ÜberMorgen in der Region

Auftakt in Neustadt

ÜberMorgen in der Region

Am 18. September fand in Neustadt am Rübenberge die erste von vier ÜberMorgen-Regionalveranstaltungen statt. Bei der mit rund 130 Gästen gut besuchten Diskussionsrunde im Weserrenaissance-Schloss Landestrost standen die Themen „Arbeit ohne Pendeln“, „Dorf mit Zukunft“, „Mobilität“, „Telemedizin“ und „Soziale Versorgung“ im Fokus.

Mobilität war der große Aufreger des Abends und das Publikum sehr diskussionsfreudig – vor allem zu den Themen ÖPNV und Radverkehr. Lesen Sie nachfolgend die interessantesten Expertenaussagen der Veranstaltung.

Zukunft des Dorfes

„Verwirrte Bundestagskandidaten“

Auch der Landwirt und Landvolkchef Volker Hahn beteiligte sich an der Podiumsdiskussion:

„Jedes Dorf sucht seine Zukunft – aber Handyempfang, Breitband, das sind Probleme, die fast jedes Dorf betreffen.“

„Dorferneuerung, Initialzündungen, Investitionen, Menschen, die sich fürs Dorf begeistern – auch das ist Landrealität.“

„Wir haben Bundestagskandidaten einen Tag auf Höfen mitarbeiten lassen. Die waren hinterher verwirrt. Städter sind vom Land entfremdet.“

„Zuhören, Interesse haben ist die Lösung. Kommen Städter einmal aufs Land, wollen sie kaum wieder weg. Aber: Digitalisierung tut not!“

Hahns Surftipps zum Land im Netz: „KuhTube“ und „Frag doch mal den Landwirt“.

Dorfladen Bolzum

„Viel Arbeit und keine Sozialromantik“

Frauke Lehrke berichtet über die Nachhaltigkeit durch den selbst gestalteten Dorfladen in Bolzum  – bei dem die Betreiber selbst Experten für den Einzelhandel wurden. Fast 2.000 Produkte sind im Angebot.

Der Dorfladen hat jetzt neun Mitarbeiterinnen und bis zu 300 Kunden pro Tag – und ist größter Arbeitgeber im Ort. Nach einem Jahr wurde die „schwarze Null“ geschrieben.

„Früher hat man sich nur noch auf dem Friedhof getroffen, jetzt trifft man sich im Dorfladen.“

„Ein Dorfladen ist viel Arbeit und keine Sozialromantik.“

Schönster Moment? „Wenn der Laden voller Leute ist, die miteinander schnacken!“

„Wir müssten teurer sein, gehen aber oft bei Discounterpreisen, z. B. für Milch, mit. Regionales darf teurer sein.“

Telemedizin

„Durch Technik mehr Zeit für Patienten“

In Niedersachsen sind 359 Hausarzt-Sitze nicht besetzt, die Zahl steigt. Alexander Jüptner von der Johanniter-Unfall-Hilfe berichtete unter anderem von smarten Technologien für die ländliche Region.

„Der Pflege fehlt Fachpersonal, wir suchen nach Lösungen, Pflege zu verbessern, und nutzen Technik, um mehr Zeit für Patienten zu schaffen.“

„Wir haben eine Wissensdatenbank mit der Medizinischen Hochschule Hannover aufgesetzt, um pflegende Angehörige zu unterstützen.“

„Pflegefachkräfte können per Telemedizin Pflegehilfskräfte bei der Pillenvergabe anleiten. So erweitern wir Kapazitäten.“

Regio-LABs

„Co-Working als Standortvorteil“

160.000 Pendler gibt es in Niedersachsen, 400 Stunden vergeudet jeder Pendler jährlich mit Pendeln! Architekt Wilhelm Klauser vom Regio-LAB entwickelt innovative Konzepte, die Pendler entlasten und Räume für neue Zwecke in ländlichen Regionen schaffen.

„Co-Working auf dem Lande spart Pendelverkehre, CO² und Zeit. Ein Pilotprojekt in Gehrden ist in der Planung.“

„Gehrden hatte viele Leerstände, hier entsteht ein multifunktionaler Raum, für Diakonie, Co-Working und Diskussionen.“

„Städte hätten ohne Pendelverkehr kaum CO²-Probleme.“

„Auch beim Co-Working auf dem Lande befruchten sich Menschen, wenn sie miteinander reden, und kommen auf neue Ideen.“

„Co-Working-Spaces auf dem Lande können zum Standortvorteil werden – wenn man keine Angst vor Veränderung hat!“

Intelligente Verkehrsplanung

„Menschen sollten in Wegen denken“

Elke van Zadel, Bereichsleiterin Verkehr der Region, sagt: „Menschen möchten Rad fahren, wollen Intermobilität, aber sie legen auch immer mehr Kilometer zurück. Per Auto.“

„Die Straßen sind voll, Menschen fahren zunehmend weite Strecken mit dem Rad, Wege mit dem Auto dauern oft länger.“

„Ohne Radwege ist Radverkehr im Umland keine Mobilitätsalternative.“

„Radschnellwege für bis zu 20 Kilometer sind gefragt. Und es gibt Pläne, die wir vorantreiben. Radverkehr auf dem Land muss attraktiver werden. Drei Radschnellwege für Garbsen, Lehrte und Langenhagen sind in Planung.“

„Wir brauchen Radschnellwegeverbindungen – zuerst zur Wasserstadt, dann nach Garbsen. Neustadt ist vielleicht zu weit.“

„Menschen sollten in Wegen denken, nicht in Besitz von Autos.“