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Lastenrad_Gewerbe

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Schneller und stressfrei am Ziel ankommen, ohne lästige Parkplatzsuche – dafür mit einem Plus für die Umwelt und die eigene Fitness: Wer sich als Gewerbetreibender für ein Lastenrad entscheidet, entdeckt schnell die Vorteile. Mit dem Programm „LaRaLaPed“ fördern die Region und die Sparkasse Hannover den Kauf von Lastenrädern.

Von Christian Bärmann (Text) und Christian Behrens (Fotos)



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Es bedurfte nur weniger Zeilen in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ), um die Erfolgsgeschichte des Förderprogramms „LaRaLaPed“ – Kurzform für Lastenrad und Lastenpedelec – im Mai 2017 ins Rollen zu bringen. „Innerhalb von 72 Stunden sind bei uns fast ein Dutzend Anträge eingegangen. Wir konnten schnell absehen, dass binnen eines Monats der Fördertopf leer sein würde“, berichtet Heiko Söhnholz vom Fachbereich Verkehr der Region Hannover. Er sei von der großen Nachfrage „schon überrascht“ worden. Der ursprüngliche Plan, Werbemaßnahmen mit Flyern zu starten, wurde schnell verworfen – und „LaRaLaPed“ zum Selbstläufer.

Der Fachbereich Verkehr der Region Hannover beschäftigt sich seit Jahren mit klimafreundlichem Verkehr und Fahrzeugen. „Wir haben bereits 2013 den Verkehrsentwicklungsplan Pro Klima verabschiedet, in dem schon damals Lastenräder als geeignete alternative Transportmittel für die sogenannte letzte Meile angedacht wurden“, so Klaus Geschwinder, Teamleiter Verkehrsentwicklung und -management. Die „letzte Meile“ bezeichnet die innerstädtische Zulieferung auf den letzten anderthalb bis drei Kilometern, die üblicherweise mit Pkw oder Lkw geschieht.

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Doch erst, als die Sparkasse Hannover Ende 2016 an die Klimaschutzleitstelle der Region herantrat, wurde das Projekt, den Kauf von Lastenrädern und elektrisch unterstützten Lastenpedelecs im gewerblichen und institutionellen Einsatz zu fördern, wachgeküsst: „Die Sparkasse fragte uns, ob wir ein klimafreundliches Projekt hätten, das sie aufgrund des Leistungsversprechens zur Förderungs solcher Projekte
aus ihrem neuen Nachhaltigkeitssparkassenbrief N+ unterstützen könnte“, erzählt Söhnholz.   

Gefragt, getan: Umgehend erarbeitete der Fachbereich laut Söhnholz eine „Förderkulisse, bei der die Hemmschwelle, einen Antrag zu stellen, möglichst niedrig sein sollte“. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen seien durch ihr Tagesgeschäft derart eingespannt, dass sie weder Zeit noch Lust hätten, langwierige Antragsverfahren zu durchlaufen.  

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Abseits vom schlanken Verfahren ist natürlich vor allem der finanzielle Anreiz attraktiv: Bis zu 1.000 Euro Zuschuss können Gewerbetreibende, Vereine und Institutionen mit Sitz in der Region Hannover beim Kauf eines gewerblich genutzten Lastenpedelecs beantragen, bis zu 500 Euro beim Kauf eines Lastenrads. Die Gelder kommen vollständig von der Sparkasse, die sich aufgrund der großen Nachfrage entschloss, das Fördervolumen von ursprünglich 15.000 Euro um weitere 10.000 Euro aufzustocken.  

„Mit der Erhöhung der Fördersumme wollen wir unterstreichen, wie wichtig es uns ist, nachhaltige Projekte in der Region Hannover zu unterstützen. Kleineren Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben erleichtern wir mit den gewährten Zuschüssen die Entscheidung, ihre Kunden stressfrei und umweltfreundlich zu erreichen, und entlasten zugleich die Innenstadt von vielen Fahrten mit Abgas erzeugenden Lieferfahrzeugen“, erklärt Stefan Becker, Pressesprecher der Sparkasse Hannover (3. v. l., auf dem Foto bei der Vorstellung des Förderprogramms 2017, u.a. mit Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz, 3. v. r.).

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So nutzt Norman Hilgraf (Foto), Maurermeister und Bauleiter bei SMB seine neue „Radkutsche“ täglich für Fahrten vom Büro in Letter auf die Baustellen in ganz Hannover. „Das Lastenpedelec ersetzt in meinem Fall ein Auto, das auf Kosten der Umwelt nur von mir allein genutzt wurde“, berichtet Hilgraf, der sich sehr „über diese nachhaltige Art, den Stadtverkehr zu bewältigen“ freut. Er komme nicht nur schneller von A nach B als die autofahrenden Kollegen, auch seine Pünktlichkeit bei Baubesprechungen habe dank staufreier Radwege zugenommen.

„Meine Erwartungen wurden übertroffen, ständig erzähle ich von den Vorzügen – und stelle das Rad Interessierten für eine Probefahrt zur Verfügung.“ Für seine Firma wünscht sich der Bauleiter weitere Lastenräder, „das werden wir in den nächsten Jahren in Angriff nehmen“.

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Auch Steuerberater Jörg Kleczka (Foto) berichtet, dass das Lastenrad bei Mitarbeitern und Geschäftspartnern bestens ankomme. Das Auto werde nun deutlich weniger genutzt, ganz ersetzt werden könne es bislang aber noch nicht. Weniger wegen der Entfernungen, sondern aufgrund der Tatsache, dass sich Business-Kleidung für Kundentermine auf dem Rad mit schlechtem Wetter nicht gut vereinbaren lasse.

„Die Transportmöglichkeiten des Lastenrads sind völlig ausreichend – außerdem fällt es im Straßenverkehr auf und ist somit auch eine gute Werbemöglichkeit, zumal in Langenhagen bislang nur wenige Lastenräder unterwegs sind“, sagt der Diplom-Ökonom. Nur das Abstellen sei manchmal etwas problematisch, weil die Fahrradbügel zu eng beieinander stünden. Sein Fazit: „Es macht riesig Spaß, damit zu fahren. Man kommt genauso schnell ans Ziel wie mit dem Auto und spart wegen der fehlenden Parkplatzsuche noch Zeit. Wir können uns den Alltag ohne das Lastenrad nicht mehr vorstellen.“

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Vom Königsworther Platz bis nach Linden in bis zu 45 Minuten? Das kommt für Klaus Stuckert (Foto) nicht mehr infrage. Für den Stuckateur lautet das Zauberwort aber vor allem „Entschleunigung“: „Seit ich ein Lastenpedelec habe, bin ich auf dem Weg zu Kunden oder Baustellen ruhiger geworden. Denn wenn man mit dem Rad unterwegs ist, muss man sich von vorneherein die Zeit für die Anfahrt nehmen.“ Das gilt zwar auch für das Auto, doch Stressfaktoren wie Stau oder Schneckentempo im Stadtverkehr sorgten für Stress. Radeln hingegen mache Spaß, und die Steigerung der körperlichen Fitness sei ein netter Nebenaspekt.    

Klaus Stuckert – als klassischer Stuckateur mit seinem Sechs-Mann-Betrieb in Hannover der letzte seiner Art in Niedersachsen – ist schon vor dem Kauf des Lastenrads den Weg von seinem Büro in Ilten in die Stadt so oft wie möglich mit einem E-Bike geradelt. „Das waren rund 1.500 Kilometer im Jahr, die ich vorher mit dem Auto gefahren bin.“ Und nun mit seinem Lastenpedelec zurückgelegt werden, das ihm eine Zuladung von bis zu 100 Kilo ermöglicht, die er mit Mörtel- und Spachtelmasse sowie weiterem Equipment ausschöpft. „Ich versuche, so viele Fahrten wie möglich mit dem Rad zu machen – nur weitere Fahrten, etwa zu Kunden nach Braunschweig, lege ich noch mit dem Auto zurück.“

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Fast 50 Fahrräder wurden bislang im Rahmen von „LaRaLaPed“ gefördert, davon zwei Drittel in der Landeshauptstadt, ein Drittel im Umland. Auf die Fördersumme von 25.000 Euro wurde 2017 nochmals eine umsatzabhängige Förderung aus dem Absatz des Sparkassenbriefs N+ von 12.000 Euro addiert – und der Gesamtbetrag somit auf 37.000 Euro aufgestockt. Auch für das Geschäftsjahr 2018 hat die Sparkasse Hannover den Fördertopf für „LaRaLaPed“ geöffnet: Zunächst sind 25.000 Euro ausgelobt, sodass nach dem Segen der Regionsversammlung seit Mitte März erneut Gewerbetreibende beim Kauf eines Lastenrads unterstützt werden können.  

Klaus Geschwinder glaubt, dass das Potenzial für Lastenräder noch längst nicht ausgeschöpft ist. Zunächst sei vor allem die Abstellproblematik zu klären, „gerade in Gebieten mit einem hohen Geschosswohnungsbau-Anteil“. Erst wenn es in der Stadt insgesamt attraktive Abstellmöglichkeiten für Lastenräder gibt, werde die Nachfrage deutlich anziehen. Ein Anfang sei bereits gemacht, ergänzt Heiko Söhnholz: „Es gibt mittlerweile in Hannover zwei Pilotvorhaben, wo Wohnungsgesellschaften in Neubaugebieten von vorneherein Stellplätze für gemeinschaftliche Lastenräder einplanen werden.“

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