Foto: Frank Nürnberger

Ziemlich beste Lehrer

Lehrer sind nicht unsere Freunde. Dennoch prägen sie unser Leben mitunter entscheidend im Guten wie im Schlechten. Was macht aber eigentlich einen guten Lehrer aus? Wir fragen zunächst Hendrika van Waveren, Biologie- und Englischlehrerin am Erich Kästner Gymnasium in Laatzen und Preisträgerin der Stiftung NiedersachsenMetall 2017.

Autor: Oliver Züchner

Gute Bildung für alle

Foto: privat - Jens Krohn

Hendrika van Waveren (65). Sie wurde 2017 von der Stiftung NiedersachsenMetall ausgezeichnet, vor allem für das LifeScience-Schülerlabor, das sie in Kooperation mit der Leibniz Universität seit 2009 aufgebaut hat. Das Labor bietet den Jahrgangsstufen 10 bis 13 der Region Hannover flächendeckenden Zugang zu Methoden der Biotechnologie.

„Nicht jeder Lehrer passt zu jedem Schüler und umgekehrt. Darum ist es wichtig, dass ein Kind unterschiedliche Lehrerpersönlichkeiten und Arten zu unterrichten erlebt.“ Aber wie wird man ein guter Lehrer? „Dafür gibt es kein Patentrezept, so wenig wie für die Kindererziehung.“ Und was müssen gute Lehrer können? „Sie schaffen einen Rahmen, in dem Kinder erfahren, dass sie Entscheidungsmöglichkeiten haben. Sie befähigen Kinder, Sachen selbst in die Hand zu nehmen.“

Die Pädagogin weiß, wie schwer das umzusetzen ist. „Öffentliche Schulen müssen finanzierbar bleiben, damit gute Bildung für alle zugänglich ist“, sagt sie. Sie selbst fand ihre eigene Schulzeit zu starr. „Sie hielt mich ab von Dingen, die ich wissen wollte.“ Das liegt am System. „Eigentlich käme niemand auf die Idee, 25 Leute in eine Klasse zu stecken, um komplizierte Dinge zu lernen.“ Aber da Kleingruppen utopisch sind, bleibt nur der Kompromiss – auf möglichst hohem Niveau.

Vieles habe sich schon verbessert. Bei der Motivation der angehenden Lehrer, aber auch bei der Lehrerausbildung. „Sie sind schon während des Studiums viel häufiger in der Schule als zu meiner Zeit.“ Aber, sagt van Waveren, der Austausch mit Kollegen werde nicht gefordert und nicht gefördert. „Läuft es schlecht, ist man als Lehrer einsam. Man muss alles mit sich abmachen. Vor allem an den Gymnasien.“ Sie plädiert für mehr Feedback durch Kollegen.

„Seit über 25 Jahren arbeite ich in einem bilingualen Netzwerk. Weil Lehrmaterialien fehlten, haben sich die Kollegen gegenseitig ohne Prüfungsstress im Unterricht besucht und gemeinsam Unterricht entwickelt. Das ist effektiv. Bleibt die Frage, ob sich Vater Staat Zeit und Geld für solche intensive, kollegiale Zusammenarbeit für alle Fächer leisten kann und will.“

Foto: Frank Nürnberger

Preisverleihung der Stiftung NiedersachsenMetall 2017.

Authentisch bleiben

Jens Krohn (48). Er ist einer von 15 Trägern des Deutschen Lehrerpreises 2017 des Philologenverbandes. Nominiert wurde Krohn von Schülern, die seine fachliche Kompetenz, den abwechslungsreichen Unterricht und die individuelle Förderung hervorhoben.

Und wie sieht das Jens Krohn? Dank seiner Schüler erhielt er 2017 den Deutschen Lehrerpreis. Er unterrichtet Biologie und Deutsch, bislang an der IGS Roderbruch, jetzt an der KGS Gronau. Wichtig ist ihm Authentizität. „Die darf man sich durch Vorgaben und Lehrpläne nicht nehmen lassen“, sagt er. „Wenn ich mit Schülern ein Buch bespreche, muss ich sie spüren lassen, was mich selbst berührt. Dann merken sie: Das ist nicht nur wichtig für die Prüfung. Das sagt mir selbst etwas.“

Mit dieser Einstellung lässt sich auch schwere Lernkost vermitteln. „Faust kämpft darum, dem eigenen Leben einen Sinn zu geben. Das ist so spannend, dass es Schüler mitziehen kann.“ Auch Biologie und Naturwissenschaften ließen sich anders vermitteln, wenn sie über Menschen und ihre Geschichten erzählt würden, sagt Krohn. „Es geht nicht nur darum, die DNA zu erklären. Sondern auch zu erzählen, wie Watson und Crick sie entschlüsselten – mit der Hilfe der Biochemikerin Rosalind Franklin, deren Leistung zu Lebzeiten nie entsprechend gewürdigt wurde."

Wissen durch die eigene Person und durch Geschichten von Menschen lebendig machen: So könnte man Krohns Rezept in einem Satz zusammenfassen. Bleibt die Frage, ob die Lehrerausbildung das leisten kann. Krohn ist skeptisch. „So wie sie jetzt in Deutschland läuft, ist sie kontraproduktiv. Für viele Referendare ist sie die schrecklichste Zeit ihres Lebens“, kritisiert er.

Das liegt an einer mangelnden Eignung und Einstellung der Lehrer. „Einerseits wird Unterricht zu oft überkritisiert, andererseits lernen die angehenden Lehrer, wenige Übungsstunden perfekt vorzubereiten. Wie sie aber 24 Lehrstunden in der Woche gut und effektiv zugleich vorbereiten und geben sollen, das wird ihnen nicht vermittelt", kritisiert er. „Es tut mir weh zu sehen, wie häufig Referendare während der Ausbildung ihre Motivation verlieren und illusionslos in die Schule wechseln.“

Foto: Frank Nürnberger

Verleihung des Deutschen Lehrerpreises 2017.