„ÜberMorgen“ in Burgdorf

Foto: Küstner

„ÜberMorgen“ in Burgdorf

Die vierte von fünf „ÜberMorgen“-Veranstaltungen fand am 20. September in der BBS Burgdorf statt. Sie nennt sich selbst ein innovatives Kompetenzzentrum, das seine Schüler fit machen möchte. Zahlreiche Gäste waren in die BBS Burgdorf gekommen, um bei der Diskussionsrunde über die Themen „Bildung“, „Generation Z“ und „Chancengerechtigkeit“ zu sprechen. Unsere Highlights.

Autorin: Kathrin Symens

Bildung

Jens Bratherig, Vorstand der Sparkasse Hannover, erläuterte seine Erfahrungen zum Thema Bildung. „Lernen ist keine Privatsache“ – das gilt auch für den Vorstand der Sparkasse Hannover. Wir wollen mit den Entwicklungen selbstverständlich mithalten, vielleicht auch mal Dinge spielerisch ausprobieren“, sagte Jens Bratherig. Er macht sich keine Illusion: Wer die digitale Transformation meistern möchte, muss alle mitnehmen. Vor oder hinter dem Schalter. So dürfen beispielweise alle Mitarbeiter ihr iPad ausdrücklich auch privat nutzen.

Frühkindliches Lernen

Birgit Meinig hat vor zwei Jahren die pädagogische Leitung für 10 Kindertagesstätten übernommen, die sich seitdem in Trägerschaft des Kirchenkreises Burgdorf befinden. Die Pädagogin ist zudem ehrenamtlich als Ortsbürgermeisterin von Ramlingen-Ehlershausen und Ratsfrau der Stadt Burgdorf tätig. Die Gestaltungsmöglichkeiten in Bezug auf frühkindliche Bildungsarbeit sieht sie als große Herausforderung und Chance. Birgit Meinig setzt auf den Entdeckerdrang der Kinder beim Lernen. „Neugier funktioniert mit allen Sinne“ – solche Aspekte möchte Meinig nicht nur in den Kitas, sondern auch den Eltern ins Bewusstsein rücken. Die pädagogische Leiterin begrüßt sehr, dass frühkindliche Bildung in den Fokus rückt. „Sprache ist der Schlüssel zur Welt.“ Für Meinig tickt auch hier längst die Uhr: Nicht nur Talent will früh entdeckt werden, sondern auch der Förderbedarf eines jeden Kindes. „Digitalisierung darf kein Ersatz werden für sinnliches Lernen“, forderte Birgit Meinig in der Diskussionsrunde.

Lernen von Hühnern

Stefanie Haller ist Leiterin der Grundschule Engelbostel. Sie sprach zu der Idee des Hühnermobils bzw. darüber, dass das Hühnermobil so viel Begeisterung ausgelöst hat, dass sich die Schule anschließend selber Hühner angeschafft hat. Die Grundschule hatte sich wie viele andere Schulen auch darum beworben, das Hühnermobil bei sich zu haben: Sie war 2017 die erste Grundschule, hat also das Projekt bereits ganz am Anfang erlebt. Die Kinder gewinnen Respekt vor der Natur, lernen den Umgang mit den Tieren - und warum ein günstiges Ei im Supermarkt ein schlechtes Geschäft ist. Die eignen Hühner der Grundschule, leben im Schulgarten im Innenhof. „ Wir haben ganz ruhige Hühner, die nicht über den Zaun flattern“, erzählte Stefanie Haller. Die Hühner haben ganz unterschiedliche Farben. „Eine Sorte legt hellgrüne Eier!“ berichtete Stefanie Haller. Die überraschendste Erkenntnis für Haller?“ Dass viele Kinder den Begriff ‚scharren' nicht mehr kannten.“ Und wie aufregend es sein kann, ein frisch gelegtes, noch warmes Ei in den Händen zu halten. Dabei lernen die Kinder, ohne dass sie es merken: Wann Vorsicht geboten ist oder dass langsames Laufen hilfreich sein kann. Kinder lernen Verantwortung, Empathie und Geduld.

Ausbildung im Verbund pro regio e.V.

Yvonne Salewski, dipl-Pädagogin, Geschäftsführerin „Ausbildung im Verbund pro regio e.V“

Es ist ein gemeinnütziger Verein und Zusammenschluss von aktuell 22 Unternehmen und Kommunen. Ziel des seit 2001 bestehenden Vereins: Unterstützung von kleinen und mittleren Betrieben in Ausbildungs-fragen, auch bei der Bewerbersuche. „Früher standen Bewerber Schlange, heute müssen sich die Betreibe mühen, um jemanden zu finden,“ berichtete Salewski. Weiterhin sagte sie:“ Wer halbwegs gut in der Schule ist, will studieren. Wer schlecht ist in der Schule, der fühlt sich auch so.“ Eine besondere Heraus-forderung ist die Vermittlung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Hier hilft die KAUSA Servicestelle. Sie ist eine von 30 Servicestellen bundesweit, die daran arbeitet, die Ausbildungsbeteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund zu erhöhen – sowohl auf Seite der Unternehmen als auch auf Seite der Jugendlichen. „ Jugendliche mit Migrationshintergrund finden weniger leicht eine Ausbildungs-platzt. Das klappt aber gut wenn Jugendliche und Betriebe sich einfach mal kennenlernen,“ so Salewski.

BBS Burgdorf

Reiner Behrend ist Schulleiter der Berufsbildenden Schulen Burgdorf mit Schwerpunkt Fahrzeugtechnik. Er war zwölf Jahre im Nahen Osten in der Entwicklungshilfe tätig, kam 2016 zurück. Vor seinem jetzigen Posten war er stv. Schulleiter an der Multimediaschule Hannover. Nach seinen Worten ist die Digitalisierung in der Landwirtschaft weiter als im Straßenverkehr. „Es fänden sich in den Landmaschinen deutlich mehr Messinstrument und Steuerungstechniken“, erläuterte Behrend. Buchstäbliche Entwickler sind heute schon seine Schüler: Mit einem Sensor-Projekt wurden fünf Schüler der BBS Burgdorf für den Gründerpreis nominiert. Statt eines Schraubendrehers haben die Auszubildenden einen Computer in der Hand. Das klingt ganz natürlich für diese Generation – und ist doch gefährlich. „Die Kommunikationskompetenz geht verloren“, mahnt Behrend. „Portale wie Youtube liefern eine Informationsflut, der die Neugier zum Opfer fällt.“ Wozu sich noch selbst auf Entdeckungsreise begeben, wenn einem das Internet sowieso alles sofort verrät? Behrend wünscht sich hier vor allem mehr Unterstützung von den Eltern.

Offene Hochschule Niedersachsen

Monika Hartmann-Bischhoff, Geschäftsführerin der Servicestelle Offene Hochschule Niedersachsen. Die Einrichtung steht für ein Konzept, dass propagiert, sich auch während der Berufstätigkeit weiter zu qualifizieren: durch Zertifikate, die man berufsbegleitend an Hochschulen erwirbt, durch ein berufsbegleitendes Studium oder auch durch die Möglichkeit, ohne Abitur zu studieren. Dafür gilt das Prinzip 3 + 3 = drei Jahre Ausbildung, danach drei Jahre in dem erlernten Beruf gearbeitet, das ist die Voraussetzung, um auf derselben fachlichen Schiene ein Studium draufzusatteln (kurz gesagt: Ein Techniker ohne Abitur kann ein Ingenieursstudium anfangen, aber kein Medizinstudium). Die Servicestelle der Offenen Hochschule Niedersachsen hat ihre Arbeit 2013 aufgenommen, Ende 2018 wird die Servicestelle geschlossen. Die Offene Hochschule Niedersachsen existiert natürlich dennoch weiter, wird aber strukturell anders aufgestellt.

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