Selbsthilfegruppe für junge Brustkrebs-Patientinnen

Wieder mehr Farbe ins Leben von jungen Brustkrebs-Patientinnen bringen die gemeinsamen Aktivitäten der Selbsthilfegruppe „Pinke Zitronen“, wie hier bei einem Kreativ-Workshop.

Selbsthilfegruppe für junge Brustkrebs-Patientinnen

Der Verein „Pinke Zitronen“ vernetzt in Hannover und der Region junge an Brustkrebs erkrankte Frauen. Die Selbsthilfegruppe setzt zum einen besonders auf eine Begleitung durch Social-Media-Angebote. Zum anderen versteht sie sich als Ansprechpartner für alle Phasen der Erkrankung – und in allen Lebenssituationen.

Autorin: Katrin Schreiter
Fotos: Marc Rodenberg (Drachenboot), Pinke Zitronenr

„Es geht darum, Normalität zurück in den Alltag zu bringen. Das Leben ist zwar nicht mehr wie vorher, aber es kann trotzdem schön sein“, beschreibt Nicola Jahnke-Sieche die Beweggründe des Vereins „Pinke Zitronen e.V.“. Mit „vorher“ meint die 48-Jährige die Zeit vor der Diagnose Brustkrebs.

„Pinke Zitronen“ wurde im Frühjahr 2017 als Selbsthilfegruppe gegründet und im Herbst 2018 in einen Verein umgewandelt – das Anliegen ist dasselbe geblieben: „Wir wollen in Hannover und der Region junge an Brustkrebs erkrankte Frauen unterstützen – und zwar in jeder Phase der Erkrankung.“

Die Selbsthilfegruppe „Pinke Zitronen“ versteht sich vor allem als Angebot an junge Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind.

Ablenkung statt Reha: Drachenboot fahren und Kreativ-Workshops

Das Logo mit den beiden pinkfarbenen Zitrusfrüchten signalisiert schon: „Wir wollen mehr sein, als ein Verein, bei dem sich die Mitglieder zum klassischen Gruppentreffen treffen.“ Von Schlammlaufen über Drachenboot fahren bis hin zum Kreativ-Workshop und Vorträgen: „Unsere Treffen werden mit jeder Menge Aktivitäten ausgeschmückt, bei denen es vordergründig um Ablenkung geht“, sagt Nicola Jahnke-Sieche. Es gibt aber dabei immer auch die Möglichkeit, zu reden.“ Über Chemo und Nebenwirkungen, Perücken und Nachuntersuchungen, aber auch über Beruf, Familie und Hobbys.

Nicola Jahnke-Sieche weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig der Austausch ist. Bei der berufstätigen Mutter zweier Töchter wurde 2015 Brustkrebs festgestellt. Auf der Suche nach einer passenden Selbsthilfegruppe musste sie schnell feststellen, dass die meisten Frauen in den bestehenden Gruppen deutlich älter waren als sie – und in einer ganz anderen Lebensphase.

Bei gemeinsamen Aktivitäten wie Drachenbootfahren geht es vor allem darum, ein bisschen Normalität in den Alltag der Patientinnen zu bringen.

Warum Facebook ein wichtiges Kommunikationsmittel ist

Schließlich hat sie das Projekt Selbsthilfe für junge Brustkrebspatientinnen eigenständig in die Hand genommen und gemeinsam mit Wiebke Mrowka das Unterstützungsangebot „Pinke Zitronen“ aufgebaut. „Als Erstes habe ich einen Facebook-Account angelegt“, erinnert sich Nicola Jahnke-Sieche, die für das Netzwerk vor allem auf die sozialen Medien setzt. Zu Facebook kamen später noch WhatsApp und Instagram dazu. Der unkomplizierte Austausch, die problemlose Vernetzung und die zahlreichen Treffen und Aktivitäten finden reichlich Anklang: „Pinke Zitronen“ zählt zurzeit rund 50 feste Mitglieder, knapp 200 Frauen haben bereits Angebote des Vereins genutzt. „Wichtig ist auch, dass wir für jede Phase der Erkrankung Ansprechpartner sind“, sagt Nicola Jahnke-Sieche. „Und das kostenfrei. Ein Vereinsbeitritt ist dazu nicht nötig. Aber wir freuen uns immer über Mitglieder, die mit ihrem Beitrag das große Ganze unterstützen“. Mit Mareike Bullerdiek, Martina Scheerle, Sabine Manthei und Mareen Bongartz kümmern sich seit mehr als zwei Jahren fünf Frauen mit viel Herzblut um die Geschicke des Vereins. Die vorbildliche Vereinsarbeit hat namhafte finanzielle Unterstützer, wie die Sparkasse Hannover, AOK Niedersachsen, 96 Plus und Hannovers Selbsthilfekontaktstelle KIBIS, gefunden. Sie alle zeigen, dass „Pinke Zitronen“ und deren Projekte ihnen wichtig sind.

Katastrophe beginnt oft erst nach der Reha

„Kurz nach der Erstdiagnose, wenn die Ungewissheit am Größten ist, während der Therapiezeit mit der Chemo und vor allem auch nach der Reha. Da fängt die Katastrophe häufig erst an.“ Oft würden die Arbeitgeber und Kollegen glauben, man könne sofort wieder mit 100 Prozent in den Beruf einsteigen. Aber besonders die psychische Belastung sei weiterhin hoch: „Der Krebs ist immer und überall dabei – das ändert sich oft nicht mehr“, weiß die engagierte Frau, die in Dauertherapie behandelt wird. „Aber man kann versuchen, den Krebs in sein Leben zu integrieren, und ihn wie einen unangenehmen Beifahrer zu sehen, von dem man sich nicht allzu sehr ins Steuer greifen lässt!“

Wichtig sei auch das Projekt LemonKids, das sich um Kinder und Jugendliche von an Brustkrebs erkrankten Frauen kümmert. „Sie sind oft verunsichert und sorgen sich. Daher wollen wir auch für sie Angebote schaffen, damit sie sich besser auf die neue Lebenssituation einstellen können“, sagt die Vorsitzende des Vereins. „Außerdem sollen sie merken, dass sie mit der Situation nicht allein sind.“

Dass sie nicht allein sind mit der Diagnose Brustkrebs und den Folgen der Behandlung, wissen die Frauen, die sich der Selbsthilfegruppe angeschlossen haben.

Verein „Pinke Zitronen“

E-Mail: pinkezitronen@web.de
www.pinkezitronen.de

Facebookseite: www.facebook.com/pinkezitronen2017

Spendenkonto: Sparkasse Hannover
IBAN: DE 30 2505 0180 0910 4217 73

Brustkrebs

Nach Angaben der Deutsche Krebshilfe erkranken in Deutschland jedes Jahr 69.700 Frauen und 750 Männer neu an Brustkrebs. Er ist damit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI)hat ermittelt, dass fast drei von zehn betreffenden Frauen bei Diagnosestellung jünger als 55 Jahre alt sind. Die Statistik verzeichnet allein für Deutschland noch immer 17.460 brustkrebsbedingte Todesfälle jährlich.

Weitere Informationen des RKI
zum Thema Brustkrebs