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Man kann eine Blume in die Baumscheibe vor einem Mietshaus pflanzen. Man kann „So nicht!“ auf die ständig rote Fußgängerampel schreiben. Man kann in den Bauausschuss im Rathaus gehen und zuhören. Man kann bei Bürgerinformationsabenden aufkreuzen und Fragen stellen. Man kann einer Initiative beitreten. Oder selbst eine gründen. Wie auch immer: Man kann was tun. Und bewegen. Auch in Hannover.

Von Bert Strebe (Text) und Moritz Küstner (Fotos/Videos)

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Oliver Thiele stellt sich und seine Initiative vor.

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Die Gestaltung der Stadt oder eines Ortes ist längst nicht mehr nur was für Spezialisten, für Dezernenten und Kommunalpolitiker. Schon heute reden immer mehr Bürger mit. In Deutschland. In Hannover. In der Region. Und es werden noch mehr. Bürger wie Oliver Thiele.

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Während Oliver Thiele mit seinen Kindern radfahrend die dänische Hauptstadt entdeckt, stellt er erstaunt fest: Nicht eine gefährliche Situation im Straßenverkehr. Niemand hat Angst vor den Autos. Eine harmonische Ko-Existenz von Radfahrern, Fußgängern und Pkw. Dank vernünftiger Planung. Nach seiner Rückkehr macht der Lindener Nägel mit Köpfen. „Ich wollte was tun für meine Stadt“, sagt er.

Seit 2016 gibt es nun eine Bürgerinitiative, die sich dafür einsetzt, den Fußgängern und Radfahrern mehr Platz auf den hannoverschen Straßen zu verschaffen. „PlatzDa!“, heißt die Gruppe.

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„PlatzDa!“ diskutiert mit Politikern. Die Initiative „bespielt“ aber auch schon mal die Parkplätze am Lindener Markt. „Für wen soll die Stadt da sein?“, fragt Oliver Thiele. Und antwortet selbst: „Für die Menschen. Vorwiegend.“ Deswegen müsse man darüber nachdenken, den Platz für Autos zu begrenzen. Dafür kämpft er: „Wir wollen Augen öffnen.“  

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Arne Käthner stellt sich und das  Bündnis „HannovAir Connection“ vor.

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„PlatzDa!“ gehört zum übergeordneten Bündnis „HannovAir Connection“. Auch hier ist der Name Programm: Es geht um saubere Luft in der Landeshauptstadt. Und das höchst engagiert seit Frühjahr 2017.

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Verschiedene Umweltinitiativen unterstützen die „HannovAir Connection“. Arne Käthner und seinen Mitstreitern ging es einfach zu langsam mit dem Luftreinhalteplan der Stadt. Letztlich, so fürchtete Käthner, würden doch wieder nur die Symptome bekämpft. Er möchte, dass die Stadt den Gesundheitsschutz ernst nimmt. Schutz vor Feinstaub, Kohlendioxid und auch Lärm. Und ihn gewährleistet.

Das funktioniere aber nur mit einer „echten Verkehrswende“. Heißt: weniger Autos. In München habe man das doch auch hingekriegt, sagt Käthner: Dort habe die Stadt die Forderungen eines Bürgerbegehrens übernommen.

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Und wenn die Kommune nicht darauf eingeht? Dann startet „HannoverAir“ vermutlich auch ein Bürgerbegehren. Oder das Bündnis klagt. „Hannover hat so viel Potenzial“, findet Arne Käthner. „Die Stadt könnte mehr aus sich machen.“

Früher gab es oben die Obrigkeit und unten die Bürger. Heute wissen die meisten Menschen, dass der Staat ohne Bürger gar nicht existieren würde. Nur der Staat selbst tut sich mit dieser Erkenntnis manchmal vielleicht noch ein bisschen schwer.

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Oliver Kuklinski stellt sich und seine Tätigkeit vor.

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Oliver Kuklinski ist Politikberater und arbeitet (auch) im hannoverschen Bürgerbüro Stadtentwicklung. Seine Aufgabe ist es, Partizipation zu organisieren: den Dialog zwischen Stadt und Stadtbewohnern. Immer da, wo sich was verändert.

Der Staat solle gar nicht in erster Linie innovativ und kreativ sein, sagt Kuklinski. Das sei nicht seine Aufgabe. „Die Aufgabe des Staates ist Daseinsvorsorge.“ Der Staat soll sicherstellen, dass man sich in seinen Grenzen gefahrlos bewegen kann. Dass die Gesetze eingehalten werden. Dass die Kinder zur Schule gehen können. Dass man einen Ausweis ausgestellt bekommt, wenn man einen braucht.

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Bessere Ideen auch mal anerkennen

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Und wo der Staat heute und morgen und übermorgen besser werden muss: mit den Bürgern auf Augenhöhe zu kommunizieren. „Der Staat sollte immer mehr die Fähigkeit entwickeln anzunehmen, dass die Bürger teilweise bessere Ideen haben als er selbst“, sagt Oliver Kuklinski. Und dass es eine ganz schöne Leistung sei, wenn er diese unterstütze.

Bürgerinitiativen wiederum, weiß der Berater, entstehen aus Betroffenheit, aus der sich Engagement entwickelt. Dann beginnt ein Prozess: Man findet Mitstreiter, es wächst Gemeinschaft. Man überwindet Widerstände, man spürt den Erfolg. Und es macht Spaß.

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Immer schon gab es viele „Dagegen“-Initiativen. Die haben ein negatives Ziel. Heute gibt es mehr „Dafür“-Initiativen. Da steht was Positives auf der Agenda. Das produziert mehr Erfolgsgefühl und mehr Spaß. „Daraus“, sagt Oliver Kuklinski, „entsteht Energie.“ Um noch mehr zu bewegen. Auf dieser Welle positiver Energie könnten Bürger und Staat gemeinsam surfen, „und das kann süchtig machen“.

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