Einsamkeit ist der größte Killer

Wie werden Menschen glücklich, gesund und bezahlbar alt?

Nicht warten, bis es klingelt

„In der Expertenrunde auf dem Podium hat mich Matthias Steiner total beeindruckt“, erinnert sich Schumacher an die Auftaktveranstaltung der ÜberMorgen-Reihe zum Thema Gesundheit in Hannover, die er moderiert hat. „Der Gewichtheber hat olympisches Gold geholt – und das, obwohl er Diabetiker ist.“

Autorin: Katrin Schreiter Foto: iStock.com /ImageegamI

Entscheidungen selbst treffen

Die Ärzte hätten Steiner abgeraten, Leistungssport zu treiben. „Aber er ist das Risiko eingegangen – ganz bewusst und kontrolliert“, erzählt der Journalist und Autor. „Das ist für mich ein Intensivkurs in Sachen Eigenverantwortung. Denn das unterstreicht nochmal: Ich treffe die Entscheidungen. Und ich übernehme auch die Verantwortung.“ Auch Schumacher hat in seinem Buch „Restlaufzeit“ den Aspekt Eigenverantwortung thematisiert. „Am Anfang stand für mich die Frage: ,Wie kann ich glücklich, gesund und bezahlbar alt werden?'“ Dafür hat sich der gebürtige Münsteraner verschiedene Wohn- und Lebensmodelle angesehen, von der WG bis zur Luxusresidenz. „Doch ich habe schnell gemerkt, dass es nicht darum geht, wo ich wohne, sondern vor allem, was in meinem Kopf vorgeht.“

Wohlergehen zur eigenen Sache machen­

Schumacher unterteilt die Menschen in zwei Gruppen: Die eine wartet darauf, dass es klingelt – die andere klingelt. „Wer klingelt, nimmt auch seine Gesundheit selbst in die Hand“, ist sich der 55-Jährige sicher. „Wie fit ich bleibe, entscheide ich überwiegend allein, immer vorausgesetzt, ich bleibe von schlimmen Krankheiten verschont.“ In seinem Buch erklärt er detailliert, worauf es ankommt: Wichtig seien Bewegung und Ernährung, aber auch sinnstiftende Ziele und soziale Gemeinschaft. „Einsamkeit ist der größte Killer überhaupt. Man sollte lieber mit den Freunden ordentlich feiern, als sich alleine vegan zu ernähren“, sagt Schumacher, der dafür plädiert, weder auf Krankenkassen noch auf den Staat allzu viel Hoffnung zu setzen. „Das sind vor allem Notfallhelfer. Wir sind selbst für unser Wohlergehen verantwortlich – auch im Alter.“ Warum er sich über den Lebensabend Gedanken gemacht hat? „Älter werden wir schließlich alle – da kommt also auch keiner daran vorbei, darüber nachzudenken“, sagt Schumacher. „Gesundheit ist dabei das höchste Gut.“

Zur Person

Dr. Hajo Schumacher Nach dem Studium der Journalistik, Politikwissenschaft und Psychologie arbeitete Schumacher von 1990 bis 2000 beim Spiegel, zuletzt als Co-Leiter des Berliner Büros. Von 2000 bis 2002 war er Chefredakteur der Lifestyle-Zeitschrift Max in Hamburg. Er promovierte über die Machtstrategien von Angela Merkel. Heute schreibt er als freier Autor für Tageszeitungen, Magazine, Hörfunk, Online und Fernsehen. Für RBB, WDR und Deutschlandradio sowie diverse Talkshows kommentiert er das politische Geschehen. Schumacher lebt mit seiner Familie als freier Journalist in Berlin. Sein Beststeller „Restlaufzeit“ thematisiert glückliches und bezahlbares Altern.
Foto: Annette Hauschild