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Los geht's

Familie testet Lastenrad

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Von Bernd Haase (Text) und Alexander Körner (Fotos)

Im Familienrat bei den Huhndorfs in Hainholz, bestehend aus Martin (38, Sozialarbeiter), Susanne (37, Hebamme), Nele (12, Schülerin), Enno (8, Schüler) und Oskar (fast 2, Krippenbesucher, noch nicht voll stimmberechtigt) war die Entscheidung schnell gefallen. „Wir machen das“, lautete der einstimmige Beschluss. „Seitdem haben die Kinder ständig gefragt, wann es endlich los geht“, sagt Susanne Huhndorf. Jetzt ist es soweit. Die Familie hat ihr Auto für einen Monat auf dem Parkplatz der Madsack Mediengruppe in Bemerode abgestellt und dafür ein Lastenrad in Empfang genommen.

Die Aktion ist Teil des Gemeinschaftsprojektes „ÜberMorgen“ von Sparkasse Hannover und HAZ.


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In Städten wie Kopenhagen oder Amsterdam hätte man damit keinen Hund hinter dem Ofen hervorgelockt. In der dänischen Hauptstadt etwa hat jede vierte Familie ein Lastenrad in der Garage stehen, Tendenz stark steigend. In Deutschland dagegen gehören die Gefährte immer noch nicht zum Alltagsbild in den Städten, obwohl sie mit Projekten wie etwa den Leihfahrrädern „Hannah“ in Hannover gefördert und beworben werden. Die Räder gelten als ein wirksames Mittel gegen die Autoflut in den Städten und die damit verbundenen Lärm-, Luftverschmutzungs- und Platznöte.

„Wir hatten schon häufiger überlegt, auf das Auto zu verzichten, aber bisher nicht Nägel mit Köpfen gemacht“, erzählt Martin Huhndorf. Das änderte sich, als die HAZ eine Testfamilie für das Projekt „Tausche Auto gegen Fahrrad“ suchte: „Wir haben uns sofort beworben.“ Statt ihrer Familienkutsche VW Touran bewegen die Huhndorfs nun ein Lastenrad vom Typ Babboe City-E durch die Stadt. Es hat sieben Gänge, elektronische Tretkraftunterstützung und erlaubt in der mit Sitzbank ausgestatteten Transportbox 80 Kilogramm Zuladung. Die Reichweite nach einer Stromladung liegt bei 40 bis 60 Kilometern. „Das Modell ist wendig, schnell und leicht“, befindet Tobias Pompe vom Zweirad-Center Stadler, das das E-Lastenfahrrad für die Aktion gespendet hat.

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Es gibt bessere Monate als den November, um sich für ein zumindest zeitweiliges Leben ohne Auto zu entscheiden. „Das Wetter wird die größte Herausforderung“, erwartet Susanne Huhndorf. Sie ist auch diejenige, die die größte Umstellung bewältigt. Ihr Ehemann ist ohnehin Fahrradfahrer; Nele und Enno sind zur Schule oder zum Sport zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Roller unterwegs. Nur Oskar muss morgens in die Krippe gebracht werden. Als er bei der Testfahrt zum ersten Mal in der Transportbox des Fahrrades saß, sah er ganz vergnügt aus.

Susanne Huhndorf, die als Hebamme im gesamten Stadtgebiet unterwegs ist, legt an einem Arbeitstag zwischen 20 und 30 Kilometer zurück. Bisher geschah das in der Regel im Touran. „Ich fühlte mich oft gestresst durch den starken Verkehr und die nervige Suche nach Parkplätzen“, sagt sie. Mindestens genauso wichtig ist ihr der ökologische Aspekt. Und schließlich: „Unser Auto steht häufig ungenutzt vor der Tür.“

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Für die nächsten vier Wochen wird der Touran nun in Bemerode parken, komme, was da wolle. Die Familie hat Autoschlüssel, Ersatzschlüssel und Fahrzeugpapiere in der Redaktion abgegeben und sich von Fachmann Pompe kurz auf das Babboe City-E einweisen lassen. Dann hat Susanne Huhndorf eine erste Testrunde hingelegt. „Man muss sich im Vergleich zum normalen Zweirad etwas umstellen“, sagt sie. Einen, höchstens zwei Tage werde es dauern, dann flutsche es mit Lastenrad so, als ob man damit schon immer gefahren wäre, verspricht Pompe.

Über ihre Erfahrungen und Erlebnisse im autolosen November werden die Huhndorfs Tagebuch führen. Dass sie den Versuch danach als Familie in eine Dauerlösung in Sachen Fortbewegung umwandeln und den Touran abschaffen, halten sie prinzipiell für eine gute Idee, wollen sich aber noch nicht endgültig festlegen. Die Voraussetzungen sind gegeben: Das Lastenrad dürfen sie behalten, egal wofür sie sich entscheiden.

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