Wenn Wohnraum dem Markt entzogen wird

Wenn Wohnraum dem Markt
entzogen wird

Zur Miete wohnen oder Hauseigentümer sein? Wer in begehrten Wohnlagen sein Zuhause finden will, muss bei beiden Varianten oft tief in die Tasche greifen. Vergleichsweise jung in Hannover ist ein Modell, in dem man beides gleichzeitig ist: Vermieter und Mieter.

Von Anne Roggensack

Dauerhaft günstig wohnen

Das „Mietshäuser Syndikat“, 1983 geboren in der linken Szene Freiburgs, verfolgt ein Ziel: dauerhaft günstiges Wohnen zu ermöglichen.

Die Idee: Eine Immobilie wird gekauft – von einer GmbH, in der alle künftigen Mieter mitreden dürfen. Anstelle eines Vermieters tritt die Selbstorganisation, die Mietergruppe kontrolliert sich selbst, damit ein Ziel erreicht wird: Das Haus wird nicht zur lukrativen Geldanlage, sondern zum dauerhaft erschwinglichen Zuhause.

Aus diesem Grund steht auch der Dachverband, das Mietshäuser Syndikat, im Grundbuch und hat ein Mitspracherecht. Er verhindert einzig den Verkauf und damit die Spekulation mit dem neuen Wohnraum.

Erfolgsbeispiel in Hannover-Linden

Ein weiterer Vorteil: Ist die Immobilie abbezahlt, wird ein kleiner Teil der Mietgewinne solidarisch dem Dachverband zur Verfügung gestellt, damit dieser weiteren Käufergruppen bei ihrem Start unter die Arme greifen kann.

Erfolgsbeispiel in Hannover ist das ehemalige Haus der Albert-Schweitzer-Schule in der Fröbelstraße. Über 60 Bewohner sind hier seit Ende 2014 zu Hause: eine bunt gemischte Gruppe, die eins zusammengebracht hat – der Wunsch, gemeinsam erschwinglich und schön zu wohnen.

www.syndikat.org

www.stadtteilleben.org