Mehrwerte für Hannover

Platzersparnis durch Radfahrer

Mehrwerte für Hannover

Was wäre, wenn sich 500 Familien in Hannover für ein Leben ohne eigenes Auto entscheiden würden? Welche Auswirkungen hätte das auf die Stadt?

Eine spannende Frage – auch angesichts der Tatsache, dass jedes Jahr 10.000 Autos und Lkws mehr auf den Straßen der Region Hannover unterwegs sind. Wir haben die „Agentur für clevere Städte“ dieses Szenario mal durchrechnen lassen.

Von Heinrich Strößenreuther

Mehr Platz

500 Familien mit durchschnittlich 1,6 Kindern und zwei Eltern ergeben 1.800 Hannoveraner, die statistisch 986 Autos fahren. Ein Auto braucht einen Parkplatz, häufig sogar zwei – vor der Haustür und am Arbeitsplatz. Das entspricht 14.796 Quadratmetern am Wohnort.

Dazu kommen anteilig 5.179 Quadratmeter fürs Parken am Arbeitsort sowie anteilig 5.031 Quadratmeter fürs Parken am Einkaufsort – insgesamt also: 25.005 Quadratmeter.

Was könnte Hannover alternativ auf diesen Flächen bauen?

Mehr Lebensqualität

Zum Beispiel:

500 zusätzliche Spielplätze (à 50 Quadratmeter) für Kinder

oder

96 Tennisplätze

oder

17.861 Fahrradabstellplätze in der Stadt, sodass keiner mehr sein Fahrrad umständlich in den Keller schleppen muss.

oder

556 einstöckige bis 1.667 dreistöckige (Sozial-)Wohnungen

Mehr Wohnungen

Wie viel Platz für den Wohnungsbau zur Verfügung stünde, wenn dabei ganz auf dazugehörige Stellplätze verzichtet würde, berichtet Robert Kulle, Technischer Leiter Projektentwicklung bei der Wohnungsbaugesellschaft hanova: „Wir haben unsere vergleichbaren Projekte überschlagen und kommen zu dem Ergebnis, dass bei viereinhalb- bis fünfgeschossiger Bebauung durchschnittlich etwa 60 Quadratmeter Wohnfläche je aufgegebenen Kfz-Stellplatz inklusive Nebenfläche (z. B. Fahrspur) zu realisieren sind.“

Mehr Zeit

500 Familien, die in Hannover nicht mehr Auto fahren, würden zusätzlich die benötigte Straßenfläche um 78.912 Quadratmeter reduzieren. Denn: Ein fahrendes Auto benötigt neben dem Parkplatz die Fläche auf der Straße: zum Beschleunigen, Fahren, Bremsen, für den Abstand zum Vordermann und zum Bordstein (die sogenannte dynamische Straßenfläche).

Eine perfekte Anti-Staumaßnahme: Denn die Zeit, die Autofahrer in Hannover über die Lebenszeit ihres Autos nicht im Stau stünden, würde für einen zehnwöchigen Urlaub reichen.

Mehr Umsatz

Ein Smart kostet laut ADAC pro Jahr 3.300 Euro Unterhaltskosten, ein 5er BMW mit Sportpaket bis zu 21.600 Euro. Bliebe dieses Geld in der Haushaltskasse, könnte davon der Einzelhandel in Hannover profitieren – stammen doch 80 Prozent seines Umsatzes nicht von Autofahrern, sondern von Kunden, die zu Fuß, mit dem Rad oder Bus und Bahn unterwegs sind. Sich um Kunden ohne Auto zu bemühen, wäre die beste Maßnahme, um die Umsatzverluste durch den Internet-Handel auszugleichen.

Mehr Frischluft

Auch das Klima würde sich freuen: Die 500 radelnden Familien würden zusammen 2.018.815 Kilogramm CO2 nicht in den Himmel pusten. Rund 400 Hannoveraner versterben pro Jahr vorzeitig durch Luftverschmutzung. Jeder, der sein Auto stehen lässt, tut deshalb etwas für die gute Luft aller – und kann radfahrend ganz nebenbei das eigene Herzinfarkt- und Demenz-Risiko um 30 bis 50 Prozent verringern. Und: Radfahrer wiegen durchschnittlich sechs Kilo weniger als Autofahrer.

Im Herbst 2017 veranstaltete die Klima-Allianz Hannover 2020 den Aktionstag „Multimobil 2017“ (das Foto zeigt den Auftakt). Am 19. September kamen rund 30.000 Mitarbeiter aus 32 beteiligten hannoverschen Unternehmen, Organisationen und Institutionen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, in Fahrgemeinschaften, dem E-Auto, zu Fuß oder mit dem Rad zu ihrer Arbeitsstätte.