Volkshochschulen: Gute Bildung für alle

Volkshochschulen gehen mit der Zeit

Autorin: Katrin Schreiter

Die Volkshochschulen (VHS) greifen in ihren Bildungsangeboten die gesellschaftlichen Entwicklungen auf, etwa die zunehmende Digitalisierung oder den Bildungsbedarf von Zuwanderern.

Die Volkshochschulen sind die größten Weiterbildungsanbieter in Deutschland. Ihre Zahlen können sich sehen lassen: Die fast 1000 Einrichtungen verzeichnen bundesweit jährlich rund neun Millionen Belegungen in mehr als 700 000 Veranstaltungen. Inhaltlich umfassen die Kurse ein breites Spektrum, das von allgemeiner über sprachliche, berufliche und gesundheitliche bis zu  kultureller, politischer und IT-Bildung reicht. Ihr Programm greift die Bildungstrends und den Bildungsbedarf der Nutzer so passgenau wie möglich auf.

Spracherwerb auf den Beruf abgestimmt

„Unser Fokus liegt auf dem Kunden. Und wenn sich seine Bedürfnisse ändern, reagieren wir mit unserem Angebot darauf“, erläutert Jürgen Beckstette. Der Geschäftsführer der Leine-VHS in Laatzen, Hemmingen und Pattensen (www.leine-vhs.de) nennt einige Bereiche, die aktuell weiter ausgebaut werden. So hätten die Fremdsprachenkurse seit den Siebzigerjahren einen zentralen Platz im Angebot: Englisch, Französisch und Spanisch rangierten dabei weit vorn. Doch spätestens seit der Flüchtlingskrise 2015 stehe vor allem die deutsche Sprache im Mittelpunkt. „Dabei geht es nicht nur um den Spracherwerb, sondern darum, den Kursinhalt auf berufliche Bereiche abzustimmen“, sagt der Geschäftsführer. „Wir bieten zum Beispiel im Frühjahr für den Pflegeberuf spezielle Sprachkurse mit Praktika an.“

Von Tai-Chi bis Autogenes Training

„Stark nachgefragt sind seit vielen Jahren auch die Gesundheitskurse“, sagt Beckstette. Immer mehr Menschen würden dabei einen Ausgleich zu ihrer meist sitzenden Arbeit am Schreibtisch suchen. „Auch Angebote, die sich mit Stressbewältigung und Burnout-Prävention beschäftigen, werden gut gebucht.“ 

Berufliche Weiterbildung mit Zertifikat

Ein zentrales Thema ist laut Beckstette die berufliche Weiterbildung. „Die Menschen sind heuteselbstbewusster und nehmen ihre berufliche Karriere in die eigene Hand“, weiß der VHS-Leiter, der auf die wachsende Zahl der Freiberufler und Selbstständigen am Arbeitsmarkt verweist. Am Ende soll es dann nicht nur eine Teilnahmebestätigung geben, sondern ein Zertifikat, für das eine Prüfung erforderlich ist und das beispielsweise bei Bewerbungen um Aufträge oder eine Stelle einen Pluspunkt bietet.

„Dieses bundesweite, standardisierte Lehrgangssystem nennt sich Xpert“, erklärt der Geschäftsführer der Leine-VHS. „Wir haben es bereits für den kaufmännischen Bereich eingeführt. Seit Februar sind Soft Skills dazugekommen.“ Dazu zählen zum Beispiel individuelle Kompetenzen wie Rhetorik oder Zeitmanagement. „Wichtig bleibt für uns dabei immer, dass gute Bildung für jedermann angeboten wird.“

Nicht zuletzt bietet die Leine-VHS auch für Unternehmen relevante Themen wie zum Beispiel Business Englisch an. „Hier müssen wir noch stärker im Marketing werden und klarmachen, wo unsere Stärke liegt, nämlich bei der großen fachlichen Kompetenz unserer Dozenten.“

Neue Medien im Programm

Bei der VHS Hannover-Land  (www.vhs-hannover-land.de) mit Standorten in Neustadt, Wunstorf, Garbsen, Burgwedel und der Wedemark sind die Integrations- und Gesundheitskurse ebenfalls sehr gefragt. „Auch die Anwendung Neuer Medien wird ein immer wichtigeres Thema“, sagt Martina Behne. Die Geschäftsführerin sieht durch die veränderte Lebens- und Arbeitswelt aber auch eine organisatorische Herausforderung: „Die Menschen haben häufig nicht mehr die Zeit, Bildungsangebote über Wochen hinweg regelmäßig wahrzunehmen. Wir wollen deshalb in Zukunft mehr kürzere Einheiten im Programm haben“, erläutert sie.

„Außerdem sind wir gerade dabei, erste Angebote mit Unterstützung der vhs-Cloud, die bundesweit zur Verfügung steht, zu entwickeln. Teilnehmende können dort künftig Arbeitsunterlagen herunterladen und zeitlich flexibler lernen.“ Auch der Dozent, der für Lehreinheiten auf dem Rechner zugeschaltet wird, sei eine Option.

„Wichtig ist für uns, dass wir die Bedürfnisse der Menschen kennen, neue Trends aufspüren und darauf reagieren.“ Das schließe auch die Arbeitswelt ein. „Wir bieten für Unternehmen und ihre Mitarbeiter bereits Kurse an, die konkret auf deren Anforderungen zugeschnitten sind. Das umfasst zum Beispiel Themen wie Teamentwicklung, Buchführung und Datenschutz.“ Dieses Angebot soll weiter ausgebaut werden.