Gemeinsam gegen Cybermobbing

Gemeinsam gegen Cybermobbing

Erich Kästner Gymnasium sensibilisiert zum Hinschauen

Jeder sechste 15-Jährige in Deutschland wird regelmäßig Opfer von Mobbing. Zu diesem erschreckenden Urteil kam die Pisa-Studie 2017. Cybermobbing nimmt dabei einen immer größeren Raum ein. Das Erich Kästner Gymnasium in Laatzen geht mit Gewaltpräventionsprojekten gegen Ausgrenzung und Mobbing vor.

Autorin: Janina Scheer

Mobbing endet nicht an der Haustür

„Wir sprechen von Mobbing, wenn jemand über einen längeren Zeitraum bewusst ausgegrenzt wird“, erklärt Patricia Attermeyer, Lehrerin am Erich Kästner Gymnasium. Längst spielt sich dieses Gewaltphänomen nicht mehr nur auf dem Pausenhof oder dem Schulweg ab. Durch das Internet und soziale Netzwerke dringt Mobbing bis ins Kinderzimmer vor und damit bis zum persönlichen Rückzugsort der Betroffenen. „Das sogenannte Cybermobbing ist durch die räumliche und auch zeitliche Unbegrenztheit unkontrollierbar“, so Attermeyer.

Mobbing durch Smartphone-Nutzung

Das Laatzener Gymnasium geht offensiv mit diesem Thema um. Anneliese Schmidt, stellvertretende Schulleiterin, sagt: „Wir wollen eine Sensibilisierung und kritisches Bewusstsein für den Umgang mit dem Gewaltphänomen erreichen.“ In einem dreitägigen Workshop für die Jahrgänge 8 und 9 steht deshalb regelmäßig das Thema Gewalt durch Mobbing im Fokus. Diskussionsrunden, Rollenspiele und Kunstprojekte sind dabei wichtige Inhalte. „Aus unserer Erfahrung sind diese Jahrgänge besonders mit dem Thema belastet“, sagt Attermeyer. Die ersten Berührungspunkte mit Mobbing im Internet ergeben sich jedoch meist schon viel früher. „Mit dem Wechsel auf das Gymnasium bekommen viele Fünftklässler ihr erstes Smartphone und damit ständigen Zugang zum Internet“, berichtet die Jahrgangsstufenleiterin der Klassen 5 und 6.

Wie entsteht eigentlich Cybermobbing?

Ein Schulwechsel und neue Mitschüler bedeuten, dass die Jugendlichen sich neu positionieren und ihren Platz in der Klassengemeinschaft finden müssen. Dabei kann es zu Konflikten untereinander kommen. „In sozialen Medien oder über Messengerdienste fällt es leichter, andere verbal zu verletzen“, führt Attermeyer aus. Betroffene Schüler würden unterschiedlich reagieren, heißt es bei den Lehrkräften. Schmidt sagt: „Manche ziehen sich komplett zurück, andere vertrauen sich einem Lehrer an.“

Reden statt Schweigen

Für die stellvertretende Schulleiterin ist das der richtige Weg. „Der Schüler muss das Problem thematisieren“, betont sie. Das Erich Kästner Gymnasium hat dafür zahlreiche Ansprechpartner. „Die Klassenlehrer sind oft die erste Anlaufstelle“, so Schmidt. Wichtig sei es, schnell zu reagieren – am besten noch am selben Tag. Zur Klärung des Konflikts stehen Opfer und Täter ausgebildete Mediatoren, Beratungslehrer, ein Medienteam und die Schulleitung zur Seite. „Wir erzielen damit große Erfolge“, betont Schmidt, „wir haben durch unsere Präventivmaßnahmen insgesamt nur wenige Konflikte an unserer Schule.“

Sozialtraining und Verhaltensregeln

Um den Schülern das Ankommen an dem Gymnasium in Laatzen so angenehm und unkompliziert wie möglich zu gestalten, wird die Klassengemeinschaft gezielt gestärkt. Die Fünftklässler starten mit einer dreitägigen Kennenlernfahrt. „Danach beginnen wir mit den Sozialtrainings“, berichtet Attermeyer. Dabei erarbeiten die Schüler Verhaltensregeln für ein respektvolles Miteinander und gegenseitige Toleranz. „Diese Regeln helfen, dass niemand zum Außenseiter wird“, führt die Lehrerin aus.

Unterstützung von Polizei und Kirche

Das Erich Kästner Gymnasium ist stolz auf das dichte Netz von Partnern, die sich gegen Mobbing einsetzen. „Bei unseren Gewaltpräventionsprojekten holen wir uns Unterstützung von Polizei und Kirche“, erklärt Schmidt. Die Lehrkräfte werden in Fortbildungen für Cybermobbing als besondere Herausforderung der Digitalisierung fit gemacht. Schnelles Handeln bei Konflikten und eine intensive Präventionsarbeit bilden für Schmidt das starke Fundament für eine innerschulische Wohlfühlatmosphäre. Sie ist sich sicher: „Wo man sich wohlfühlt, findet weniger Gewalt statt.“

Fotoslideshow

Bilder vom Projekt "Gewalt hat viele Gesichter" des Erich Kästner Gymnasium zum gewaltfreien Umgang in der Schule vom September 2018; unterstützt von der Ev.-luth. Landeskirche Hannover und dem Ev.-luth. Kirchenkreis Laatzen-Springe.
Fotos: Erich Kästner Gymnasium