Kliniken und Krankenkassen im Clinch

Kliniken bleiben auf Kosten sitzen

Teure Rechnung

Dass die gesetzlichen Krankenkassen und der von ihnen getragene Medizinische Dienst genauer auf die Rechnungen schauen, liegt zum einen an der Kritik des Bundesrechnungshofs an der seiner Ansicht nach bislang zu laschen und ineffizienten Prüfpraxis. Zum anderen „lohnen“ sich die Prüfungen für die Kassen: Sollte jede zweite Abrechnung falsch sein, wie Jörg Niemann vom Verband der Ersatzkassen (VDEK) schätzt, käme auf die Kassen ein Milliardensegen zu.

Autor: Oliver Züchner
Fotos: iStock – gorodenkoff; smolaw11

Erbrachte Leistungen werden nicht vergütet

Zahlen für die Region Hannover gibt es nicht, wohl aber Klagen der Kliniken über die strikte Prüfpraxis des MDK. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) beziffert den Gegenwert nicht vergüteter Leistungen von Januar bis Mai 2019 auf 5,5 Mio. Euro. Teurer wird es für das KRH Klinikum Region Hannover. „Wir gehen von einem zweistelligen Millionenbetrag aus, der uns durch die Nichtvergütung für erbrachte Leistungen pro Jahr verloren geht“, sagt Steffen Ellerhoff, Sprecher des KRH, mit zehn Standorten, 3400 Betten und 8000 Mitarbeitern weitaus größten Krankenhausbetreibers der Region.
Dass die gesetzlichen Krankenkassen und der von ihnen getragene Medizinische Dienst genauer auf die Rechnungen schauen, liegt zum einen an der Kritik des Bundesrechnungshofs an der seiner Ansicht nach bislang zu laschen und ineffizienten Prüfpraxis. Zum anderen „lohnen“ sich die Prüfungen für die Kassen: Sollte jede zweite Abrechnung falsch sein, wie Jörg Niemann vom Verband der Ersatzkassen (VDEK) schätzt, käme auf die Kassen ein Milliardensegen zu.

Streit um medizinisch angemessene Leistungen

Bleibt die Frage: Wie kann es möglich sein, dass so viele Abrechnungen falsch sind? Für das KRH ist die Sache klar: „Der weit überwiegende Anteil der Rechnungskürzungen und Zahlungsverweigerungen der Kassen bezieht sich nicht auf Falschabrechnungen, sondern auf die Indikation“, so Sprecher Ellerhoff. Soll heißen: Die Rechnungen selbst stimmen, der Streit geht um die Frage darüber, was medizinisch angemessen ist. „Wenn ein Patient über akuten Brustschmerz klagt, weisen wir ihn nicht mit dem Hinweis ab, dass es ein Fehlalarm sein könne“, erklärt Ellerhoff.

Er verweist auf strukturelle Defizite des Gesundheitssystems: „Wenn Patienten beispielsweise nicht in die ambulante oder stationäre Pflege überwiesen werden können, liegen sie länger bei uns als notwendig.“ Dazu kämen die vielen Patienten in den Notaufnahmen, die nicht der Behandlungsmöglichkeiten eines Krankenhauses bedürften.

Krankenhäuser kompensieren Versorgungslücken

Liegt die Sache so, dann braucht das KRH auch nicht die Strafzahlungen fürchten, mit denen der Gesetzgeber im Zuge des MDK-Reformgesetzes falsche Abrechnungen eindämmen will. Für Ellerhoff, der auch Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser (AKG) ist, geht der Gesetzentwurf, der Anfang 2020 in Kraft treten soll, ein Stück weit am Problem vorbei. Ellerhoff: „Heute sind es vielfach die Krankenhäuser, die Versorgungslücken durch eine stationäre Aufnahme oder einen verlängerten Krankenhausaufenthalt kompensieren.“ Der Gesetzentwurf bestrafe die Kliniken für ihr verantwortungsvolles Vorgehen.