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Alptraum oder Vision Zero träumen?

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Es wird grün, zwei fahren los, ein Elfjähriger stirbt. Solch gefährliche Situationen lassen sich durch infrastrukturelle Maßnahmen vermeiden. Das Prinzip nennt sich „Vision Zero“, der Weg Richtung keine Verkehrstoten. Was kann Hannover da von anderen Ländern lernen? Wir haben recherchiert.

Schweden verfolgt das Prinzip der Verkehrstotenvermeidung seit 1997 systematisch. Binnen gut 20 Jahren wurde erreicht, dass dort 30 Prozent weniger Menschen im Verkehr sterben als in Deutschland, bezogen auf die Bevölkerung. Menschen machen Fehler, nehmen sich gegenseitig die Vorfahrt oder fahren einfach, ohne Sicht. Sekundenbruchteile entscheiden dann über Leben und Tod. Eine fehlervermeidende Straßen-infrastruktur hebelt solche Situationen aus. Und die infra-strukturellen Anpassungen zahlen sich aus.

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In Hannover werden pro Jahr 40 Menschen im Verkehr getötet, 800 hochgerechnet auf 20 Jahre. Volkswirtschaftlich wird der Wert eines Menschen laut Bundesanstalt für Straßenwesen mit 1,2 Mio. Euro beziffert. Addiert um 550 Schwerverletzte pro Jahr mal 123.000 Euro volkswirtschaftliche Kosten (für Dinge wie Arbeitsausfall, Gesundheitskosten, Pflegebedarf) summiert sich die hannoversche Unfalllast in 20 Jahren auf 2,3 Milliarden Euro. Durch fehlervermeidende Straßen könnten 30 Prozent weniger Menschen sterben oder schwer verletzt werden. Hannover würde nicht nur 685 Mio. Euro an volkswirtschaftlichen Kosten einsparen, sondern vor allem in 20 Jahren 37.200 Angehörigen der 240 Verkehrstoten viel Leid ersparen. Denn jeder Tod betrifft statistisch 155 Menschen.

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Wie sieht nun die Praxis aus? Kleinteilige Stellschrauben summieren sich zum Gesamtergebnis: Höhere Geschwindig-keiten gehen mit höheren Impuls-Energien einher: Unfälle bei kleinerer Differenzgeschwindigkeit gehen glimpflicher ab. Tempo-Reduktionen sind daher Vision-Zero-Basis. Aber ein Schild allein reduziert kein Tempo. Verhaltensbeeinflussend sind Straßeninfrastrukturen. Auf breiten Straßen wird schnell gefahren. Macht man sie enger und schafft man Barrieren zwischen Kfz-, Rad- und Fußverkehr, sinken Geschwindig-keiten; Sicherheit und Durchflusskapazitäten steigen. Radwege verlaufen an großen Kreuzungen nicht parallel, sondern verschwenkt. Vorteil: Mit guten Sichtbeziehungen und langsameren Kurvengeschwindigkeiten machen selbst unachtsame Verkehrsteilnehmer weniger folgenschwere Fehler: Die Stadt wird sicher für Bürger von acht bis achtzig. Verhaltenslenkend sind die Hochsicherheitsorganisation der Eisenbahnen oder der Luftfahrt gute Vorbilder für Fuhrunter-nehmen und Speditionen. Wenn Unternehmer nachweisen müssen, dass sie ausgeruhte Fahrer und einen sicher fahrbaren Dienstplan mit Pausen haben, steigt die Sicherheit für alle. Behördenaufgabe.

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Infrastrukturelle Mitursachen lassen sich schrittweise beseitigen. Unfallorte sind Punkte, an denen schnell und beherzt politisch zu entscheiden ist. Behörden richten im Idealfall ihr Lernen auch an Vision Zero aus. Ob eine Kreuzung dem Regelwerk entspricht, ist dann nicht die einzige Priorität. Relevanter ist, ob diese Kreuzung potenziell tötet oder ob sie Unfälle vermeidet. Kurzfristige, in Jahresetappen formulierte konkrete und machbare Ziele helfen, die Aktivitäten zu priorisieren. Vision Zero ist machbar.

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