7 Fragen an
MrWissen2go


Mirko Drotschmann über Bildung:

7 Fragen an MrWissen2go

Autorin: Prem Lata Gupta

Was muss sich an der Didaktik ändern, damit Schüler auch künftig gerne lernen?

Runterrattern von gelerntem Wissen ist, denke ich, in der heutigen Zeit nicht mehr so wichtig. Zahlen und Fakten lassen sich fast überall zu jederzeit in Sekundenschnelle abrufen. Ich halte es für wichtig, Zusammenhänge zu verstehen und diese wiedergeben zu können. Genau darauf sollte Didaktik abzielen: Ein Lehrer sollte ein guter Moderator sein, der selbst Ahnung hat und seine Schüler anleitet, sich Wissen anzueignen und zu verarbeiten.

Warum hat Wissen2go so großen Erfolg?

Die Welt wird zunehmend komplexer. Ich versuche, auf meinem Kanal Dinge so runterzubrechen, dass man sie verstehen kann. Ich glaube, gerade junge Menschen haben in dieser Hinsicht ein Bedürfnis: Wenn sie zum Beispiel etwas über den Ersten Weltkrieg erfahren wollen und dann im Internet auf die Standardseite Wikipedia gehen, werden sie erschlagen von der Masse an Informationen. Da versuche ich anzusetzen. Es ist auch weniger mühsam, ein Video noch mal anzuschauen oder einfach zurückzuspulen, als einen umfangreichen Text mehrfach zu lesen.

Was wissen Sie über Ihre Nutzer?

Durch Google weiß ich, dass ein großer Teil der Zuschauer zwischen 18 und 34 Jahre alt ist, wobei die unter 18-Jährigen bestimmt nicht richtig abgebildet werden. Diese Nutzer machen sich oft älter, als sie wirklich sind, um Videos mit Alterseinschränkung sehen zu können. Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Zuschauern liegt bei 70 bis 80 Prozent zu 20 bis 30 Prozent. Das ist vom Thema abhängig. Die Nutzer kommen tendenziell aus höheren Bildungsschichten, es sind wenige Schulabbrecher dabei.

Gibt es so etwas wie ein Geheimrezept, um eine komplizierte Materie knackig und verständlich aufzubereiten?

Jeder hat seine eigene Methode: Ich eigne mir im Vorfeld viel Wissen an durch Recherchen, durch Lesen, durch Gespräche. Ich bemühe mich, das alles im Kopf zu behalten und nichts aufzuschreiben in dieser Phase, um dann alles auszupressen wie eine Zitrone, was in meinem Kopf ist. Was hängen geblieben ist, ist die Essenz. So kann ich komplexe Zusammenhänge auf das Wesentliche runterkürzen. Ich habe gerade ein Video über die NATO gemacht, da könnte man auch drei Stunden drüber reden - aber das schaut sich keiner an.

Welches Thema hat Ihnen bisher am meisten Arbeit gemacht?

Das sind oft Themen, die einen naturwissenschaftlichen Hintergrund haben, muss ich zugeben. Darin war ich in der Schule selbst nicht so gut. Wenn es etwa in Richtung Physik geht oder Informatik, Chemie, dann sitze ich lange da und muss mir viele Ratschläge von Leuten holen, die sich damit auskennen. Ich bereite gerade ein Video vor zu der Frage „Wem gehört das Internet?“ Da muss ich schon kämpfen. Am leichtesten fallen mir Beiträge mit einem politischen oder historischen Hintergrund.

Wie eignen Sie als Lehrender selbst sich Wissen an?

Es gibt ja sehr verschiedene Methoden oder auch Lernertypen. Ich bin mehr audio-visuell eingestellt. Ich nutze gerne Videos, Podcasts. Beim Bügeln schaue ich mir Dokumentationen oder Bundestagsdebatten an. Für meine beruflichen Recherchen nutze ich natürlich auch Literatur, privat aber eher selten. Wenn Bücher, dann lieber Hörbücher.

Was ist Ihre persönliche Definition von Bildung?

Im Wort Bildung steckt ja auch das Bild: Man muss ein Bild bekommen von etwas - und dann versteht man es im besten Falle auch. Das ist für mich das Wichtigste an Bildung: Dass man etwas vermittelt bekommt, was man versteht. Also im Bilde ist.