„ÜberMorgen“ am Hannover-Kronsberg

„ÜberMorgen“ am
Hannover-Kronsberg

Die letzte Veranstaltung in der Reihe „ÜberMorgen“ fand am 27. September im Stadtteilzentrum KroKus in Hannover-Kronsberg statt. Im Rahmen der Themenschwerpunkte „Chancengleichheit“, „Generation Z“ und „Bildung digital“ wurde auch über frühkindliche Bildung gesprochen, über das Lernen bei Jugendlichen, lebenslanges Lernen und welche Rolle die Technik dabei spielen kann.

Autorin: Kathrin Symens

Kompetenz durch Weiterbildung bei der Sparkasse

Bevor die Referenten ins Thema einsteigen, begrüßt Moderator Jan Sedelies Sparkassen-Vorstandsmitglied Marina Barth auf dem Podium. Bankgeschäfte per Videochat, elektronische Postfächer oder die Überweisung von Geld per SMS – für das Unternehmen und seine Kunden sind das bereits Selbstverständlichkeiten. Doch auch das Engagement in Bildungsprojekte hält Barth für wichtig – etwa „Clever kochen“: Dabei kommt eine mobile Küche in die Schule, wo die Schüler ernährungsbewusst kochen lernen. Aber: Lernen sei keine Privatsache, meint sie: „Es ist eine Notwendigkeit, sich neues Wissen anzueignen“.

Lerncoaching und Inklusion

Hedwig Gebbeken, Lerncoach und systemische Therapeutin, ist der erste Gast auf der Bühne. Sie hat den Unterricht an verschiedenen Gesamtschulen als Coach begleitet und ist auch für Inklusion zuständig. Die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten findet sie wunderbar – doch sie sieht auch die Gefahren: „Durch die neuen Medien sind die Kinder auf schnelle Taktung des Aufmerksamkeitswechsels trainiert.“ Dabei würden die erforderlichen neurophysiologischen Grundlagen nicht mehr ausgebildet. Will heißen: Lernen braucht Zeit. Gebbeken berichtet über ihre Arbeit als Lerncoach, bei der sie mit dem Kind individuelle, beinahe automatisierte Strategien entwickelt, die auch unter schwierigen Lernbedingungen wie in der lauten trubeligen Schule funktionieren. Aber auch das Vertrauen zwischen Lehrer und Schüler/in ist dabei wichtig. Und die Eltern spielen eine große Rolle: Sie erlebt Gebbeken oft stark verunsichert und überängstlich: „Es wird zu wenig aus dem Bauch heraus entschieden.“

Chancengleichheit und Forschergeist

Gleich zwei Gäste begrüßt Jan Sedelies beim zweiten Themenkomplex: Arne Bungeroth ist ehemaliger Kita-Leiter und leitet jetzt die Kinder- und Jugendhilfe in Laatzen. Für ihn beginnt die Chancengleichheit schon im Kindergarten: Dazu hat er an der Kita an der Masch ein ungewöhnliche Projekt ins Leben gerufen, das den Schwerpunkt auf die vorurteilsfreie Bildung und Erziehung setzt. Dabei geht es vor allem darum, den Kindern Wertschätzung entgegenzubringen, sie als Individuum wahrzunehmen. Als sogenannte Konsultationskita soll die Einrichtung künftig auch Erzieher anderer Kitas bei ihrer Weiterbildung unterstützen. Für Hendrika van Waveren, die als Englisch- und Biologielehrerin am Erich-Kästner-Gymnasium bilingual lehrt, ist die Vermittlung auch von schwierigen, wissenschaftlichen Themen eine Herzensangelegenheit. In dem von ihr initiierten Schülerlabor LifeScienceLab werden komplexe Vorgänge der Biotechnologie „zum Anfassen“ demonstriert. So wird das Interesse bei den Schülern für die Wissenschaft geweckt. Vertieft wird das in den Forscherwochen, die während der Ferienzeit angeboten werden. Für ihr Engagement ist sie von der Stiftung NiedersachsenMetall ausgezeichnet worden.

Ausbildung – attraktiv und zielgerichtet

Früher standen Bewerber um Ausbildungsplätze Schlange, heute müssen die Betriebe um Bewerber buhlen: Davon weiß Yvonne Salewski, Geschäftsführerin beim Verein „Ausbildung im Verbund pro regio“ zu berichten. Als Zusammenschluss von 22 Unternehmen und Kommunen steht der Verein seit 2001 vor allem kleinen und mittleren Betrieben in Ausbildungsfragen und bei der Bewerbersuche zur Seite. Die Ausbildung hat keinen guten Stand: „Wer halbwegs gut ist in der Schule, will studieren. Wer schlecht ist in der Schule, fühlt sich auch so“, sagt Yvonne Salewski, die dabei unterstützen will, die Jugendlichen fit für die Betriebe zu machen. Um Jugendliche und Betriebe zusammenzubringen, hat der Verein ein breit gefächertes Programm entwickelt: Es reicht vom niederschwelligen Erfahrungsaustausch bis zur „Langen Nacht der Berufe“. Gezielt auf Jugendliche mit Migrationshintergrund zielt ihre Arbeit in der KAUSA Schnittstelle Hannover ab: Die Vermittlung der jungen Migranten erfordert gesonderte Beratungen und Unterstützung, für die die Schnittstelle unterschiedliche Angebote entwickelt und koordiniert.

Robotergestütztes Training

Weit in die Zukunftstechnologie von „übermorgen“ gerichtet ist der Blick von Jens Kotlarski, Geschäftsführer der forward ttc GmbH. Das Unternehmen ist eine Uni-Ausgründung und beschäftigt Maschinenbauer, Elektrotechniker, Mechatroniker und Informatiker. Ein besonderer Service des Unternehmens, das auf Roboter-Entwicklung setzt, ist das Angebot von Weiterbildungskursen zum Thema Robotik/Automatisierung. Dafür hat forward ttc jetzt ein Robotik-Schulungszentrum in Hannover in Betrieb genommen, das Virtual Reality (VR) nutzt. Per VR-Brille werden komplexe Zusammenhänge „greifbar“ gemacht - so kann auch via Internet überall und nachhaltig gelernt werden, wo es einen Zugang zum Internet gibt. Das spart Kosten und Zeit, und die Schüler behalten das Gelernte auch besser.

Weiterbildung digital unterstützt

Jürgen Beckstette ist seit einem halben Jahr Geschäftsführer der Leine VHS und Profi im Zusammenspiel von IT und Weiterbildung: Denn zuvor hat er in einem IT-Unternehmen in Nordrhein-Westfalen die Weiterbildung der Mitarbeiter organisiert. Auch in der Volkshochschule geht es ihm um digital gestützte Weiterbildungsangebote, etwa Webinare oder berufsorientierte Angebote im Computerbereich, aber insbesondere auch das Erreichen jüngerer Zielgruppen im Bereich „Karriere und digitales Leben“.

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