Die Zukunft der Uni-Medizin in Hannover?

Die Zukunft der Uni-Medizin in Hannover?

In den Planungsprozess für den beschlossenen Neubau der Medizinischen Hochschule in Hannover (MHH) soll eine spektakuläre Idee miteinbezogen werden: der autofreie Campus.

Von Christian Bärmann

Die besten Köpfe nach Hannover bringen

Die erfolgreiche Gestaltung der Zukunft lebt von Visionen. Nicht zuletzt auch in der Medizin. Deren Zukunft werde ganz wesentlich dadurch entschieden, „die besten Köpfe an die Unimedizin zu bekommen“, sagt Prof. Dr. Hans-Jochen Heinze, Leiter der neurologischen Universitätsklinik Magdeburg und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Universitätsmedizin Niedersachsen, der vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium für die beiden Mega-Bauprojekte der Unikliniken in Hannover und Göttingen einberufen wurde. Schon deswegen sei ein Neubau der MHH – anstelle der Sanierung des in die Jahre gekommenen Gebäudemolochs – alternativlos, so der Beirat.

„Gerade in den Bereichen Immunität, Transplantation und biomedizinische Implantate ist Hannover international hervorragend aufgestellt. Diese Bereiche sind nicht nur für die medizinische Versorgung der Bevölkerung wichtig, sondern auch zukunftsweisend für diesen Industriestandort“, betont Heinze, der als Vorsitzender des Medizinausschusses des Wissenschaftsrats bereits elf Unikliniken evaluiert hat. Vor allem im Wettbewerb um die herausragenden Leute müsse ein Standort die bestmöglichen Bedingungen anbieten.

Fahrerlose Einschienenbahn

Eine Vorreiterrolle könnte die MHH diesbezüglich auch in anderer Hinsicht spielen: „Schließlich müssen wir nicht nur die Patienten zum Neubau bringen, sondern auch den Universitätscampus anbinden und erschließen“, berichtet Prof. Dr. Axel Haverich. Der Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie hat für diese Anforderungen eine Vision parat: Ihm sei abends zu Hause die Idee einer elektrischen Einschienenbahn gekommen, „die an der Straßenbahnhaltestelle an der Karl-Wiechert-Allee startet und Patienten, Ärzte, das Pflegepersonal, Besucher, Dozenten sowie Studenten auf einem Rundkurs von einer Klinik zur nächsten fährt“. Ähnlich den fahrerlosen Transportsystemen einiger Großflughäfen. Und weil die Hochbahn neben der Stadtbahnhaltestelle nach Haverichs Vorstellung auch zwei große Parkplätze ansteuern soll, würde ein komplett autofreier Campus entstehen.

Die besten Köpfe nach Hannover bringen

Die Vision des Herzchirurgen kam beim Sonderbeirat sehr gut an, der sich übrigens ebenso wie Prof. Haverich für einen Neubau auf der „grünen Wiese“ am Stadtfelddamm, hinter dem aktuellen Standort der MHH, ausspricht – sofern dies die bautechnischen Überprüfungen zuließen. Denn laut Studien verkürze sich die Liegezeit vom Patienten beim Blick in die Natur um anderthalb Tage.

Der autofreie Campus sei eine „geniale Idee, die nach ihrer Umsetzung weltweit einzigartig wäre“, betont Prof. Heinze, der empfiehlt, das Konzept eines emissionsfreien und effizienten E-Campus in die konkreten Planungen mitaufzunehmen. „Wir brauchen in Hannover einen Campus-Zuschnitt, wo Lehre, Forschung und Krankenversorgung wirklich integriert sind. Das ist die Zukunft der Unimedizin.“ Zwar müsse dieser Plan erst noch ausgearbeitet werden, aber eine Umsetzung wäre ein echtes Leuchtturmprojekt für die MHH – und die Stadt Hannover. Für die ersten Abschnitte rechnet Prof. Heinze – analog zum Neubau in Göttingen – mit einer Bauzeit von knapp zehn Jahren, der gesamte neue Campus könnte 2035 fertig sein. Ob dieser dann auch wirklich autofrei sein wird, dürfte sich in diesem Jahr entscheiden.