den meisten Fitnesseinrichtungen, in denen man natürlich auch hin und wieder private Kontakte knüpfen kann. „Aber grundsätzlich trainieren hier die Menschen in erster Linie für sich“, so der Elan-Leiter.

Im TKH in der Südstadt können die rund 7000 Mitglieder übergreifend trainieren. Es gibt das Gesundheitsstudio, den Fitnessbereich und den Rehasport. „Vor vier Jahren haben wir unser neues Bewegungszentrum eröffnet, dort haben wir jetzt sogar eine Crossfit-Box“, sagt Geschäftsführer Hajo Rosenbrock. Der TKH bietet zudem jede Menge Wettkampfsport, aber auch Yoga und Pilates sowie „natürlich Jedermann-Sport. Der ist immer eine wichtige Säule.“

Hajo Rosenbrock, Geschäftsführer des Turn-Klubbs Hannover.

Breitensport dank der Vereine

Dabei hat das Team immer die Trends im Blick, sei es im sportlichen oder auch im Fitnessbereich. „Zumba war einmal der große Renner, das hat etwas nachgelassen. Dafür kommt Jumping jetzt ganz groß“, so Rosenbrock. Und Yogastunden im Seil, das von der Decke hängt. „Wir probieren viel aus, aber das Kerngeschäft ist der Leistungssport, sind die Wettkämpfe, der Freizeit- und Breitensport“, betont Rosenbrock. Der Geschäftsführer hebt hervor, dass der TKH trotz seiner Größe vor allem auch ein Familienverein ist. „Für jeden ist etwas dabei.“ Im Breitensportbereich ist Faustball noch genauso gefragt wie Turnen oder Fechten. „Der Spaß und Erfolg steht und fällt mit den Menschen und den Uhrzeiten“, sagt der Geschäftsführer. Bei Leitbildumfragen würden sich die Mitglieder neben Innovation auch Beständigkeit, Spaß, günstige Preise und gute Leistung wünschen. „Können wir“, so Rosenbrock.

Der TKH hat allerdings noch einen Schwerpunkt – und zwar die Ganztagsbetreuung in Schulen. „Sporterziehung und Bildung sind wichtig für uns. Menschen, Schulen, soziales Engagement, das ist die Basis.“ Die rund 7000 Mitglieder dürften das verstanden haben – und wertschätzen.

Powerfitness in der Sparkasse

Für Sport hat die Sparkasse Hannover schon lange einen eingetragenen Verein. Was als Betriebssportgruppe vor Jahrzehnten begann, heißt jetzt SV Sparkasse e.V. und bietet ein üppiges und professionelles Programm. Carsten Dolff ist Vorsitzender des Sportvereins, der nach dem Umbau des Gebäudes am Raschplatz im Mehrzweckraum im Untergeschoss beheimatet ist. Sechs Kurse aus der Fitnesssparte werden hier normalerweise pro Woche geboten. Zweimal gibt es morgens vor der Arbeit ab 7.30 Uhr Powerfitness. „60 Minuten dauert das anspruchsvolle Programm. Der Zulauf ist enorm, die Kurse sind proppenvoll“, so Dolff. Dazu gibt es zwei Kurse nach Feierabend, in denen der Schwerpunkt auf Hanteltraining, Rückenschule und Bewegung liegt. Und schließlich bietet eine ehemalige Kollegin Hatha-Yoga zur Entspannung an. „Vor allem die kurzen Wege zwischen Arbeit und Sport sind für viele Kollegen offenbar attraktiv“, sagt Dolff, der sich freut, dass das Angebot immer beliebter wird.“