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Regionsveranstaltung_Gehrden

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Am 28. September fand im Sparkassen BeratungsCenter in Gehrden die zweite  ÜberMorgen-Regionalveranstaltung statt. Erneut wurde auf dem mit Experten besetzten Podium über  „Arbeit ohne Pendeln“, „Dorf mit Zukunft“, „Mobilität“, „Telemedizin“ und „Soziale Versorgung“ diskutiert.

Lesen Sie nachfolgend die interessantesten Aussagen der Veranstaltung, die von Jan Sedelies, Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, moderiert wurde.

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Carsten Niemann war 30 Jahre bei der Gemeinde Wedemark aktiv, davon die letzten 15 Jahre als Wirtschaftsförderer. Seit 2016 ist Niemann Samtgemeindebürgermeister in Ahlden. Er tritt für eine aktive, steuernde Verwaltung ein – und sagt: „Besser gestalten als verwalten“.

„Wenn in kleinen Orten die Struktur wegbricht, stehen alte Menschen allein und perspektivlos da.“

 „Dörfer müssen frühzeitig ihre Stärken und Chancen erkennen und nutzen, um ihre Zukunft zu sichern.“

„Kommunen sollten auch für Breitband sorgen. Ein Problem der Gemeinde ist auch eines für die Verwaltung. Denn lebendige Gemeinden und Firmen brauchen: Breitband, Ehrenamt, Sport sowie gut unterstützte Initiativen.“

„Eine Mitmachgemeinde ist eine Wohlfühlgemeinde. Daher sind aktive Gruppenförderung und Einkaufsmöglichkeiten sehr wichtig.“

„Kleine Dinge muss man ernst nehmen: Schulen brauchen anständigen Toiletten, Hortbetreuung und kleine Klassen.“

„Mit Zuzug kommen die Einpendler, die im Ort nicht echt angekommen sind. Lösung: Einpendler sollten in Vereine eintreten und an Traditionsveranstaltungen teilnehmen.“

„Es ist wichtig, kleine abgehängte Orte wieder anzubinden. Denn abgehängt zu sein macht Angst.“

„Kommunen können Initiativen nutzen und Projekte fördern. Zum Beispiel mit mietfreien Flächen.“

„Als Kommune und Bürgermeister müssen wir in die Orte hineinhorchen und Sorgen ernst nehmen. Und dann die richtigen Leute vernetzen.“

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Wilhelm Klauser ist Gründer von Initialdesign Berlin und hat für das Calenberger Land das Projekt „Regio-LAB“ entwickelt. Das Pilotprojekt findet in Gehrden statt.

In einem zuvor leerstehenden Gebäude sollen Büros und Besprechungsräume mit entsprechender Infrastruktur entstehen – die Pendler, Freelancer oder auch Verbände an halben oder ganzen Tagen anmieten können.

Es geht um die Versorgung, Belebung, Vernetzung und Stärkung von ländlichen Räumen. Und die Abkehr vom Pendeln.

„160.000 Menschen pendeln täglich nach Hannover, was 400 Stunden pro Jahr vergeudet – je Pendler! Regio-LAB will Räume schaffen, für neue Strukturen, Mikrobüros auf Stundenbasis, Co-Working, Infrastruktur und Meetingräume. Vor Ort in Gehrden.“

„Pendeln vom Land in die Stadt muss nicht sein. Mit Co-Working-Büros am Wohnort lässt sich Lebenszeit gewinnen.“

„Große Firmen ermöglichen Homeoffice – Regio-LAB hat den Raum im Ort dafür. Weniger Arbeitsplätze am eigenen Standort sind sogar billiger für Unternehmen."

„Wenn ein Netzwerk entsteht, stellt man fest, dass alle gemeinsam am Übermorgen arbeiten. Und aktiv nach vorn schauen."

„Viele kleine Projekte sind wertvoller als eine Großvision, die vielleicht übermorgen schon überholt ist.“

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Frauke Lehrke hat das Bürger-Projekt „Dorfladen“ in Bolzum auf die Beine gestellt – gemeinsam mit anderen ehrenamtlichen Mitstreitern.

„Unser Dorfladen ist ein echter Einzelhandel auf 160 Quadratmetern – mit mehr Produkten als im Discounter, neun festen Mitarbeitern und einer persönlichen Ansprache.“

„Der Laden ist die Seele des Ortes, inklusive Café.“

„Wir wollten unser Dorf wieder beleben, das ist uns gelungen.“

„Von 5 bis 92 kauft jeder bei uns, wir haben bis zu 300 Kunden pro Tag.“

„70 Wochenstunden fallen ehrenamtlich an, von der Warenverräumung bis zur Geschäftsführung im Dorfladen Bolzum.“

„Ein Dorfladen ist auch ein soziales Projekt und stärkt die Identifikation mit der ländlichen Heimat.“

„Alle zu überzeugen ist gar nicht nötig, man kann es vor Ort dennoch schaffen.“

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Günter Becker vom Verein Generationenhilfe Börderegion berichtete über das Seniorenprojekt „Hand in Hand“.

„Vor fünf Jahren gegründet, haben wir heute 414 Mitglieder. Unser Seniorenhilfeverein ist schnell stark gewachsen."

„Beispiel Arztbesuch: Wir organisieren die Fahrt, den Apothekenbesuch und auf Wunsch auch noch den Frisörtermin."

„Man muss Mitglied im Verein sein, kann dann Hilfe bieten oder suchen. Der Verein koordiniert den Bedarf per Telefonzentrale.“

„Menschen melden sich freiwillig, weil sie in Rente sind, topfit und sich sinnvoll einbringen möchten. Bis zum Top-Ingenieur.“

„Wer mit dem Vereinsbus fährt, vereinsamt nicht.“

„Wir arbeiten oft mit Schülern und Jugendlichen, die die Alten gar nicht uncool finden.“

„Unser harter Kern aus 40 Leuten überzeugt andere mit seiner phänomenalen Zusammenarbeit – daher haben wir kein Nachwuchsproblem.“

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Der Osnabrücker Hausarzt Dr. Micha Neubert stellte seine Videosprechstunden vor.

„Online-Sprechstunde funktioniert mit gesicherter Datenleitung. Man loggt sich ein und ist verbunden.“

„Bestimmte Indikationen kann man jetzt abrechnen: Verlaufskontrolle, Hauterkrankungen, Knöchelverletzungen. Das ersetzt aber den Arztbesuch nicht.“

„Persönlicher Kontakt bleibt unersetzbar, Telemedizin ist aber eine gute Ergänzung.“

„Ältere sind interessiert, Jüngere nutzen Telemedizin eher. Aber noch kommen Leute lieber in die Praxis.“

„359 Hausärzte fehlen in Niedersachsen. Prognose: Die Zahl wird steigen, zukünftig fehlen Tausende Ärzte in Niedersachsen.“

„Dort, wo sich durch wegfallende Landarztpraxen Wege verlängern, kann Telemedizin helfen.“

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Klaus Geschwinder von der Region Hannover äußerte sich zu den Themen Verkehr und Mobilität.

„Ganz wichtig sind gute Strukturen, die Verkehr vermeiden helfen und Pendelzeit sparen.“

„100 Autos und nur drei Fahrräder vorm Supermarkt in Gehrden – da geht mehr.“

„Die Region hat Fahrradbügel als Massenbestellung gekauft. Da kosten die dann nicht mehr 80, sondern nur noch 15 Euro pro Stück. Diese stellen wir den Kommunen gratis zur Verfügung. Sie brauchen sie nur noch abzuholen und aufzubauen. Gratis. Das stärkt die Fahrrad-Infrastruktur.“

„Radschnellwege wie in Holland für Gehrden? Klar, denn: Störungsfrei fahren ist wichtig, wir träumen von Radschnellwegen, auch hier. Drei Radschnellwege sind in der Region bereits geplant, Gehrden ist aber noch nicht darunter.“

„Den Radverkehr auf guten Wegen zu ermöglichen ist sinnvoll. Denn wenn man konfliktfrei Radfahren kann, kommen viele auf den Geschmack.“

„Gute Buslinien und Radwege motivieren zum Umstieg, Großstädter leiden stark unter den Einpendlern.“

„Elektromobilität ist in der Fläche einfacher herzustellen als in der Stadt – das ist die Perspektive, die wir unterstützen.“

„Elektromobilität ist perfekt geeignet für ländliche Regionen, fast jeder hat eine Garage mit Steckdose.“

„An Bussen, die leer fahren, sparen wir und verstärken dafür Zeiten, die gut nachgefragt werden.“

„Starke Bus-/Bahn-Achsen bleiben attraktiv. Andere Strecken in der Fläche sind weniger frequentiert. Solche werden vielleicht Übermorgen von autonomen Fahrzeugen ergänzt.“

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