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Buchrezension_Volk_ohne_Wagen

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„Volk ohne Wagen“ betitelt Stephan Rammler provozierend seine „Streitschrift für eine neue Mobilität“. In ihr legt der Professor für Transportation Design & Social Sciences aus Braunschweig auf knapp 200 Seiten dar, was seiner Meinung nach seit jeher schiefläuft in der deutschen Verkehrspolitik – und wie sich das „Autoland Deutschland“ und der Wirtschaftsstandort Niedersachsen durchaus zu einer noch mobileren Gesellschaft hin entwickeln ließe, ohne dass der einzelne Bürger gleichzeitig Verzicht üben müsste.

Von Christian Blees

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Dabei spart der Mobilitätsforscher bereits im Prolog nicht mit harscher Kritik: „Heute würde das Automobil, so wie wir es kennen, wollte man es neu auf den Markt bringen, keine Technikfolgenabschätzung nach geltenden Maßstäben bestehen“, schreibt Rammler. Zu groß seien die Gefahren durch verschiedene Emissionen, das Unfallpotenzial sowie jene Risiken, die sich durch die geopolitische Abhängigkeit vom Erdöl ergeben würden. Und auch die nackten Zahlen, die der Mobilitätsforscher präsentiert, können selbst eingefleischte Autofans, wenn auch zähneknirschend, schwerlich verleugnen.

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Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Hierzulande wurden alleine auf den Autobahnen im Jahre 2016 insgesamt knapp 1,4 Millionen (!) Staukilometer gemessen. Einer Studie zufolge entfallen über 30 Prozent des innerstädtischen Straßenverkehrs auf die Parkplatzsuche. Pro Jahr kommen auf unseren Straßen rund 3.000 Menschen ums Leben. Und die gestiegene, durchschnittliche Motorleistung neu zugelassener Pkw (Stichwort: SUV) hat dafür gesorgt, dass die CO2-Emissionen und der Kraftstoffverbrauch im vergangenen Jahr neue, Besorgnis erregende Höchstwerte erreichten. Dass in Deutschland in Sachen Mobilität etwas geschehen muss – nicht zuletzt auch aufgrund der zusätzlichen, erst im Zuge des Dieselskandals ans Licht gekommenen Umweltbelastungen – scheint insofern also außer Frage zu stehen.

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Die Frage ist nur: Wie genau könnten die „Zukunftspfade der Automobilität“ (so der Titel eines Buchkapitels) beschaffen sein, ohne dass der von Automobil-Lobbyisten immer wieder beschworene „Wirtschaftsstandort Deutschland“ darunter leidet? Stephan Rammler wartet in dieser Hinsicht mit einem umfangreichen Forderungskatalog auf – angefangen von dem Abschmelzen der Steuervorteile für Dieselfahrzeuge über eine Neuausrichtung der Straßenverkehrsordnung bis hin zur Umwandlung der „Bundesanstalt für Straßenwesen“ in eine „Bundesagentur für Mobilität“. Leider ist manches davon jedoch zu unkonkret oder umständlich formuliert, um beim neutralen Leser Begeisterung zu wecken. So schwadroniert Rammler in typischem Wissenschaftler-Deutsch etwa von der „Errichtung von Mobilitätsforschungs- und Beteiligungsprogrammen zur Evaluation von Beteiligungsverfahren der eingeleiteten Politikwende“ oder versteigt sich in Schachtelsätzen, die erst bei mehrmaligem Lesen halbwegs verständlich erscheinen.

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Derartige stilistische Entgleisungen sind umso bedauerlicher, als Rammler im Grunde genommen durchaus faszinierende Erkenntnisse liefert – vor allem dann, wenn es um die Stichworte „Connected Driving“ und „Connected Mobility“ geht. Die Abschnitte über die Vernetzung moderner Fahrzeuge untereinander sowie mit einer intelligenten, ebenfalls vernetzten Verkehrsinfrastruktur und die sich daraus ergebenden Zukunftsperspektiven eröffnen spannende Einblicke in das, was mobilitätstechnisch alles möglich erscheint – und was laut Rammler früher oder später ohnehin Wirklichkeit werden dürfte. Vor allem der Kampf großer Medienkonzerne wie Google und Apple mit den konventionellen Autoherstellern um die „Weltherrschaft“ auf dem Mobilitätssektor lässt in dieser Hinsicht noch einiges erwarten.

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