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Stadt_selber_machen

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Ob eine Bauminsel, Brückenunterführung oder ein stillgelegter Gewerbehof – die Stadt ist voll von freien Flächen, die kaum einer wahrnimmt. Doch sie bergen eine große Chance, erklärt Medienmanagerin und Ereignisdesignerin Laura Bruns im Interview. Mit ihrer Plattform http://stadtstattstrand.de
setzt sie sich dafür ein, dass Menschen urbane Freiräume erobern und so ihre Stadt mitgestalten. Dabei geht es nicht um Selbstverwirklichung Einzelner. Vielmehr können engagierte Bürger eine Kommune oft schneller und günstiger voranbringen als Stadtplaner in den Behörden. Man muss ihnen nur die Freiheit geben.

Interview: Jelena Altmann




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Sie kann viele Facetten haben. Dazu gehören etwa größere Projekte wie Skateplätze, die wie in Hannover-Linden auf Eigeninitiative in stillgelegten Gewerbegebieten entstehen, oder Kräutergärten im Park, die Bürger selbst anlegen und pflegen. Aber auch bei einer spontanen Party unter einer Brücke kann es sich schon um eine kreative Nutzung von urbanem Freiraum handeln.

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Öffentliche Flächen unterliegen dem Gemeingebrauch. Jeder Stadtbewohner kann sich dort aufhalten und darf von der Nutzung nicht ausgeschlossen werden. Wer zum Beispiel in einem Park eine Sitzgruppe als Nachbarschaftstreff aufstellt, könnte damit etwa Hundebesitzer, die dort immer Gassi gehen, einschränken. Deshalb müssen solche Aktionen normalerweise erst von Behörden genehmigt werden, was oft Wochen oder gar Monate dauern kann. Das schreckt gerade junge Leute ab, auch wenn sie gute Ideen haben. Mittlerweile haben viele Städte erkannt, dass sie die Bürokratie lockern müssen.

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Die Stadt Bremen zum Beispiel hat eine Regelung für spontane Partys im öffentlichen Raum geschaffen. Solche Veranstaltungen müssen lediglich 24 Stunden vorher beim Stadtamt angemeldet werden. Die Erlaubnis ist nur an wenige Bedingungen geknüpft: Die Freiluftparty darf zum Bespiel nicht kommerziell sein, und es sollten nicht mehr als 300 Teilnehmer zur Feier kommen.

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Wenn junge Leute schon früh lernen, ihre Stadt mitzugestalten, werden sie auch mit 35 Jahren engagierte Bürger sein und sich um ihr Viertel kümmern. Sie werden eher Missstände anprangern, Lösungen entwickeln und so ihre Kommune zu einem lebenswerten Ort machen. Außerdem können durch gemeinsame Projekt ganz neue soziale Kontakte gefördert werden.

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Dort haben sich mehrere Leute zusammengetan und verschiedene Projekte realisiert. Neben dem 2er-Skaterpark gibt es auch eine kleine Containerstadt mit einer Fahrradwerkstatt, einem Mini-Hotel und einem kleinen Massagesalon. Die Initiatoren hatten anfangs keinen Masterplan, sie sind eher spielerisch an die Sache herangegangen. Mittlerweile haben die Menschen sogar daraus Firmen gegründet und sich somit eine echte Perspektive geschaffen. Der Skateplatz hat eine enorme Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus. Die Anlage ist in der Szene weltweit bekannt. *

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Die einfachste Form ist, eine Bauminsel etwa mit Blumen zu bepflanzen. Das ist mittlerweile in vielen Städten erlaubt und wird sogar von Kommunen gefördert. Dafür braucht man sich oft nur mit dem Grünflächenamt in Verbindung setzen. Größere Projekte, wie etwa eine Industriebrache nutzbar zu machen, sind aufwendiger. Der erste Schritt dabei ist, den Eigentümer ausfindig zu machen. Das Grundbuchamt ist verpflichtet, jedem Auskunft zu geben, der ein berechtigtes Interesse hat. Im Zweifel kann man auch einen Anwalt gegen eine kleine Gebühr beauftragen, der die entsprechenden Informationen einfordert.

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Für unkonventionelle Projekte gibt es zur Vorgehensweise keine Blaupause. Jedoch können einige Merkregeln beachtet werden, die die Umsetzung einfacher machen. Im ersten Schritt geht es darum, Verbündete zu finden, die Idee zu Papier zu bringen und sich über Fragen wie Haftung und Sicherheit vor Ort Gedanken zu machen. Oft ist es sinnvoll einen Verein zu gründen oder einen bestehenden als Bündnispartner zu gewinnen, da sich so Haftungsfragen leichter klären lassen. Mit diesem Konzept geht es dann zu den Behörden. Das Organigramm der Gemeinde-, Stadt- oder Kreisverwaltung mit seinen Ämtern und Abteilungen erklärt, wer wofür zuständig ist. Gerade für ungewöhnliche Anfragen, die keinem klassischen Genehmigungsprozess unterliegen, lohnt es sich, mit den höheren Verwaltungsebenen in Kontakt zu treten und seine Idee persönlich vorzustellen.

Denn Amts- oder Dezernatsleiter etwa können ebenso beraten und haben mehr Entscheidungsspielraum als Sachbearbeiter, die alltägliche Anträge bearbeiten. Aber auch Bürgermeister und Bezirksausschüsse bieten Sprechstunden an. Eine gute Anlaufstelle kann auch der Bezirksbeirat sein, der die örtliche Verwaltung in allen wichtigen Angelegenheiten berät, die den Stadtteil betreffen. Schriftliche Anträge sollten erst dann gestellt werden, wenn klar ist, dass sie an die richtige Stelle gelangen und im Sinne des Projektes bearbeitet werden.

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Manchmal kann es gut sein, Tatsachen zu schaffen. Doch sobald sich die Nutzung des Freiraums verstetigt, die Beteiligten sehr viel Herzblut und Zeit reingesteckt haben, sollten die rechtlichen Rahmenbedingungen mit den Behörden geklärt werden. Ich kenne einen Fall, bei dem ein engagierter Bürger eine zugewucherte und vermüllte Uferböschung aufgeräumt, gerodet und Stufen zum Sitzen angelegt, Blumentöpfe und Mülleimer aufgestellt hat. Das erfreute viele Anwohner. Nur einen nicht. Ein Hundebesitzer, der dort seinen Hund ausführte, beschwerte sich. Obwohl das Ordnungsamt die Aktion sehr gut fand, musste sie anordnen, dass alles – auf Kosten des Initiators – abgebaut wird. Es lag keine Sondernutzungserlaubnis vor. Bei jeder Aktion sollten immer auch die betroffenen Menschen im Kiez einbezogen werden. Schließlich geht es auch bei der Erschließung urbanen Freiraums auch um die Förderung der Gemeinschaft.

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Laura Bruns (32 lebt in München und unterstützt als Gründerin der Placemaking Plattform stadtstattstrand Projektgruppen und Behörden dabei, wie sich Stadträume kreativ nutzen lassen. Dabei klärt sie auch über rechtliche Rahmenbedingungen auf. 2014 erschien ihr Handbuch mit dem Titel „Stadt selber machen“und 2016 im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) die „Freiraum-Fibel“. Kostenlos unter www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/Sonderveroeffentlichungen/2016/freiraum-fibel.html?nn=395966 als PDF erhältlich. Ihre gesammelten Projektbeispiele aus verschiedenen Städten sind auf www.stadtstattstrand.de zu finden.

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