Neue Technologien für unsere Gesundheit

Digitalisierung bietet neue Chancen im Gesundheitswesen

Spielerisch die Gesundheit stärken

SisyFox und Sanascope sind zwei Positivbeispiele bei der Verbindung der Digitalisierung und der Gesundheitswirtschaft in Deutschland. Mit einem interaktiven Spiel und einem elektronischen Stethoskop für jedermann wollen die beiden Unternehmen innovative Produkte auf dem Markt etablieren.

Autor: Martin Scheele

Einen Felsbrocken einen Berg hinaufrollen, Spaß daran haben – und dazu noch seinem Körper etwas Gutes tun. Darum geht es kurzgefasst bei „SisyFox“. Das interaktive Spiel stammt aus der gleichnamigen Hildesheimer Firma von Sandro Engel und Amelie Künzler. „SisyFox haben wir ursprüngliche für das Kulturfestival ,Fuchsbau‘ entwickelt, also den Fokus auf Entertainment gelegt“, erzählt Engel. „Doch nach dem Festival hatte das gesamte Team gehörigen Muskelkater.“ Was also machen?

„Wir haben uns mit Physiotherapeuten, Sportwissenschaftlern und Experten der Medizinischen Hochschule Hannover zusammengesetzt. Entstanden ist daraus ein Exergame, also ein Computerspiel, das zur körperlichen Bewegung und zu Reaktionen auffordert“, sagt Engel. Man steuert bei dem Spiel nun die Hauptfigur über das Bewegen eines Gymnastikballs. So werden Motorik, Gleichgewicht und Ausdauer geschult – ideal für Anwendungen in der Physiotherapie. „Der Spaß steht dabei immer im Vordergrund, das Training passiert quasi nebenbei“, so Engel.

Foto: SisyFox

Digitalisierung in der Gesundheitsbranche kommt nur langsam voran

„Mit ,SisyFox‘ haben wir eine Weltneuheit entwickelt“, sagt Engel. Seine Begründung: „Ein Eingabemedium in Form einer gigantischen Kugel in Kombination mit unseren einzigartigen Games, die auf den reduzierten Input ausgelegt sind, gibt es so noch nicht.“
Insgesamt hinkt Deutschland bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens anderen Ländern hinterher. Das hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung ergeben. Im Vergleich von 17 EU- und OECD-Ländern landete die Bundesrepublik auf dem vorletzten Platz. Während man in Deutschland, so heißt es in der Studie, noch Informationen auf Papier austausche, würden in den Spitzenreiter-Ländern etwa Rezepte digital übermittelt, Ferndiagnosen und
-behandlungen per Video gestellt und verordnet und Patientendaten in elektronischen Akten gespeichert, auf die die Bürger dann online zugreifen können.

In China schon in der Pflege eingesetzt

Startup-Unternehmer Engel kann das nur bestätigen. „In Deutschland sind die Prozesse langsamer und neuen, ungewöhnlichen Produkten wird oft eine eher kritische Haltung entgegengebracht“, sagt Engel. Deshalb mache seine Firma auch den Großteil des Umsatzes mit dem Ausland. Eingesetzt werde das Spiel im Indoor-Entertainment wie etwa in Trampolinparks und Familiencentern aller Art. „In China wird das System allerdings auch schon praktisch in der Pflege und Reha eingesetzt“, sagt Engel. „In Deutschland wird es bis zum Einsatz im medizinischen Bereich wohl noch ein längerer Weg.“

Positiv hebt sich auch das Unternehmen Sanascope von diesem Trend ab. Die Idee des Gründers Lukas Weick: Ein elektronisches Stethoskop für den Hausgebrauch, das helfen soll, die eigene Gesundheit regelmäßig zu überprüfen und frühzeitig Krankheiten zu erkennen. Damit macht Weick schon jetzt Furore. Im Rahmen eines Pitch-Wettbewerbs holte das Start-up den dritten Platz beim Start-up-Weekend Luxemburg und beim Start-up-Weekend Saar, das vom Gründer-Campus Saar, dem dortigen IT-Inkubator und dem Luxemburger Innovationszentrum Technoport SA organisiert wurde. Und mehr noch: Das junge Unternehmen gewann auch den Crowd’s Favorite Award, da es sich die meisten Stimmen im Publikum gesichert hatte.