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Kronsberg Süd

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Matthias Herter kann sich noch gut daran erinnern, wie er als junger Mann auf dem Kronsberg stand, Prospekte  verteilt und den Leuten erzählt hat, „wie toll die Wohnungen hier werden“. Das war Mitte der 1990er-Jahre, als für das Neubauprojekt im Zuge der EXPO 2000 noch kräftig getrommelt werden musste. Er habe damals sofort an das Projekt geglaubt – und freut sich nun umso mehr, dass der Kronsberg nun endlich „zu Ende gedacht wird“. Und dass er als Hannoveraner am Abschluss dieses Stadtteils mitwirken kann. Etwa ein Vierteljahrhundert später ist Matthias Herter, heute Geschäftsführer der Meravis Immobiliengruppe, erneut hautnah dabei, diesmal in federführender Position für das größte Neubauprojekt in Niedersachsen: Kronsberg-Süd. Gemeinsam mit der Delta Bau AG hat Meravis die Geschäftsbesorgung der sechs hannoverschen Firmen (Meravis, DeltaBau, Spar- und Bauverein, KSG, Hanova und Gundlach) übernommen, die den mittleren Teil des zu bebauenden Areals erworben haben. Die hessische Landesbanktochter GWH hat sich den nördlichen
Teil gesichert. Insgesamt haben die sieben Gesellschaften der Stadt Hannover 271.000 Quadratmeter Bauland abgekauft, auf denen ab Ende 2009 zunächst gut 2.500 Wohnungen entstehen sollen. Das Investitionsvolumen soll bei etwa einer halbe Milliarde Euro liegen.

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„Das Gebiet Kronsberg-Süd ist gegenwärtig das größte Wohnbaupotenzial in Hannover. Hier können in den nächsten Jahren circa 3.500 Wohnungen gebaut werden. Dieses Angebot wird zusammen mit einer Vielzahl anderer kleinerer Wohnungsbaugebiete dazu beitragen, die stark angestiegene
Nachfrage nach Wohnungen zu befriedigen und damit den Wohnungsmarkt zu stabilisieren“, erklärt Stadtbaurat Uwe Bodemann, der dafür bereits frühzeitig eine Projektgruppe aufgestellt hatte. Mit Verkehrsexperten, städtebaulichen Experten, der Bürgerschaft und der hannoverschen Immobilien- und Wohnungswirtschaft. Um die Belange aller Beteiligten zu erfahren, für Transparenz zu sorgen – und um die aus den 1990er-Jahren stammenden städtebaulichen Annahmen und Konzepte auf den Prüfstand zu stellen. „Die Stadt hat mit allen Partnern sehr gut kooperiert, und das in einer unglaublichen Geschwindigkeit. Das hat
Charakter“, lobt Matthias Herter.

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Allein im Zuge der informellen Entwurfsphase seien die Planungsüberlegungen mit den Anliegen der Bürger fünf bis sechs Mal im Stadtteilzentrum KroKus laut Bodemann zur Deckung gebracht worden: „Die größte Sorge der Anwohner war es, dass das Gebiet zu dicht bebaut wird, dass die Versorgung mit Infrastruktur, insbesondere mit der Bildungsinfrastruktur nicht ausreicht, dass die soziale
Ausgewogenheit nicht dargestellt werden kann und dass der bei Kronsberg-Nord zur EXPO gefundene ökologische Standard nicht zeitgemäß weiterentwickelt wird. Wir sind uns sicher, dass wir mit dem jetzt erarbeiteten Konzept die Belange und Anliegen aller Beteiligten berücksichtigen konnten.“

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Apropos Geschwindigkeit: Heute zahlt es sich aus, dass die Stadt bei den Planungen zur EXPO 2000 die weitere Siedlungsentwicklung in Kronsberg-Süd bereits berücksichtigt hat, um die stadteigenen Flächen vorausschauend in einem schnellen Prozess baureif zu bekommen. „In diesem Zusammenhang muss man die frühzeitige Darstellung der Fläche im Flächennutzungsplan erwähnen. Zusätzlich kommt uns zugute, dass bereits zu Zeiten der EXPO-Planung die Stadtbahn mit immerhin zwei Haltestationen, EXPO-Ost und Stockholmer Allee, an das Gebiet herangeführt wurde“, berichtet Uwe Bodemann.

Vorteilhaft sei natürlich auch, dass sowohl zur EXPO-Zeit als auch in den Folgejahren mit dem Parc Agricole, dem Kammwald und den Allmendeflächen am eigentlichen Kronsberg sowie dem Park Kattenbrook ein grünes Passepartout um die Fläche Kronsberg-Süd geschaffen wurde. Auch Matthias Herter unterstreicht, dass das Mischungsverhältnis zwischen Grün und Bebauung einen sehr guten wohnlichen Eindruck mache: „Viele Menschen werden nah am Grün leben, das Wohnen hat einen großen Landschaftsbezug und städtebauliche Qualität.“

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Das Neubaugebiet Kronsberg-Süd ist Teil eines Wohnungsbaukonzepts, das der Rat der Stadt bereits im Jahr 2013 beschlossen hat, um laut Bodemann „frühzeitig und passgenau auf den Anstieg der Bevölkerung zu reagieren“. Denn bis 2030 soll Hannover fast 24.000 mehr Einwohner zählen. Eine Vorschau für Wohnungsbauflächen sowie eine Initiative für die zügige Bereitstellung von baureifen
Gebieten, das kommunale Wohnungsbauförderungspro-
gramm und der Auftrag, mit der Wohnungswirtschaft stärker zu kooperieren, seien die wesentlichen Konzeptinhalte gewesen. Ein weiterer Baustein ist das 2016 zwischen der Stadt und der hannoverschen Wohnungswirtschaft
vereinbarte Bündnis für Wohnen, die „Hannoversche Wohnbauinitiative 2016“. In diesem Vertrag hat
sich die Stadt unter anderem dazu verpflichtet, städtische Bauflächen nach Verkehrswert und nicht nach Höchstgebot zu verkaufen. Im Gegenzug verpflichtet sich die Wohnungswirtschaft, pro Jahr mindestens 1.000 Wohnungen zu bauen – 25 Prozent davon für Haushalte mit niedrigem Einkommen, gefördert mit Finanzmitteln der Stadt. Auch bei dem frei verfügbaren Wohnraum könnten die Mieten
dann bei 11,50 bis 12 Euro pro Quadratmeter liegen, „das gilt im Neubau als günstig“, sagt Herter.

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Bezahlbarer Wohnraum – etwas, das derzeit in vielen Großstädten kaum noch zu finden ist. Wobei dieser Begriff natürlich dehnbar und relativ sei, betont Matthias Herter: „Für den einen sind 12 Euro bezahlbar, für den anderen 10 oder gar nur 5 Euro.“ Vielleicht könne man es anders ausdrücken und fragen: „Wie viel von meinem Einkommen muss ich für die Miete aufwenden, um zu wohnen? Und da stellen wir fest, dass in den Metropolen teils weitaus über 40 Prozent für Miete ausgegeben wird – teilweise bis zu 50 Prozent. Das ist nicht gesund. Zwischen 30 und 35 Prozent sollte das liegen.“ Laut Matthias Herter ist Hannover zwar kein bundesweiter Vorreiter beim bezahlbaren Wohnraum, „aber alle arbeiten daran, dies anzubieten. Zum Glück erleben wir in Hannover nicht die Explosion des kommunalen Baulandes, das hier nicht zum
Höchstpreis, sondern zum Festpreis berechnet wird.“ Der Haken: In Hannover gebe es kaum kommunales Bauland, das meiste sei in privater Hand – wie etwa die Wasserstadt Limmer. Uwe Bodemann ergänzt: „Über die städtebaulichen Verträge stellen wir sicher, dass die geförderten
Wohnungen in den Wohngebieten nicht an einer Stelle konzentriert, sondern über das gesamte Quartier gleichmäßig verteilt in Mischung mit Wohnungen anderer Miethöhen gebaut werden.“ Die größte Herausforderung sehe er aber vielmehr im Anstieg der Baukosten: „Wir diskutieren daher
gegenwärtig, wie es uns gelingen kann, im Rahmen der Wohnungsbauförderung diesem Problem Herr
zu werden.“

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Und ob die Lücken auf dem hannoverschen Wohnungsmarkt mit der „Wohnbauinitiative 2016“, die bis zum Jahr 2020 5.000 neue Wohnungen vorsieht, geschlossen werden können, das bezweifelt sogar der Stadtbaurat: „Vergegenwärtigen wir uns die aktuelle Situation auf dem Wohnungsmarkt, dann
benötigen wir sicherlich mehr als 1.000 neu gebaute Wohnungen im Jahr. Gleichzeitig müssen wir aber auch in Rechnung stellen, dass der Markt zurzeit kaum in der Lage ist, eine größere Zahl als diese fertigzustellen. Auf Seiten der Stadt bereiten wir zurzeit eine Flächenvorschau für den Wohnungsbau des kommenden Jahrzehnts vor.“

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Bis vor wenigen Jahren hat die Stadt Hannover das „Primat der Innenentwicklung gegenüber der
Außenentwicklung“ vorgezogen. „Nachdem wir aber feststellen mussten, dass wir mit den Innenentwicklungsvor-
haben die eklatant ansteigende Nachfrage nach Wohnraum nicht zeitnah befriedigen können, hat der Rat beschlossen, die Kronsbergflächen frühzeitiger als ursprünglich geplant in Angriff zu nehmen. Gleichzeitig entwickeln wir sogenannte Nachverdichtungsprojekte: Projekte wie das Buchholzer Grün, der Benther Blick, das Vitalquartier an der Seelhorst oder
Herzkamp an den Hilligenwöhren“, so Bodemann.
Matthias Herter zitiert diesbezüglich gerne das Hamburger Motto: „Mehr Stadt an neuen Orten“. Da in der Hansestadt der Platz nicht ausreiche, werde dort beispielsweise vor den Toren der Stadt ein neuer Stadtteil entstehen. „Auch hier in Hannover werden wir uns Felder suchen müssen, die wir städtebaulich neu entwickeln können.“ Wie auf dem
Kronsberg, was ein sportliches Ziel ist, ab 2019 tatsächlich schnellstens gebaut wird – denn nur unter dieser
Voraussetzung habe die Stadt überhaupt das Gebiet entwickelt. „Auch das“, so Herter, „ist ja das
Besondere an diesem Neubaugebiet.“

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