Lastenrad statt Auto – geht das so einfach?

Leser-Aktion von HAZ und Sparkasse Hannover

Lastenrad statt Auto – geht das so einfach?

Die Familie Huhndorf hat im November getestet, wie Einkauf, Kinder und Hebammen-Job auf zwei Rädern zu bewältigen sind.

Von Bernd Haase (Text) und Samantha Franson (Fotos)

„Am Stau vorbeifahren, keinen Parkplatz suchen und nach einem schwierigen Besuch frische Luft beim Radfahren einatmen – herrlich!“ hat Susanne Huhndorf am 28. November im Tagebuch notiert, das sie während der autolosen Zeit geführt hat. Die 37-jährige Hebamme war die Hauptnutzerin des Lastenfahrrads, das die fünfköpfige Familie aus Hainholz für den Selbstversuch als Beitrag zum Projekt ÜberMorgen vom Zweirad-Center Stadler bekommen hat. Sie war damit beruflich unterwegs, transportierte Einkäufe und ihre drei Kinder, die zwölfjährige Nele, den achtjährigen Enno und den zweijährigen Oskar. Auch Ehemann Martin, von Beruf Sozialarbeiter, ist das Lastenrad gefahren – „im Berufsverkehr unschlagbar“, hat er notiert.

Kinder haben mitgezogen

Bei Susanne Huhndorf liegt die Nutzungsquote für das Rad vom Typ Babboe City-E mit elektronischer Tretkraftunterstützung für 40 bis 60  Kilometer Reichweite, sieben Gängen und auf bis zu 80 Kilogramm Zuladung ausgelegter Transportbox bei 100 Prozent. „Unser Auto hatten wir nicht, ich habe aber auch keins gemietet und bin nicht Bahn gefahren“, berichtet sie. Das funktionierte unter anderem deshalb gut, weil die Kinder mitzogen. „Sie haben sich gern in der Box transportieren lassen und oft gefragt, wann es wieder losgeht“, sagt die Hainhölzerin.

So ganz selbstverständlich war das nicht, denn der November hat seinen ohnehin miesen Ruf wettermäßig deutlich bestätigt. „Da musste ich mich dran gewöhnen, zumal man sich auf dem E-Bike nicht so abstrampelt und deshalb nicht so schnell warm wird“, erklärt Huhndorf. Für den 10. November steht im Tagebuch: „Regen und Sturm. Ich brauche eine neue Regenhose.“ Die alte hat es im nassen Hannover-November nicht mehr getan.

Täglich mehr als 30 Kilometer

Was die äußeren Bedingungen angeht, hat Huhndorf nach der Devise gehandelt, wonach es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur ungeeignete Bekleidung. An das Lastenfahrrad mit seiner Länge und dem größeren Wendekreis hat sie sich nach einem Tag gewöhnt. Musste sie auch. Da sie beruflich kreuz und quer im Stadtgebiet unterwegs ist, kam laut Tagebuch eine tägliche Strecke von durchschnittlich mehr als 30 Kilometern zusammen.

Ebenfalls in den Notizen zu lesen: Meistens war die gesamte tägliche Fahrzeit mit dem Lastenrad etwas länger als diejenige, die mit dem Auto auf gleicher Strecke zusammengekommen wäre. „Das gilt aber nur für die Nettozeit. Parkplatzsuche und Fußwege, wenn kein Stellplatz in der Nähe war, kommen beim Auto oben drauf“, rechnet Huhndorf vor.

 

Keine Parkplatzsuche mehr und Geld gespart

Unabhängigkeit bei der Parkplatzsuche zählt die Hainhölzerin neben ökologischen Erwägungen zu den Pluspunkten beim Vergleich zwischen Lastenfahrrad und Auto. Die Familie hat im November die Kosten für zwei Tankfüllungen gespart. Susanne Huhndorf hat es genossen, andere Routen als mit dem VW Touran fahren zu können – etwa durch die Eilenriede oder am Kanal. „Generell war mit dem Lastenfahrrad der Stresslevel geringer. Ich war einfach besser drauf“, berichtet sie. Es gab keine Situation, in der sie das Auto wirklich benötigt hätte.

„Wir hatten schon häufiger überlegt, auf das Auto zu verzichten“, hatte Martin Huhndorf, der meistens mit seinem Liegefahrrad unterwegs ist, bei der Übergabe des Rades gesagt. Ob das nun zu einer Dauerlösung wird, ist noch nicht ausgemacht, aber auch nicht ausgeschlossen. Die Hainhölzer wollen sich die Angelegenheit noch einmal durch den Kopf gehen lassen und eine Kosten-Nutzen-Analyse anstellen.

Für die drei Kinder könnte das Resultat schon feststehen – Stichwort Spaßfaktor. Und das Lastenfahrrad Babboe von Stadler darf die Familie ohnehin behalten. „Hebammen Hannover“ steht auf der Transportbox schon drauf.