Wie Schule Kinder und Jugendliche mobil macht

„Bewegte, gesunde Schule in Niedersachsen“

Den Nachwuchs auf Trab bringen

Die aktuelle Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO ist alarmierend: In Deutschland bewegen sich 84 Prozent der Kinder und Jugendlichen am Tag nicht mal eine Stunde lang. Das sorgt für zahlreiche gesundheitliche Probleme wie zum Beispiel Konzentrationsmangel und Übergewicht. Rund 15 Prozent der Mädchen und Jungen zwischen drei und 17 Jahren sind zu dick, fast 6 Prozent sogar adipös, bestätigt eine Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI).

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Autorin: Katrin Schreiter
Foto: iStock.com/damircudic; Pollyana Ventura; lzf

Dagegen will das Niedersächsische Kultusministerium mobil machen: Mit dem Projekt „Bewegte, gesunde Schule“ soll der Nachwuchs wieder mehr auf Trab gebracht werden. In den drei zentralen Handlungsfeldern Unterrichtsqualität, Schule steuern und organisieren sowie Lern- und Lebensraum Schule geht es darum, mehr Möglichkeiten für Bewegung und Mobilität der Kinder und Jugendlichen zu schaffen. Mithilfe verschiedener Module, die vom Zeitmanagement bis zur Schulhofgestaltung reichen, berührt das Projekt viele Aspekte des Schulalltags. Wie sieht das genau in der Praxis aus?

Zwei lange Schulpausen für mehr Bewegung­

In der Grundschule Groß-Buchholzer Kirchweg wurden zum Beispiel die Pausenzeiten neu geregelt. Statt des 45-minütigen Unterrichts und der darauf folgenden kurzen Fünf-Minuten-Pause gibt es nun Blöcke, die 90 Minuten lang sind. „Dabei wird das eine Unterrichtsfach von dem nächsten durch einen gleitenden Übergang abgelöst – ohne abrupten Wechsel und ohne Pausenklingeln“, erklärt Rektorin Nicole Dreyer. Vorteil dieser neuen Zeitstruktur: Es ergeben sich nun zwei lange Pausen von je 30 Minuten. Zeit, in der sich die Kinder auf dem Schulhof ordentlich austoben oder spielerisch entspannen können.

Bewegungen koordinieren, Risiken abschätzen und Kraft erproben: Bevor es in die nächste Schulstunde geht, tut Klettern gut. Foto: iStock - Pollyana Ventura

Schulhof als Lern- und Lebensraum

„Den Schulhof haben wir komplett neu als Lern- und Lebensraum gestaltet“, erläutert Nicole Dreyer. Dreh- und Angelpunkt ist hier das Holzklettergerüst, an dem die Jungen und Mädchen ihre motorischen Fähigkeiten erproben. Darüber hinaus lernen sie beim Klettern, Verantwortung zu übernehmen, Wagnisse einzugehen, Risiken abzuschätzen und sich etwas zuzutrauen. „Die Stadt davon zu überzeugen – das war ein großes Stück Arbeit“, erinnert sich die Rektorin, die zwei Jahre für das 24.500 Euro teure Spielgerät gekämpft hat. 18.000 Euro konnte die Schule selbst durch Sponsorenläufe beisteuern.

Mobiler Unterricht mit offenen Türen

Auch die Kooperative Gesamtschule Neustadt misst der Bewegung eine zentrale Rolle bei. „Bewegung ist eine wichtige Voraussetzung für das Lernen“, sagt Schulleiter Burkhard Jonck. Denn sie beeinflusse die Gehirnaktivitäten positiv. „Das betrifft in der Schule alle Bereiche – innen und auch außen.“ So würde der Unterrichtsstoff jetzt nicht mehr streng in Einzelräumen vermittelt, sondern zum Beispiel in Gruppenarbeit oder in der Diskussion mit anderen – auch jahrgangsübergreifend. „Dafür stehen bei uns im wahrsten Sinne des Wortes die Türen offen“, erklärt Jonck.

Skaten auf dem Schulhof begeistert viele Jungen und Mädchen. Foto: iStock - lzf

Vielfältiges Angebot für mehr Bewegung

Zwei Sportplätze, eine Hügellandschaft, ein Inliner- und Skater-Park: Vor der Ganztagsschule bietet das zehn Hektar große Außengelände den 1500 Schülerinnen und Schülern jede Menge Möglichkeiten, sich zu bewegen. Vor allem in der Hügellandschaft könnten sich die Kinder und Jugendlichen selbstständig Felder abstecken und sportlich-spielerisch messen. Jonck: „Die Gestaltung des Außenraums stellt eine Verbindung der Innen- und Außenräume her. Dadurch entsteht ein Bewegungs- und Gesamtlernraum.“ Bei der Planung und Entwicklung der „Bewegten Schule“ könne die KGS auf die Unterstützung der Stadt Neustadt am Rübenberge mit ihren Fachdiensten zählen, lobt Jonck.

Projekt mit vielen Partnern

Die „Bewegte, gesunde Schule“ ist ein Projekt des Niedersächsischen Kultusministeriums. Kooperationspartner sind der Gemeinde-Unfallversicherungsverband Hannover und die Landesunfallkasse Niedersachsen, die Landesvereinigung für Gesundheit und die Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e. V., der Braunschweigische Gemeinde-Unfallversicherungsverband, die AOK Niedersachsen, die hkk Handelskrankenkasse und der Landessportbund Niedersachsen e. V.