Schule geht auch international

Foyer der International School Hannover Region: Schulbildung für die Herausforderungen von morgen und übermorgen.

ISHR: Schule geht auch international 

Unterricht von vorn, veraltete Technik, kein Bock auf Schule – dass es auch anders gehen kann, zeigt die International School Hannover Region (ISHR). Mit modernster Ausstattung lernen Schüler aus 60 Nationen gemeinsam projekt- und methodenorientiert für die Zukunft. Gratis ist diese hochklassige Ausbildung allerdings nicht.

Autorin: Garmin Wendt

600 Schüler aus 60 Nationen

Zentral und doch ruhig – bis auf wenige Tage im Jahr – liegt die International School Hannover Region (ISHR) direkt neben dem Schützenplatz in Maschseenähe. Rund 600 Schüler werden hier ausgebildet, vor allem Kinder von Fachkräften, die von den großen hannoverschen Unternehmen aus dem Ausland angeworben wurden. Nachdem man sich am Empfang in die Besucherliste eingetragen hat, gelangt man durch den kreisförmigen Innenhof in den Lehrertrakt und in das Büro von Stephan Handwerker, dem Managing Director der Schule. Er ist der Schulleiter für alle nicht schulischen Angelegenheiten – Personal, Finanzen, Marketing. „Klassische Geschäftsführeraufgaben“, sagt er.

Englisch ist Unterrichtssprache

Unterrichts- und Verkehrssprache an der ISHR ist Englisch, der Abschluss ist der International Baccalaureate (IB), eine international anerkannte Studienberechtigung. Etwa ein Drittel der Schüler sind Deutsche. „Das ist auch so gewollt“, sagt Handwerker, „die internationalen Schüler sollen ja auch die deutsche Kultur kennenlernen, während sie hier sind.“ Die deutschen Eltern bevorzugen einfach den IB-Lehrplan, glaubt er: „Die sozialen Kompetenzen, die im Vordergrund stehen, die interkulturellen Kompetenzen, die teilweise ganz nebenbei beim Spielen auf dem Schulhof entstehen, und auch die Methodenkompetenzen, die hier vermittelt werden, überzeugen die Eltern.“

Schüler lernen problemorientiert

Design Thinking: Sozialkompetenz und kreative Problemlösungsmethoden von klein auf.

Der Lehrplan der Schule wird von der International Baccalaureate Organization erstellt und regelmäßig aktualisiert. Dabei ist Frontalunterricht eher die Ausnahme, sagt Handwerker. „Dieses klassische Auswendiglernen auf Vorrat ist ja heute gar nicht mehr nötig.“ Jedes Wissen sei nur ein paar Mausklicks entfernt. Viel wichtiger sei es daher, Methoden und Problemlösungsansätze zu lehren. Schon in der ersten Klasse wurden kürzlich die Kinder vor ein Problem gestellt, das sie nach der „Design Thinking“-Methode gemeinsam lösen sollten. Es ging um die Barrierefreiheit der Schule, ihre Verbesserungsansätze wurden tatsächlich umgesetzt. „Diese Schüler geben so schnell nicht wieder auf, wenn es irgendwo ein Problem gibt, weil sie dieses Erfolgserlebnis gehabt haben, dass es etwas verändert, wenn man sich engagiert“, ist Handwerker überzeugt. Natürlich würden auch fachliche Inhalte in Sprachen, Mathematik oder Naturwissenschaften vermittelt. Die Ausstattung ist modern, es gibt einen Maker Space und ein Roboterlabor, jeder Schüler muss ein MacBook anschaffen, mit dem gearbeitet wird.

MacBook: Digitalisierung im Unterricht ist selbstverständlich.

In privater Trägerschaft

Obwohl die Schule vor gut 20 Jahren von hannoverschen Unternehmern gegründet wurde, gebe es keine finanziellen Verpflichtungen an die Konzerne, sagt Handwerker. „Wir sind in privater Trägerschaft mit zwölf Anteilseignern, darunter die Firmen Bahlsen, Continental, Talanx, VW Nutzfahrzeuge, Deutsche Messe, NordLB. Also Unternehmen, die daran interessiert sind, ausländische Führungskräfte nach Hannover zu bekommen. Für die sind wir ein wichtiger Standortfaktor in Hannover.“ Eine Zusammenarbeit gebe es vor allem über Projektarbeiten und AG’s, die von Unternehmen unterstützt werden. Vom Land Niedersachsen bekommt die ISHR eine Förderung als Ergänzungsschule, der Rest finanziert sich über das Schulgeld.

Maker Space: Learning by Doing – mit Spaß bei der Sache.

Ohne Schulgebühren funktioniert das Schulkonzept nicht

Die Schulgebühren für die ISHR liegen zwischen knapp 9000 Euro pro Jahr im Kindergarten und gut 15.000 Euro pro Jahr für die Abschlussklassen 11 und 12. Eine komplette Schullaufbahn vom Kindergarten bis zum IB kostet hier rund 200.000 Euro. Als elitär möchte die Schule trotzdem nicht gelten: „Es gibt ein umfangreiches Schulgeld-Ermäßigungsprogramm, das momentan ungefähr 80 unserer Schüler in Anspruch nehmen“, sagt der Geschäftsführer. Dafür weisen die Eltern ihr Nettoeinkommen aus und können dann zwischen 10 und 90 Prozent des Schulgelds erlassen bekommen. Der verbleibende Betrag sei allerdings vielen Familien noch immer zu hoch. „Das ist dann eine Frage der Lebensauswahl, welche Choices ich treffe – wo möchte ich mein Geld investieren?“, sagt Handwerker. „Wir sind überzeugt: Die beste Investition ist die Zukunft unserer Kinder.“